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Jan Ullrich wegen Dopings schuldig gesprochen

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Ullrich als Dopingsünder überführt

09.02.2012, 13:52 Uhr | dapd, t-online.de

Jan Ullrich wegen Dopings schuldig gesprochen. Jan Ullrich, hier bei der Tour de Suisse 2005. (Quelle: dapd)

Jan Ullrich, hier bei der Tour de Suisse 2005. (Quelle: dapd)

Schier endlose 2088 Tage nach der "Operacion Puerto" steht Jan Ullrich endgültig vor den Trümmern seiner Karriere. Der Internationale Sportgerichtshof CAS verurteilte den Toursieger von 1997 als Dopingsünder und sprach eine zweijährige Sperre aus. Der 38-jährige Ullrich, der bereits im Februar 2007 seine Karriere beendet hatte, wird demnach rückwirkend vom 22. August 2011 an gesperrt.

Außerdem wurden ihm alle Resultate ab dem 1. Mai 2005 gestrichen. Demnach wird ihm der dritte Platz bei der Tour 2005 und der Gesamtsieg bei der Tour de Suisse aberkannt. Damit hat der CAS innerhalb von vier Tagen das Denkmal eines weiteren Toursiegers sportjuristisch zum Einsturz gebracht. Erst am Montag war der Spanier Alberto Contador wegen seines positiven Dopingtests auf Clenbuterol bei der Tour 2010 für zwei Jahre gesperrt. Ihm wurden außerdem der Toursieg 2010 und der Giro-Erfolg 2011 aberkannt. hier geht es zu den Reaktionen zum Ullrich-Urteil

Urteil ein "Glückstag"

Ullrich will sich zeitnah zu der CAS-Entscheidung äußern. Bereits am Mittwoch hatte der frühere deutsche Radstar gesagt, dass das Urteil so oder so ein "Glückstag" für ihn sei. Dann könne er endlich mit der Vergangenheit abschließen. In den sechs Jahren habe er viel leiden müssen, bis hin zum Burnout.

Blutbeutel und Geldzahlungen an Fuentes

Der CAS sah in seinem Urteil die Verwicklung von Ullrich in den Skandal um Dopingarzt Eufemiano Fuentes ("Operacion Puerto") als erwiesen an. 2006 waren beim spanischen Arzt unter anderem Blutbeutel sichergestellt worden, die per DNA-Abgleich Ullrich zugeordnet wurden. Das Bundeskriminalamt hatte außerdem wegen Geldzahlungen in Höhe von 80.000 Euro ermittelt. Im zivilrechtlichen Verfahren hatte Ullrich mit der Staatsanwaltschaft Bonn gegen Zahlung von 250.000 Euro eine Einstellung der Ermittlungen erwirkt.

Sportjuristisch war es nie zu einem Urteil gekommen, nachdem die Disziplinarkammer des Olympischen Komitees der Schweiz die Angelegenheit wegen fehlender Zuständigkeit im Februar 2010 zu den Akten gelegt hatte. Der Radsport-Weltverband UCI und Antidoping Schweiz schalteten daraufhin den CAS ein. Beim Einspruch von Antidoping Schweiz erklärte sich der CAS für nicht zuständig, wohl aber bei dem der UCI. Insgesamt war das Urteil durch den Sportgerichtshof dreimal aufgeschoben worden.

Schon einmal positiv getestet

Damit ist Ullrich bereits zum zweiten Mal wegen eines Dopingvergehens verurteilt worden. 2002 war er während der Reha-Phase nach einer Knieoperation positiv auf Amphetamine getestet. Ullrich hatte den positiven Test mit der Einnahme einer Pille in einer Diskothek erklärt. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) sperrt ihn wegen Medikamentenmissbrauchs für sechs Monate.

Rein sportlich dürfte Ullrich das Urteil nicht groß stören. Seine Karriere hat er längst beendet. Ein Zurück in die Branche, egal in welcher Position, soll es nicht mehr geben. Das hatte Ullrich klargestellt. Vielmehr will der Olympiasieger von 2000 seinem Hobby in Jedermann-Veranstaltungen nachkommen, was für Ullrich auch ein Weg aus der Isolation ist.

Ullrich will nie betrogen haben

Nachdem sein Name im Zuge des Fuentes-Skandal 2006 gefallen war, hatte seine so ruhmreiche Karriere - neben dem Toursieg stand er sechs weitere Male in Paris auf dem Podium - von heute auf morgen ein jähes Ende gefunden. Unmittelbar vor dem Startschuss der Tour 2006 hatte das Team Telekom Ullrich aus dem Aufgebot gestrichen und suspendiert. "Ich habe nie betrogen", wiederholte Ullrich stets, was wohl eher darauf abzielte, dass die gesamte Weltelite gedopt sei.

Fortan hatte sich Ullrich in seine Schweizer Wahlheimat zurückgezogen. Kaum noch Sport, sein Pensum im Leistungssport von 35.000 Kilometer jährlich schrumpfte auf 1000, dann das Erschöpfungssyndrom, das sicherlich auch in den juristischen Konfrontationen seine Ursache hatte. "Mir ging es gesundheitlich schlecht", sagte er am Mittwoch. Nun hat er das dunkle Kapitel seiner Vergangenheit hinter sich gelassen.

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