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Sandra Ranff: Die erfolgreichste Tischfußballerin der Welt

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Pokale mussten auf dem Recyclinghof entsorgt werden

03.01.2012, 20:42 Uhr | t-online.de

Sandra Ranff: Die erfolgreichste Tischfußballerin der Welt. Sandra Ranff ist eine Virtuosin am Kickertisch. (Quelle: dpa)

Sandra Ranff ist eine Virtuosin am Kickertisch. (Quelle: dpa)

Von Benjamin Crisolli

Sandra Ranff ist die erfolgreichste Tischfußballerin der Welt. Die 36-Jährige beherrscht den Kicker so gut, dass sie bis heute zwölf Weltmeistertitel eingeheimst hat. Aus Platzmangel verschrottete sie sogar einst ihre mehr als dreihundert gewonnene Pokale auf einem Recyclinghof. "Noch ein Ziel zu definieren ist das Problem, das ich habe", gibt die Hamburger Ausnahmespielerin Motivationsprobleme zu.

Der Karrierestart am Kicker begann für Ranff vor 17 Jahren in der "Großen Freiheit 36" auf der Hamburger Reeperbahn. "Wir sind in die Diskothek rein, da stand ein Tisch und eine Freundin und ich haben dann einfach angefangen zu spielen", erklärt sie. Schnell fanden sich neue Freunde, die ebenfalls dem Tischfußball frönten: "So haben wir Blut geleckt und sind bis heute dabei geblieben." In den unterschiedlichsten Reeperbahn-Lokalitäten traf die damals 19-Jährige auf ihre Gegner und wurde langsam von einer Kneipen- zu einer Profispielerin.

Zwölf WM-Titel bei zwei Vereinigungen

"Taktik, Schnelligkeit und Konzentration", darauf kommt es laut Ranff beim Tischkickern an. Und sie muss es wissen. Keine Spielerin der Welt beherrscht das Spiel mit den elf Figuren und dem kleinen Ball besser. Nach dem erstmaligen Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1999 ging es mit ihrer Kicker-Karriere steil bergauf. Sie triumphierte bei acht Weltmeisterschafts-Turnieren des internationalen Tischfußballverbands ITSF im französischen Nantes und gewann vier WM-Wettbewerbe der Spielervereinigung "Players4 Players".

Das erfolgreichste Jahr in ihrer Karriere erlebte Ranff 2010. Nach dem Gewinn des WM-Titels 1999 mit der Frauen-Nationalmannschaft, wurde sie Tischfußball-Weltmeisterin im Einzel und Doppel. 2011 verteidigte sie zumindest ihren Titel im Einzel erfolgreich. Neben den WM-Turnieren spielte sie damals aber auch auf vielen Hobbyturnieren und gewann bei fast jedem Turnier, an dem sie teilnahm.

Pokale mussten auf den Recyclinghof

"Wenn man irgendwann zwei- bis dreihundert Pokale daheim hat, sieht das dann auch nicht mehr schön aus", berichtet Ranff von der damaligen Zeit. In ihrer Wohnung, im Keller und Kofferraum lagerte sie die Trophäen, die im Laufe der Zeit zu Staubfängern wurden: "Als ich dann umgezogen bin, wollte ich die Pokale abgeben und spenden, aber keiner wollte sie haben. So musste ich dann den Weg zum Recyclinghof wählen."

1400 Dollar Siegprämie in Dallas

Die USA waren bisher die weiteste Turnier-Reise für Ranff. "Ich war einmal in Las Vegas und zweimal in Dallas. In Dallas war 2010 das Turnier, bei dem ich am meisten Preisgeld in meiner Karriere gemacht habe. Wobei das dann auch einfach nur kostendeckend war", erzählt die Hamburgerin, die mit der Siegprämie von 1400 US-Dollar Flugtickets und Hotelunterkunft bezahlte.

DTFB zahlt nur 100 Euro Zuschuss

Viel Geld kann man mit der Randsportart Tischfußball nicht machen. In der Regel zahlen die Teilnehmer für Startgebühren und Reisekosten noch drauf. Auch die Ausrüstung - etwa Silikonspray für die Stangen, Magnesium für die Hände, oder verschiedene Griffbänder und Handschuhe - schlagen zu Buche: "Jeder Teilnehmer muss für seine Kosten selbst aufkommen. Man bekommt zwar eine Bezuschussung vom Verband wenn man in der Nationalmannschaft spielt, viel ist das aber nicht."

Nur 100 Euro zahlt der Deutsche Tischfußballbund (DTFB) seinen Auswahlspielern als Reisekostenzuschuss. Zu gewinnen gibt es bei den europäischen Kicker-Turnieren neben Edelmetall aber kaum etwas und "so eine Reise kostet eben mal 500 bis 600 Euro mit Flieger und Hotel." Ob der WM-Titel im Kickern der schlecht bezahlteste Titel der Welt ist? "Ich weiß nicht, aber das kann ich mir vorstellen", lacht Ranff.

Verzicht auf Titelverteidigung

Auch ihre sportlichen Hochzeiten erinnert sie sich dennoch gerne: "Ich habe im Jahr 35 Turniere gespielt. Wirklich frei hat man dann nie." Die Produktmanagerin eines Software-Unternehmens hat das Kickern berufsbedingt im letzten Jahr etwas zurück geschraubt. "Es ist natürlich Spaß, aber auf der anderen Seite auch Reisestress. Im letzten Jahr habe ich nur sechs Turniere gespielt, weil ich mir gesagt habe: Man muss auch mal Urlaub machen.“

Die Hamburgerin verzichtet deshalb auch auf die Titelverteidigung Mitte Januar in Frankreich (Nantes). An der WM-Qualifikation des Deutschen Tischfußball Bundes (DTFB) nahm sie gar nicht erst teil. Wenn man zwölf Weltmeistertitel gewonnen hat, ist es vermutlich auch schwer sich neu zu motivieren.

Galando und Bonzini als Herausforderung

Etwas fehlt Ranff dann aber doch noch auf ihrer Visitenkarte. Denn in der Kicker-Szene wird von Land zu Land an unterschiedlichen Tischen gekickert. Neben dem üblichen Kunststoffbelägen, gibt es so auch Tische mit Linoleum- oder Laminat-Beschichtung. Auch in Sachen Spielgerät haben die Cracks die Auswahl: Ist der Ball hart oder eher weich, glatt oder geriffelt, aus Kunststoff oder gar Kork? Eine Norm in Sachen Durchmesser und Beschaffenheit der Spielfiguren oder etwa Länge der Teleskopstangen gibt es ebenfalls nicht.

Und deshalb gibt es für Ranff doch noch eine Herausforderung: "Bis auf zwei Kicker-Tische habe ich an allen gewonnen. Das ist einmal der Garlando, ein sehr schneller, österreichischer Tisch mit ganz schmalen Figuren und einmal der Bonzini, der einen stumpfen Linoleumboden besitzt und an dem mit Figuren aus Zinn gespielt wird. Man muss sein Spiel stark anpassen, um auf diesen Kickern zurecht zu kommen. Das sind die zwei Tische, die mir nicht so liegen und ich weiß nicht, ob ich da noch hinfahre."

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