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Rudern: Oxford gegen Cambridge, Teil 158

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Das ewige Duell auf der Themse

04.04.2012, 18:08 Uhr | t-online.de

Rudern: Oxford gegen Cambridge, Teil 158. Das Boat Race ist ein Großereignis in Großbritannien.  (Quelle: imago)

Das Boat Race ist ein Großereignis in Großbritannien. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Sebastian Schlichting

Die Themse war mal wieder unruhig. So unruhig, dass eine heftige Welle einem der Oxford-Männer im Endspurt das Ruderblatt beschädigte. Cambridge kam auf, zog gleich – und vorbei. Oder doch nicht? Im Ziel jubelten beide Teams. Also da, wo das Ziel vermutet wurde. Ein elektronisches Signal oder eine klare Markierung gab es im Jahre 1877 nicht. Und der Schiedsrichter, der über den Einlauf wachen sollte, war – der  Legende nach – leider so betrunken, dass er unter einem Baum schlief. Ihm war die Sicht verdeckt, heißt es in offiziellen Quellen. Wie auch immer, zum bisher einzigen Mal gab bei der legendären Ruder-Regatta ein totes Rennen ohne Sieger. (Foto-Show: Die größten Sportereignisse der Welt)

Es ist nur eine der zahllosen Geschichten, die es rund um das Boat Race gibt, wie der Zweikampf der beiden Elite-Unis in Großbritannien genannt wird. Seit 1829 ermitteln Oxford und Cambridge per Muskelkraft den Besseren, immer acht gegen acht (plus Steuermänner). Tradition pur, kollabierte Ruderer und mehrere gesunkene Boote inklusive. Anfangs war Henley-on-Thames Austragungsort, seit 1845 London.

Der Verlierer fordert den Sieger

Zu Beginn noch unregelmäßig, ab 1856 (nur von den beiden Weltkriegen unterbrochen) jährlich, sind die Erben von Charles Merivale und Charles Wordsworth auf der Themse unterwegs. Die Studenten – Merivale in Cambridge, Wordsworth in Oxford – waren befreundet und riefen den Wettstreit ins Leben. Bis heute fordert der Verlierer den Sieger förmlich heraus. Es lebe die Tradition. Und die Herausgeforderten sagen natürlich nicht, „nee, lasst mal gut sein, Jungs.“

Heute um 14.15 Uhr englischer Zeit ist es wieder soweit. Die Dunkelblauen aus Oxford gegen die Hellblauen aus Cambridge – Teil 158. Auch die beiden Deutschen Hanno Wienhausen (Oxford) und Moritz Schramm (Cambridge) gehen aufs Wasser. Momentan führt Hellblau 80:76, dazu kommt das Rennen von 1877. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer am Ufer des Flusses, gut acht Millionen Briten am Fernseher. "Es gehört in die Liturgie des britischen Sports wie Wimbledon und Ascot, ein gesellschaftliches Großereignis. Wer sich hier nicht blicken lässt, ist entweder out oder tot", schrieb das Nachrichtenmagazin "der Spiegel" einmal.

Der Zweite ist der erste Verlierer

Zwischen Putney Bridge und Chiswick Bridge entscheidet sich mitten in London, wer zum Helden wird. Selten war der Spruch des Rennfahrer Dale Earnhardt Sr. treffender: "Second place is first loser". Oder, um es mit Ex-Fußballprofi Erik Meijer zu sagen: "Nichts ist scheißer als Platz zwei."

Gut 17 Minuten dauert das Rennen, ein halbes Jahr die Vorbereitung. Und da ist nur dabei, wer zuvor die harten Tests überstanden hat. Die Auserwählten trainieren dann drei Stunden täglich, sechs Mal die Woche. Bei jedem Wetter. Alles für die Ehre des Colleges. Reich werden die Sieger nicht, ein ewiger Platz in der Ruhmeshalle der jeweiligen Uni ist ihnen dafür sicher.

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Totale Erschöpfung nach 6779 Metern

Thorsten Engelmann, Mitglied in Cambridges Sieger-Boot 2007, erinnerte sich im Interview mit der Fach-Webseite "rudern.de" so an die Sekunden nach dem Sieg: „Ich konnte zunächst nicht aufstehen.“ Totale Erschöpfung nach exakt 6779 Metern mit wechselnden Winden und aufgewühltem Wasser. Zum Vergleich: Bei Olympia ist die Strecke 2000 Meter lang. 

Für die Zuschauer ist das Boat Race ein Happening. Für die Protagonisten auf dem Wasser ist es knallharter Leistungssport. Selbst der spätere vierfache Olympiasieger und inzwischen geadelte Sir Matthew Pinsent hat drei Mal teilgenommen, 1990 und 1991 gewann er mit Oxford, 1993 hatte er das Nachsehen.

Kritisches Lehrpersonal

Ausschließlich Top-Athleten finden sich in den High-Tech-Booten, die soviel kosten wie ein gut ausgestattetes Auto der Mittelklasse. Mit dem Geist des Boat Race von einst hätte das nicht mehr viel zu tun, sagen Kritiker. Bis heute legen aber beide Unis großen Wert darauf, dass ihre rudernden Aushängeschilder unter akademischen Gesichtspunkten den Sprung an die Universität geschafft haben. Und nicht durch Stipendien gelockt wurden. Denn beim Lehrpersonal sieht es nicht jeder gern, wenn ein Student täglich stundenlang trainiert, anstatt sich um sein Fortkommen im Studium zu kümmern.

Samstag ist die Vorbereitungs-Quälerei vorbei. Dann heißt es wieder gut 17 Minuten lang: Oxford gegen Cambridge. Und: Bloß nicht Zweiter werden.


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