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Claudia Pechstein: Beweise des Eislauf-Weltverbands bröckeln weiter

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Doping - Eisschnelllauf  

ISU-Beweise gegen Pechstein bröckeln weiter

12.02.2010, 21:53 Uhr | dpa

Die Hoffnung von Claudia Pechstein auf einen Freispruch wächst. (Foto: dpa)Die Hoffnung von Claudia Pechstein auf einen Freispruch wächst. (Foto: dpa) Nach der überraschenden Verkürzung des Anklagezeitraums durch den Eislauf-Weltverband ISU im Fall der gesperrten Olympiasiegerin Claudia Pechstein kann die Anklage vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS nur noch vier Wettkämpfe mit auffälligen Blutwerten der Eisschnellläuferin ins Feld führen. Am Wochenende war bekanntgeworden, dass die ISU nur noch Vorwürfe für die Zeit zwischen Oktober 2007 und Februar 2009 aufrechterhält.

In diesem Zeitfenster hatte Pechstein beim Weltcup in Calgary 2007, dem Weltcup in Hamar und der Einzelstrecken-WM in Nagano 2008 sowie der Mehrkampf-WM in Hamar 2009 überhöhte Retikulozyten-Werte aufgewiesen. In ihrer ersten Anklageschrift vom März 2009 hatte die ISU Pechstein noch des Blutdopings in 14 Fällen im Zeitraum von 2000 bis 2009 beschuldigt.

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Pechsteins Wut wächst

Am 1. Juli hatte die ISU-Disziplinar-Kommission Pechstein wegen der auffälligen Werte ohne positiven Befund für zwei Jahre gesperrt. Im Oktober wird vor dem CAS in Lausanne die Berufungsverhandlung stattfinden, bei der Pechstein die Rücknahme der Sperre erreichen will. "In mir hat sich mittlerweile eine unglaubliche Wut gegen die Verantwortlichen der ISU aufgestaut. Und mit jedem weiteren Detail, das verdeutlicht, wie stümperhaft auf Verbandsseite agiert wird, wächst diese Wut ein Stückchen an. Zum Glück kann ich mich tagtäglich im Training abreagieren", sagte Claudia Pechstein.

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Lückenhafte Beweisführung

Für die vier betreffenden Kontroll-Events hat der Weltverband bisher die geforderten Belege nicht lückenlos erbracht. So fehlen nach Angaben aus dem Pechstein-Umfeld nach wie vor einige Messprotokolle und auch Kalibrierungs-Zertifikate, mit denen die Eichung der Messgeräte belegt wird.

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Fehlerkette immer länger

Aus der Berufungs-Erwiderung der ISU an den CAS geht hervor, dass in den Jahren vor dem nunmehr relevanten Zeitraum Proben entweder überkühlt oder zu spät untersucht wurden, in einem Fall ein Ergebnis per Fax ohne Retikulozytenwert übermittelt wurde. In einem weiteren Fall konnte Chefmediziner Harm Kuipers den Anhang einer Mail nicht öffnen und somit die Ergebnisse des Tests nicht zur Verfügung stellen. "Dass der Zeitraum scheibchenweise eingeschränkt wird, belegt, dass wir immer mehr Fehler finden", sagte Pechstein-Anwalt Simon Bergmann. "Der WADA-Code verlangt, dass die Indizien überzeugend sein müssen. Wie soll das hier gegeben sein?"

Pechstein-Manager: ISU bestrafen

Pechstein-Manager Ralf Grengel, der tags zuvor von einem "Skandal" gesprochen hatte, sagte: "Wer jemanden so leichtfertig beschuldigt, fast ein Jahrzehnt lang gedopt zu haben und dann Stück für Stück zurückrudern muss, gehört meiner Meinung nach selbst bestraft". Dass die ISU nun auch sportliche Aspekte in ihre Blutdoping-Argumentation aufnehme, zeuge von der "Hilflosigkeit der Beweislage".

Schwammige Argumentation

Die ISU hatte in ihrem Schreiben an den CAS argumentiert, Pechstein hätte im Vergleich zur EM 2008 (4.) trotz fortgeschritten Alters einen Leistungssprung zum Titel 2009 vollzogen. Tatsächlich hatte sich Pechstein in diesem Zeitraum nur auf zwei Strecken verbessert, die Konkurrentinnen um Ireen Wüst, Paulien van Deutekom (beide Niederlande) und Martina Sablikova (Tschechien) hatten dagegen klare Leistungsabfälle gegenüber dem Vorjahr aufzuweisen.

Erhöhte Retikulozyten kein Argument

"Dass erhöhte Retikulozyten keinen Aufschluss über Leistungsfähigkeit geben müssen, zeigt besonders die WM 2008 in Nagano, als Claudia mit mäßigen Zeiten auf ihren Paradestrecken lediglich Vierte und Fünfte wurde", sagte Grengel. Dort hatte die Berlinerin erstmals in der WM-Geschichte eine Einzelmedaille verpasst. Schon auf ihrer Pressekonferenz am 6. August in Berlin hatte Pechstein schwere Anschuldigungen gegen die ISU erhoben und unter anderem zahlreiche falsche Barcodes ihrer Proben angeprangert. Alle falschen Barcodes bezogen sich auf den Zeitraum vor 2005.

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