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t-online.de-Kolumnistin schreibt: So erlebte ich das bittere Italien-Aus

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t-online.de-Kolumnistin Valeria Meta  

Die schmerzhafteste Szene, die ich je mit ansehen musste

14.11.2017, 17:24 Uhr | Valeria Meta, t-online.de

t-online.de-Kolumnistin schreibt: So erlebte ich das bittere Italien-Aus. Ein verzweifelter Gianluigi Buffon, den Valeria Meta am Fernseher verfolgen musste. (Quelle: Getty Images)

Ein verzweifelter Gianluigi Buffon, den Valeria Meta am Fernseher verfolgen musste. (Quelle: Getty Images)

Valeria Meta berichtet für t-online.de regelmäßig über internationalen Fußball. Jetzt schreibt die Römerin über sich selbst – und wie sie als Italienerin das WM-Aus der "Squadra Azzurra" erlebte. 

Die Kolumne von Valeria Meta bei t-online.de.

Am Ende des torlosen Remis gegen Schweden herrscht bei uns Ungläubigkeit. Ein Schock. Danach kommt gleich die Wut. Dass Italien erstmals seit 1958 die Endrunde der Weltmeisterschaft verpasst, ist kein Zufall und auch kein Unglück, trotz der vielen Torchancen, die wir nicht verwandelt haben. Aber es fühlt sich dadurch nicht besser an.

Es ist ehrlich gesagt die bittere Folge von vielen falschen Entscheidungen.

"Die Mannschaft hat alles gegeben. Schuldig ist nur der Trainer", lautet die einstimmige Meinung meiner Freunde, die mit mir in Rom das Spiel sehen. Zuhause bei mir, wie immer, seit gut zwanzig Jahren. Wir waren schon 1997 zusammen vor dem Fernseher, als Italien Russland besiegte und die WM in Frankreich erreichte. Vielleicht waren wir genau wegen dieser Erinnerung noch ziemlich überzeugt, dass es die "Azzurri" irgendwie schaffen würde.

Die schmerzhafteste Szene aller Zeiten

Mit dem Rücken zur Wand kann Italien glänzen, oder? Nein, leider gilt das offenbar nicht mehr. Zwanzig Jahre danach sehen wir wohl die schmerzhafteste Szene, die wir je beim Fußball anschauen mussten: Die Tränen von Gigi Buffon, der im TV-Interview seinen Gefühlen einfach freien Lauf lässt. Einen solchen Abschied von der Nationalmannschaft hat Italiens Nummer Eins auf keinen Fall verdient.

Noch schlimmer wird der Abend, als erst Andrea Barzagli und dann Daniele De Rossi ihren Abschied von der "Squadra Azzurra" mitteilen. Die beiden wurden 2006 in Berlin Weltmeister, De Rossi ist seit 2004 ein Urgestein der Mannschaft. So fühlt es sich also an, wenn eine Ära zu Ende geht.

Der Kader 2016 war schlechter

Noch stärker war aber der Eindruck, dass schon seit ein paar Jahren etwas bei der Nationalmannschaft schief gelaufen ist. Bei der EM 2016 verfügte der Trainer Antonio Conte über einen Kader, dessen Qualitätsniveau niedriger war als heute. Trotzdem war das ein echtes Team – und kein Zufall, dass sie den amtierenden Weltmeister Spanien schlugen und das Viertelfinale gegen Deutschland erst im Elfmeterschießen verloren.

Keine brillante Spielweise, aber starker Teamgeist – was übrigens üblich bei Contes Mannschaften ist. Dann aber verpflichtete der italienische Fußball-Bund Giampiero Ventura als Nationaltrainer. Zwei gute Spielzeiten beim FC Turin hatte er hinter sich, sonst nichts. Von Anfang an war klar, dass er die Spieler seinen taktischen Vorstellungen unterordnete. Und zwar: Erst das 3-5-2 von Conte, dann ein 4-2-4, danach endlich wieder das 3-5-2.

Das größte Opfer von Ventura

Dementsprechend gab es keinen Platz für Spieler, die zwar gut und fit waren, sich der Idee des Trainers aber nicht anpassten. Das größte Opfer von Venturas Unnachgiebigkeit war Lorenzo Insigne: Zusammen mit Stephan El Shaarawy gehört er zu den formstärksten Spielern der Serie A. Keiner von ihnen stand aber in der Startelf gegen Schweden.

Die Grundfehler wurden aber wahrscheinlich schon bei der Planung gemacht: Sobald Italien in die Qualifikationsgruppe zusammen mit Spanien gelost worden war, sagte jeder, die Qualifikation würde von dem Spiel in Madrid abhängen. Im "Santiago Bernabéu" wurde Italien überrollt. Dort verlor die Mannschaft nicht nur das Spiel, sondern vor allem die Zuversicht. Am schlimmsten war, so gewann man damals den Eindruck: Diese entscheidende Begegnung wurde nicht gut vorbereitet. Eine echte Spielidee hatte Italien wohl nur unter Arrigo Sacchi – jetzt fehlt aber auch das Herz.

Kommt jetzt Ancelotti?

Schon direkt nach dem Abpfiff in Mailand begannen die üblichen Mechanismen. Experten und Fans sind sich einig: Ventura muss weg. Da der Trainer seinen Rücktritt nicht verkündet hat, wird ihn der Verband wahrscheinlich entlassen. Abzuwarten bleibt, wer sein Nachfolger wird.

Viele wünschen sich Carlo Ancelotti, der nach seiner Entlassung vom FC Bayern nun frei ist. Andere möchten die Rückkehr von Conte, dessen Engagement beim FC Chelsea schon im Sommer beendet sein könnte. Mittlerweile fragt man sich: "Und jetzt? Wie sieht eine WM ohne Italien aus?" Deswegen ist die Stimmung des "day after" in Italien eine Mischung aus Wut, Enttäuschung und tiefer Traurigkeit.

Eine WM ohne Italien. Eine Nationalmannschaft ohne De Rossi und Buffon. Wie Igor bei "„Frankenstein Junior" sagt: "Es könnte noch schlimmer sein. Es könnte regnen."

Ach ja, in Rom regnet es ständig – schon seit letzten Sonntag.

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