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Franziska van Almsick: "Wer meine Hilfe möchte, kann sich melden"

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"Durststrecke" der dt. Schwimmer  

Franziska van Almsick: "Wer meine Hilfe möchte, der kann sich melden"

19.07.2015, 10:02 Uhr | t-online.de

Franziska van Almsick: "Wer meine Hilfe möchte, kann sich melden". Ex-Schwimm-Star Franziska van Almsick wird bei der Schwimm-WM in Kasan als TV-Expertin am Beckenrand stehen. (Quelle: imago/Camera 4)

Ex-Schwimm-Star Franziska van Almsick wird bei der Schwimm-WM in Kasan als TV-Expertin am Beckenrand stehen. (Quelle: imago/Camera 4)

Das Interview führte Julia Fischer

Franziska van Almsick war zwischen 1992 und 2004 DAS Gesicht des deutschen Schwimmsports. Nach ihrem Karriereende blieb die 37-Jährige dem Sport treu und ist als Co-Kommentatorin für die ARD tätig. In dieser Funktion wird sie auch von den Schwimm-Weltmeisterschaften im russischen Kasan (24. Juli bis 9. August) berichten.

Für t-online.de hat "Franzi" zurück geschaut, die Chancen der deutschen Schwimmer eingeschätzt und auch einen Blick in die Zukunft gewagt.

t-online.de: Der letzte Satz in Ihrer Biografie lautet: "Ich bin jetzt aufgetaucht, Zeit an Land weiterzuleben." Zieht es Sie trotzdem noch oft ins Wasser zurück?
Franziska van Almsick: (lacht) Eigentlich nicht. Ich habe ein wahnsinnig gutes Gefühl, wenn ich mit Wasser zu tun habe und wenn ich in der Nähe von Wasser bin. Ich schaue mir immer noch wahnsinnig gerne Schwimmwettkämpfe an. Aber wie ich früher mit dem Wasser gearbeitet habe – das reizt mich nicht mehr. Auf gar keinen Fall.

Sind Sie auch bei der Schwimm-WM in Kasan dabei oder schauen Sie von zu Hause aus zu?
Auch dieses Jahr stehe ich wieder für die ARD als Expertin und Co-Moderatorin am Beckenrand. Und das bereits im zehnten Jahr – ich habe also direkt damit angefangen, als ich meine Karriere beendet habe. Das hat mir in der Vergangenheit immer viel Spaß gemacht und ich freue mich auch jetzt wieder auf diese tolle Aufgabe.

Verspüren Sie trotzdem manchmal Wehmut, wenn Sie zuschauen?
Da ist eher Dankbarkeit, wenn man so eine Zeit durchlebt hat, so erfolgreich und so angenehm. Da schaut man gerne zurück. Ich glaube, ich bin heute stolzer auf das, was ich erreicht habe, als ich das noch vor einigen Jahren war. Erst heute kann ich gut realisieren, wie viel Arbeit das war und was ich investiert habe, wie viel ich für den Erfolg getan habe. Aber Wehmut ist in keiner einzigen Sekunde dabei, das wäre auch schlimm, wenn das so wäre.

Foto-Serie mit 33 Bildern

Wissen die deutschen Schwimmer heute, was sie jeweils leisten?
Ich glaube, die wissen was sie leisten. Die Zeiten haben sich auch einfach verändert. Generell ist der Sport professioneller geworden. Man entscheidet sich viel bewusster, was man tut und was man nicht tut. Ich glaube, damals war das nicht so. Zu den Zeiten, in denen ich Sport gemacht habe, haben wir das noch aus Überzeugung gemacht und aus Spaß an der Sache. Das will ich den Sportlern heute in keinster Weise absprechen, Leidenschaft muss dabei sein, sonst kann man keine Leistung bringen. Aber mit zunehmender Professionalität nimmt man das ganze sicherlich bewusster wahr.

Haben die deutschen Schwimmer bei der Professionalisierung den Anschluss an die Weltspitze verpasst?
Mit Professionalisierung hat das, glaube ich, nichts zu tun. Jedes Land hat seine eigenen Strukturen, Sportler zu fördern, Talente zu finden, zu suchen und zu unterstützen. Vielleicht haben wir einfach verpasst in den letzten Jahren zu sehen, wie wichtig es ist, Sporttalente zu finden und zu fördern. Vielleicht haben sich unsere Talente auch beeindrucken lassen, von den vielen anderen Möglichkeiten des Lebens. Aber diese Situation muss man mit einkalkulieren. Heute gibt es so viele Beschäftigungen, dass es schwieriger ist, Kinder und Jugendliche davon zu überzeugen, hart zu trainieren für ihren Erfolg.

Liegt die zuletzt oft schwache Leistung der deutschen Schwimmer also am Trainingsmangel?
Nicht unbedingt. Es geht darum, jungen Athleten einen Weg zu zeigen, sie zu fördern und zu unterstützen. Junge Talente muss man an die Hand nehmen. Man muss ihnen einen Weg für die Zukunft zeigen. Viele denken darüber nach, was eigentlich nach dem Sport passiert. Ob sie die Schule abbrechen oder nicht, ob sie ihr Abitur, ihr Studium machen, ob sie jetzt das 8. oder 9. Semester in Angriff nehmen. Es gibt auch ein Leben nach dem Sport. Heute werden viel mehr Entscheidungen getroffen und das will erst einmal geschafft werden.

Sehen Sie sich selbst als Vorbild und könnten Sie sich vorstellen beim DSV eine Position zu übernehmen?
Ich will mich da gar nicht in den Vordergrund drängen. Wer von mir Hilfe möchte, der kann sich gerne jederzeit melden. Das weiß man auch. Ich bin im Aufsichtsrat der deutschen Sporthilfe und bringe mich da mit Leidenschaft und Überzeugung ein. Ich glaube, dass ich an der Stelle für die Athleten im deutschen Sport viel bewegen kann. Ich schaue nach Perspektiven, den Sport attraktiv bleiben zu lassen, auch im Hinblick auf das, was danach kommt. Und das bereitet mir viel Freude, Dinge bewegen und mitgestalten zu können.

Was erhoffen Sie sich von den deutschen Schwimmern bei der WM?
Für mich ist die WM in Kasan sehr spannend, weil sie eine Zwischenstation auf dem Weg zu den Olympischen Spielen ist. Das ist ein erstes Kräftemessen. Aber wir müssen auch in diesem Jahr die Kirche im Dorf lassen. Ich empfinde die Weltmeisterschaft als eine mit sehr vielen neuen Namen – ob das jetzt international ist oder bei der DSV-Mannschaft. Das freut mich sehr. Ich finde es auch toll, dass das DSV-Team 31-köpfig ist, so groß war es zuletzt oft nicht, das ist ein gutes Zeichen. Ich bin aber traurig, dass wir nicht in der Lage sind, alle Staffeln zu besetzen. Das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen, zum Beispiel ob es bei den Frauen eine 4x100 Meter-Freistil-Staffel geben wird oder nicht. Dabei waren wir über Jahre immer eine Medaillenbank, gerade in den Staffeln. Eine handvoll Medaillenchancen haben wir aber. Und ich hoffe, dass es Überraschungen gibt.

Ist die Vorgabe von Henning Lambertz "Bis Olympia 2020 sind wir wieder internationale Spitze" realistisch?
Sich in unseren deutschen Strukturen durchzusetzen, ist wahnsinnig schwierig. Ich schätze den Bundestrainer sehr. Er ist ein junger, engagierter Trainer, der nur das Beste für die Mannschaft im Kopf hat. Ich traue ihm das zu. Wie er die Mannschaft führt, gefällt mir. Man kann nicht mit einem Fingerschnipp wieder erfolgreich sein. Dafür braucht man auch die Schwimmer. Man muss wieder junge Leute finden und motivieren, weil sich auch eine Ära nach den Olympischen Spielen wieder verabschiedet. Dass man auch Talente fördert und auf internationale Wettkämpfe mitnimmt. Aber das hat Henning Lambertz in den letzten Monaten schon bewiesen. Bis 2020 vorweg zu schauen, das kann niemand. Der Spruch ist ja auch einfach gesagt: "Bis 2020 sind wir wieder ganz vorne." Aber lieber habe ich einen Bundestrainer, der so eine Marschrichtung ausgibt, als einen, der sagt, dass wir 2020 immer noch hinterherschwimmen. Wir dürfen uns einfach nicht ausruhen. Jetzt gibt es eine Durststrecke, die müssen wir überstehen. Aber dann werden sich die deutschen Schwimmer zurück melden. Wir sind auf einem guten Weg.

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