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Christian Schwarzer: "Der Handball-Bundestrainer muss die WM-Quali schaffen"

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Klartext von Christian Schwarzer  

"Der Bundestrainer muss die WM-Quali schaffen"

05.01.2014, 09:11 Uhr | t-online.de

Christian Schwarzer: "Der Handball-Bundestrainer muss die WM-Quali schaffen". Christian Schwarzer hat eine klare Meinung. (Quelle: dpa)

Christian Schwarzer hat eine klare Meinung. (Quelle: dpa)

Das Interview führte Jörg Runde

In wenigen Tagen startet die Handball-EM in Dänemark. Die deutsche Nationalmannschaft ist wie schon bei Olympia 2012 nicht qualifiziert. Christian Schwarzer, Jugendkoordinator des DHB, erklärt im Interview mit t-online.de, warum es mit der deutschen Auswahl zukünftig wieder aufwärts geht.

Außerdem spricht er über die Rolle von Bundestrainer Martin Heuberger und seine persönlichen Ambitionen.

t-online.de: In ein paar Tagen startet die Handball-EM in Dänemark. Welche Nationen sind in Ihren Augen die Favoriten?

Schwarzer: Das sind die üblichen Verdächtigen. Also Frankreich, Spanien und Kroatien. Top-Favorit ist aber Gastgeber Dänemark. Sie haben eine richtig starke Mannschaft und dazu den Heimvorteil. 

Sind die Spiele vor den eigenen Fans wirklich ein Vorteil?

Aus meiner Sicht ja. Natürlich ist der Druck auf die Heimmannschaft richtig groß. Aber die Begeisterung des Publikums kann einen schon richtig weit tragen. Ich habe das ja 2007 erlebt, wir schwammen da wirklich auf einer großen Erfolgswelle zum WM-Titel. 

Von einer Erfolgswelle ist die deutsche Mannschaft weit entfernt. Wo steht das DHB-Team aus ihrer Sicht im europäischen Vergleich?

Ohne anderen Nationen zu Nahe treten zu wollen: Ich bin schon der Meinung, dass wir aktuell zu den besten 16 Mannschaften in Europa gehören. Klar ist aber auch, dass wir uns für die Turniere qualifizieren müssen. Das haben wir nicht geschafft, deshalb sind Teams wie Montenegro dabei und wir schauen zu.

Wie groß ist der Imageschaden für den DHB, der durch die verpasste Olympia-Qualifikation 2012 und EM-Teilnahme 2013 entstanden ist?

Das werden wir jetzt erst sehen, wenn wir erneut zuschauen. Immerhin werden einige EM-Spiele im Fernsehen übertragen. Das ist wichtig. Handball findet im Fernsehen statt.

Aber ohne Deutschland werden die Quoten eher dürftig sein.

Das stimmt natürlich. Wir müssen auf jeden Fall aufpassen, dass uns an der Basis die Jugendlichen nicht zu anderen Sportarten weglaufen. Die jungen Handballer brauchen deutsche Idole, die sie auch im Fernsehen zu sehen bekommen. Das ist jetzt leider nicht der Fall, das bereitet mir Sorgen.

Wer sind denn die Führungspersönlichkeiten, die Idole, an denen sich die Talente orientieren sollen?

Das sind vor allem die Spieler, die schon länger dabei sind. Ich denke da an Oliver Roggisch, Sven Sören Christophersen, Michael Haaß und Uwe Gensheimer. Die müssen vorne weg gehen, als Vorbilder fungieren und das Nationalmannschafts-Schiff in die richtige Richtung lenken.

Wie steht es um den Nachwuchs, wer rückt da demnächst nach?

Unser Nachwuchs ist richtig gut. Das zeigen auch die Erfolge, also der Junioren-WM-Titel 2011 und der EM-Sieg der U18 ein Jahr später. Das Problem ist ein anderes.

Und das wäre?

Der Übergang in den Profi-Handball bleibt die größte Baustelle. Ein Fabian Wiede ist jetzt mit seinen 19 Jahren schon bei der Nationalmannschaft dabei, weil er bei den Füchsen in Berlin auch spielt. Das gilt z.B. auch für viele Talente beim TBV Lemgo. Ich denke da an Marcel Niemeyer, Finn Lemke, Julian Possehl, Hendrik Pekeler und Nils Dresrüsse. Die spielen auf höchsten Niveau in der ersten Liga, sammeln Erfahrungen und werden automatisch interessant für den Bundestrainer.

Florian Baumgärtner ist jetzt von den Rhein-Neckar-Löwen zum FC Barcelona gewechselt. Sie haben dem 18-Jährigen zu diesem Schritt geraten. Warum?

Das Gesamtpaket in Barcelona passt einfach. Florian hat das Abitur in der Tasche und kann sich jetzt voll und ganz auf den Leistungssport konzentrieren. Neben der sportlichen Entwicklung spielt ja auch die Persönlichkeitsentwicklung eine große Rolle. In Spanien lernt er eine neue Sprache und eine andere Kultur kennen. Wenn er sich in diesem Umfeld behauptet, hat er allerbeste Chancen den Durchbruch zu schaffen.

Wie sind die ersten Rückmeldungen?

Markus Baur hat ihn beim letzten Lehrgang der Junioren gesehen und war angetan von den Fortschritten, die er schon in den ersten Wochen in Barcelona gemacht hat. Mich wundert das wie gesagt nicht. Ich kenne die Bedingungen in Barcelona und bin davon absolut überzeugt.

Was wird in Barcelona anders gemacht als hier?

Grundsätzlich wird dort nichts anders gemacht als in Deutschland, er hat einfach nur optimale Bedingungen vor Ort und hat seine Trainingsintensität gesteigert. Florian hat dort mehrmals in der Woche Krafttraining. Das zahlt sich aus, das hat bereits angeschlagen. Wir wissen, dass wir in dem Bereich Defizite haben und arbeiten daran. An den Stützpunkten und auch in den Leistungszentren der Vereine wird mittlerweile viel für die Athletik getan.

Die Nachwuchs-Leistungszentren der Fußball-Bundesliga genießen weltweit einen exzellenten Ruf. Wie steht die Talentförderung im Handball im Vergleich dazu da?

Wir orientieren uns in diesem Bereich sehr stark an den Fußballern. Wir müssen das Rad ja nicht neu erfinden. Die Fußballer machen uns viele Dinge vor. Im Handball sind wir auch auf einem guten Weg. Es gibt mittlerweile sehr gute Akademien und Leistungszentren, auch die Eliteschulen des Sports helfen sehr und vieles mehr. Wichtig ist auch das alle Bundesligisten beim Thema Jugendförderung mitziehen. Die Entwicklung macht definitiv Hoffnung.

Wann ist mit den ersten Spielern in der Nationalmannschaft zu rechnen, die von der guten Ausbildung profitiert haben?

Wir brauchen sicherlich noch Zeit, um die Früchte ernten zu können. Alles natürlich auf einer anderen Ebene als im Fußball. Wir haben ja auch nicht die finanziellen Mittel wie die Fußballer. In eins bis drei Jahren glaube ich aber schon, dass wir Spieler in unseren Reihen haben, die mit Jungs wie Götze, Müller und Draxler zu vergleichen sind. Jüngst waren ja schon Wiede und Lemke bei der A-Mannschaft dabei.

In der Junioren-Bundesliga im Fußball sind die Spiele nicht selten taktisch und technisch auf einem höheren Niveau als in der 2. Bundesliga oder in der 3. Liga. Ist das im Handball durch die bessere Ausbildung ähnlich?

Das kann man nicht vergleichen. Fußballer können durch ihre überragende Technik in der Bundesliga mithalten, auch wenn ihnen körperlich noch einiges fehlt. Im Handball spielt die körperliche Komponente eine viel größere Rolle. Da muss wirklich alles zusammenpassen. Ein Spieler braucht einen robusten Körper, eine gute Technik und ein Gespür für das Spiel. Je früher ein junger Handballer diese Bereiche perfekt vereint, umso leichter fällt ihm der Übergang in den Profibereich.

Welcher Spieler dient da als Idealbild?

Nikola Karabatic, einer der besten Spieler der Welt, hat schon mit 18 in der französischen Nationalmannschaft gespielt und auch im Verein auf allerhöchstem Niveau. Das war gut für seine Entwicklung. Er hat früh mit und gegen die besten der Welt gespielt und ist dadurch schnell besser geworden.

Um bald wieder Weltklassespieler und eine Nationalmannschaft auf Topniveau zu haben, welche Hoffnungen setzen sie diesbezüglich in die neue Spitze des Deutschen Handball Bundes mit Präsident Bernhard Bauer und dessen Vize Bob Hanning?

Der DHB alleine kann es nicht schaffen. Es muss ein gutes Zusammenspiel mit der HBL und den Bundesliga-Klubs sein. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Talenten der Sprung in den Profibereich erleichtert wird. Da passiert im Moment viel wie z.B. in Lemgo, Minden und auch Berlin. Deshalb blicke ich sehr optimistisch in die Zukunft. Ich bin sicher, dass wir auch mit der Nationalmannschaft bald wieder Erfolge feiern.

Wie sieht die Zukunft für Sie persönlich aus. Sehen wir Sie bald in der Rolle des Bundestrainers?

Ich habe sehr viel Freude an dem, was ich gerade mache. Die Rolle als Jugendkoordinator und Jugend-Nationaltrainer füllt mich voll aus. Ich habe augenblicklich keinerlei Ambitionen, etwas anderes zu machen.

Ist Martin Heuberger der richtige Mann für den Bundestrainer-Posten?

Daran besteht kein Zweifel. Markus Baur und ich arbeiten sehr gut mit ihm zusammen. Er gibt die Linie vor und wir setzen sie im Nachwuchsbereich um. Wir versuchen ihm so viele gute Spieler wie möglich heranzuführen, damit er mit Deutschland Erfolg hat.

Aber der Erfolg blieb zuletzt mehrfach aus.

Die neue DHB-Spitze hat es ja vorgegeben: Martin Heuberger muss jetzt die Qualifikation für die WM 2015 schaffen. An diesem Ziel wird er gemessen.

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