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Borussia Dortmund: Jürgen Klopp über Abwehrchaos verärgert

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"Das habe ich noch nicht erlebt"  

BVB-Abwehrchaos bringt Klopp auf die Palme

25.09.2014, 15:02 Uhr | t-online.de

Borussia Dortmund: Jürgen Klopp über Abwehrchaos verärgert. Zum Verzweifeln: Dortmund-Trainer Jürgen Klopp hadert mit den schwachen Defensivleistungen seiner Mannschaft gegen Stuttgart. (Quelle: dpa)

Zum Verzweifeln: Dortmund-Trainer Jürgen Klopp hadert mit den schwachen Defensivleistungen seiner Mannschaft gegen Stuttgart. (Quelle: dpa)

Von Patrick Brandenburg

Direkt nach der Partie im früheren Westfalenstadion ging der BVB noch mal groß in die Offensive, um zumindest die Meinungshoheit zurückzuerobern. "Wir haben das letzte Tor geschossen, also sind wir der gefühlte Sieger", sagte Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach dem am Ende dramatischen 2:2 gegen den VfB Stuttgart.

Defensive ist nun mal kein schwarz-gelbes Ding in dieser Saison, da unterscheidet sich der oberster PR-Aktivist der Westfalen in keiner Weise von seiner eigenen Mannschaft. Denn die offenbarte selbst gegen das bisherige Schlusslicht der Liga teils eklatante Mängel im Rückwärtsgang.

Hummels: "Das müssen wir besser verteidigen"

"Es fehlt uns an defensiven Qualitäten, ganz klar", gab Mats Hummels freimütig zu. Der neue Kapitän der Borussia ging in der Analyse voran. "Wir haben bereits neun Gegentore nach fünf Spielen. Das müssen wir als Team besser verteidigen." Bewusst bezog er alle Mannschaftsteile mit ein, denn in fast ähnlicher Besetzung hatte der BVB vor einer Woche noch eine beeindruckende Pressing- und Gegenpressing-Gala gegen den FC Arsenal hingelegt.

Der Nationalspieler selbst feierte nun gegen Stuttgart sein Saisondebüt, brachte aber erst ein wenig Stabilität ins Spiel, als es schon fast zu spät war. Als Joker Hummels in der 74. Minute auf den Platz kam, hatte Torwart Roman Weidenfeller schon zwei Mal hinter sich greifen müssen.

Einfachste Defensivarbeit klappt nicht

"Was wir für Gegentore bekommen, ist einfach Quatsch“, ereiferte sich auch Trainer Klopp in der Nachbetrachtung. Wie schon beim verpatzten Bundesliga-Auftakt gegen Leverkusen oder zuletzt bei der Pleite in Mainz fielen auch die beiden Treffer der bislang so harmlosen Stuttgarter auf ausdrückliche Einladung des BVB. Beim 0:1 kurz nach der Pause durch Daniel Didavi hatte Dortmund mehrfach die Möglichkeit, den Ball ganz simpel zu klären. Doch weder Sven Bender noch Marcel Schmelzer nutzten ihre Chance. Stattdessen reklamierten die Dortmunder lieber bei Christian Gentners finalem Pass an den Fünfmeterraum. "Wir winken da Abseits, war es aber wohl nicht. Die Situation endet erst, wenn der Schiedsrichter pfeift", fühlte sich Klopp bemüßigt, an Grundlegendes zu erinnern.

Die Szene beim zweiten Gegentor brachte ihn sogar noch mehr auf die Palme: "Das habe ich in 209 Spielen für den BVB auch noch nicht erlebt, dass wir mal mit Eins gegen Zwei in der eigenen Abwehr stehen", schimpfte Klopp und brachte sein Jubiläum als neuer Rekordcoach der Dortmunder noch lässig mit ein. Ähnlich lässig hatte Schmelzer in der 68. Minute in eben jenem Eins gegen Zwei zu klären versucht. Doch der Pass des linken Außenverteidigers landete in den Füßen von Timo Werner, der keine Mühe hatte, erneut Didavi für das 0:2 freizuspielen. "Wir machen zwei gravierende Fehler. Was wir mit den Händen aufbauen, reißen wir mit dem Hintern wieder ein", urteilte Klopp und hatte dabei bestimmt auch den Unglücksraben Schmelzer im Sinn.

Stuttgart hadert mit mangelnder Chancenverwertung

Das waren nicht die einzigen schwachen Aktionen der BVB-Defensive gegen eine Stuttgarter Mannschaft, die doch eigentlich ohne Selbstvertrauen und mit nur einem mickrigen Treffer nach Westfalen gereist war. Schon im ersten Durchgang kamen Gentner und Werner gefährlich vors Tor der Gastgeber (10., 23.). Selbst nach Hummels' Einwechslung gab es eine weitere Riesenchance. Doch weder Gentner noch Joker Vedad Ibisevic vermochten das Missverständnis zwischen dem Abwehrchef des BVB und seinem langjährigen Partner in der Innenverteidigung, Neven Subotic, zu nutzen (84.). "Da hätten wir das 3:1 machen müssen", ärgerte sich VfB-Trainer Armin Veh später. Es wäre der Deckel auf die Partie gewesen, und der erste Saisonsieg überhaupt für die Schwaben, die erst kurz vor der Partie ihren Sportvorstand Fredi Bobic vor die Tür gesetzt hatten.

Auch dank der fehlenden Kaltschnäuzigkeit der Stuttgarter durfte sich der Favorit am Ende doch noch über einen Punkt freuen. Denn erst brachte Pierre-Emerick Aubameyang den BVB nach Vorarbeit von Lukasz Piszczek wieder auf 1:2 ran (73.). Vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit rettete Ciro Immobile dem BVB mit seinem Treffer aus spitzem Winkel das Remis. VfB-Keeper Sven Ulreich hatte sich zuvor bei Schmelzers scharfer Freistoß-Flanke verschätzt. Wenn VfB-Nationalspieler Antonio Rüdiger in der Nachspielzeit bei Piszczeks Gewaltschuss nicht goldrichtig auf der Linie gestanden hätte, wäre sogar noch der Sieg rausgesprungen.

Schlechte Aussichten für das Revier-Derby

"Ein 3:2 wäre des Guten zu viel gewesen", erkannte aber auch Klopp an. Denn insgesamt hatte seine Mannschaft extrem viel Leerlauf im Spiel. Bis zur frenetisch gefeierten Aufholjagd in der letzten Viertelstunde klappte bei Dortmund auch nach vorne fast nichts. Im Spielaufbau unterliefen Milos Jojic Fehler im Minutentakt, es war das wohl schlechteste Spiel des Serben im BVB-Dress. Ganz vorne war Shinji Kagawa damit überfordert, Offensivszenen zu erfinden. Einzig sein Lattentreffer (33.) war sehenswert.

Nicht die besten Aussichten also für den ambitionierten Vizemeister, der zudem auch am kommenden Wochenende weiter auf seine hoch begabten Kreativkräfte Marco Reus, Henrich Mchitarjan und Ilkay Gündogan verzichten muss. Neben vielen anderen Verletzten. Samstag steht das Prestigeduell auf Schalke an, und auf einmal könnte der noch schlechter gestartete Revierrivale mit einem Sieg sogar an den Westfalen vorbeiziehen, die sich im Niemandsland der noch jungen Bundesliga-Tabelle wiederfinden. Aber das ist vermutlich zu defensiv gedacht für einen Klub wie dem BVB. Dessen Fans hatten schon nach Abpfiff die Meinungshoheit übernommen und waren lautstark zum Angriff übergegangen: "Wir wollen den Derbysieg."

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