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Olympia: Deutscher Mannschaftssport in der Krise

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Die tiefe Krise des deutschen Mannschaftssports

12.04.2012, 11:19 Uhr | t-online.de

Olympia: Deutscher Mannschaftssport in der Krise. Oliver Roggisch und Dirk Nowitzki trauern um die vergebene Olympia-Chance.  (Quelle: imago)

Oliver Roggisch und Dirk Nowitzki trauern um die vergebene Olympia-Chance. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Sebastian Schlichting

Die Nächsten, bitte! Nach diesem Motto erspielt sich seit geraumer Zeit eine deutsche Mannschaft nach der anderen einen unfreiwillig ruhigen Olympia-Sommer. Angefangen hatten die U21-Fußballer, die eine katastrophale EM-Qualifikation ablieferten und gleich die Chance auf das London-Ticket mit wegwarfen. Zwischendurch reihten sich die Handballer ein, die sogar Geschichte schrieben und erstmals olympische Zuschauer sind. Den vorläufigen Abschluss bildeten die Wasserballer (allesamt die Männer-Teams), die jüngst beim Qualifikationsturnier gegen das in dieser Sportart noch nicht durch Heldentaten aufgefallene Mazedonien untergingen.

Das Große Buch des Scheiterns der deutschen Mannschaftssportler umfasst damit bereits acht Kapitel: Fußball, Handball, Basketball, Wasserball – jeweils Männer und Frauen. Beide Volleyball-Mannschaften stehen noch vor, nicht gerade leichten, Qualifikationsturnieren. Sollten sie das imaginäre Buch weiterschreiben, wäre Deutschland in London bei den Teams nur im Hockey vertreten. Doch selbst wenn es die Volleyballer schaffen, ist die Bilanz konkurrenzlos schlecht: 1992 und 2000 waren fünf deutsche Mannschaften dabei, 2004 sechs, 1996 und 2008 acht – diesmal höchstens vier, vielleicht sogar nur zwei.

Team der deutschen Olympioniken schrumpft weiter

Die Facetten der Nicht-Qualifikation waren durchaus vielfältig. Die Fußball-Frauen etwa waren über Jahre immer da, wenn es ernst wurde. Nur bei der hochgepushten Heim-WM 2011 schieden sie bereits im Viertelfinale aus und wurden dafür gleich doppelt bestraft, weil die WM als Olympia-Ausscheidung galt. Keine zweite Chance. Weit weniger dramatisch ging es bei den Handballerinnen zu: Sie wurden bei ihrer Weltmeisterschaft in einer Sechser-Vorrundengruppe Fünfter, durften dann, als der Rest um Olympia kämpfte, gegen Kasachstan und Tunesien ran und belegten Platz 17. Doch ob knapp und unglücklich gescheitert oder klar und deutlich, unter dem Strich haben sie im Hochsommer alle frei.

In London werden höchstens rund 400 Sportler für Schwarz-Rot-Gold antreten, so wenige wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Die bisherige Tiefst-Marke (428 in Sydney) wird klar unterboten. Nun ist es auch in der jüngeren Vergangenheit nicht so gewesen, dass die Teamsportarten, abgesehen von Hockey und den Fußball-Frauen, eine Medaillenbank waren. Doch die Mannschaften stehen im Blickpunkt, ihre Wettbewerbe sind ein Schwer- und Höhepunkt. Dort zu fehlen, ist ein Makel für die ganze Sportart. (Foto-Show: Die größten Sportereignisse der Welt)

Von Eitelkeiten, Kernbereichen und Interessenkonflikten

Nun, da sich der Mannschaftssport in einer handfesten Krise befindet, wird nach Lösungen geforscht. Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, forderte in der "Sport-Bild" eine Steigerung der "Effizienz in Steuerung und Förderung" und eine "bessere Kooperation zwischen Verbänden und Ligen". Bach schwebt ein von beiden Seiten unterstütztes Projekt "Olympia-Qualifikation" vor.

Seit langem schon ist vor allem im Handball und Basketball das große Problem, das die Bundesliga-Teams ihre Schlüsselpositionen mit starken Ausländern besetzen, um in ihrem Kernbereich bestmöglich abzuschneiden. Dies kollidiert dann – wie vom früheren Handball-Bundestrainer Heiner Brand oft kritisiert – mit den Interessen der Nationalmannschaft. "Es muss in einem Elitekonzept eine absolut uneitle Verzahnung zwischen Verbänden und Vereinen geben", mahnt Ex-Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters, ein Fachmann in Sachen Nachwuchsförderung, gegenüber "sportschau.de" ein generelles Umdenken an.

Sofa und TV statt Olympia und Fördergelder

Ob es dies gibt, bleibt abzuwarten. Sicher sind dagegen die kurzfristigen Negativ-Begleiterscheinungen, die je nach Sportart unterschiedlich ausfallen werden. Während etwa die in der Öffentlichkeit regelmäßig präsenten Handball-Männer hauptsächlich "nur" einen veritablen Image-Schaden eingefahren haben, hat Wasserball-Bundestrainer Hagen Stamm das Olympia-Aus schlicht als Katastrophe für die ganze Sportart bezeichnet. Mögliche Fördergeld-Kürzungen sind ein Aspekt. Zudem laufen die Wasserballer medial meist unter dem Radar, tauchen im TV bestenfalls kurz in dritten Programmen auf. Nur bei Olympia können sie in den Medien Werbung in eigener Wasserball-Sache betreiben. Oder auch nicht. Denn im Sommer sitzen sie selbst vor dem Fernseher.  

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