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Kim Jong-un: Medaillen oder Arbeitslager für Athleten

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Nordkorea vor Olympia  

Wer schlecht abschneidet, dem droht das Arbeitslager

08.02.2018, 00:14 Uhr | Von Finn Mayer-Kuckuk, Peking

Olympia 2018: IOC-Präsident Thomas Bach spricht von historischem Moment des vereinigten Nordkorea und Südkorea (Screenshot: Omnisport)
Bach spricht von "historischem Moment"

Auf Nordkoreas Sportlern lastet wegen des Diktators Kim Jong Un ein brutaler Druck: Doch IOC-Präsident Bach spricht wegen des vereinten Koreas bei Olympia von einem "historischem Moment". (Quelle: Omnisport)

Auf Nordkoreas Sportlern lastet wegen des Diktators Kim Jong Un ein brutaler Druck: Doch IOC-Präsident Bach spricht wegen des vereinten Koreas bei Olympia von einem "historischem Moment". (Quelle: Omnisport)


Nordkoreas Diktator kann mit seiner Liebe zum Sport Frieden stiften – auf den Sportlern lastet jedoch ein brutaler Druck. 

Kim Jong Un liebt Sport. Der Diktator schaut mit großem Vergnügen Übertragungen der US-Basketballliga NBA, berichten hochrangige Überläufer. Seit er 2011 an die Macht gekommen ist, hat er den Sport viel stärker gefördert als noch sein Vater. Im Jahr 2014 hat er die Verbreitung von Leibesübungen in einem offenen Brief an seine Partei zu einem der wichtigsten Politikziele erklärt.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat den Sport viel stärker gefördert als noch sein Vater.  (Quelle: dpa//KRT via AP Video)Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat den Sport viel stärker gefördert als noch sein Vater. (Quelle: /KRT via AP Video/dpa)

Kims Begeisterung für Sport hat eine politische Dimension

In den Schulbüchern steht plötzlich Wundersames über den Respektierten Führer Kim Jong Un: Mit drei Jahren sei er bereits Experte im Schießsport gewesen, mit acht Jahren habe er den Landesmeister im Segeln bei einer Regatta geschlagen. Was Kim gut findet, ist nun für das ganze Land Pflicht. Allerorten ist öffentliche Gymnastik angesagt, die Schulen filtern nach Talenten für die internationale Bühne.

Ob Kettenraucher Kim selbst wirklich ein aktiver Sportler ist, sei dahingestellt. Doch seine Begeisterung für Wettkämpfe ist real – und sie hat eine politische Dimension. Mit der Olympiateilnahme einer nordkoreanischen Mannschaft haben Kims Vorlieben ein entscheidendes Friedenssignal möglich gemacht. Wenn sowohl nordkoreanische als auch amerikanische Athleten am selben Sportfest in der bedrohten Region teilnehmen, ist nach menschlichem Ermessen die Gefahr eines Angriff gebannt.

Bei Versagen droht Arbeitslager

Doch zugleich bedeutet Kims reges Interesse, dass die Delegation seines Landes unter enormem Druck steht. "Wenn die Sportler schlechter abschneiden als erwartet, dann drohen zumindest dem Trainer hohe Strafen, beispielsweise mehrere Monate Arbeitslager", erzählte nach seiner Flucht Kim Hyeong Soo, der 2009 aus Nordkorea übergelaufen ist. Dort hat er in einem Regierungsinstitut gearbeitet, dessen 130 Mitarbeiter ausschließlich an Möglichkeiten gearbeitet haben, das Leben von Kims Vater Kim Jong Il zu verlängern.

Der strenge Umgang mit Misserfolgen erklärt, warum der Gewinner einer Silbermedaille im Gewichtheben bei den Spielen in Rio sich bei seinem Führer offiziell entschuldigte. Om Yun Chol hatte den klaren Auftrag gehabt, Gold zu holen. Er hatte mit seiner zweitrangigen Medaille die Erwartungen des Führers enttäuscht. Dieser hatte ein Minimum von fünf Goldmedaillen vorgegeben; am Ende waren es nur zwei.

Basketballstar Rodman ist Nordkorea-Fan

Insgesamt hat sich Nordkorea seit 1964 immerhin 56 olympische Medaillen erkämpft – wenn auch nur zwei davon im Winter. Seit Kims Machtübernahme hat die Förderung für Leistungssport allerdings deutlich zugenommen. Nordkoreanischen Berichten zufolge haben die Budgets um 17 Prozent zugenommen. US-Analysten glaubten auf Satellitenaufnahmen zu erkennen, dass Sportplätze, Skipisten und Eislaufringe im ganzen Land renoviert werden. Offenbar haben die Amerikaner das ganze Land im Blick und schauen sehr genau hin.

Kim pflegt seine Liebe zum Sport auch anderweitig. Er hat beispielsweise den ehemaligen US-Basketballstar Dennis Rodman drei Mal nach Pjöngjang eingeladen. Rodman ist erklärter Nordkorea-Fan. In seiner Heimat musste er viel Kritik einstecken, weil er dem grausamen Diktator bei seinem Besuch 2017 ein Geburtstagsständchen gesungen hat.

Fußballer haben einen deutschen Trainer

Doch Rodman ist überzeugt, dass der Basketball der Sportdiplomatie dient – wie jetzt Olympia aus Sicht des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in. Bei den Basketball-Asienmeisterschaften 2017 war Nordkorea allerdings nicht einmal qualifiziert.

Besser soll es den Fußballern des Landes gehen. Unter dem deutschen Trainer Jörn Andersen sollen sie sich für den Asien-Cup 2019 in den Vereinigten Arabischen Emiraten qualifizieren. Er trainiert die Nationalmannschaft schon seit zwei Jahren auf dieses Ziel hin. Nach herben Niederlagen auf dem internationalen Parkett ist das ein schweres Unterfangen. Doch auch Andersen sieht den Sport als Möglichkeit, den Dialog Nordkoreas mit der Außenwelt aufrecht zu erhalten.

Nur zwei von 22 Athleten haben sich regulär qualifiziert

Jetzt reisen erst einmal 22 nordkoreanischen Athleten zu den Winterspielen. Nur zwei davon haben sich regulär qualifiziert: Das Eiskunstlauf-Paar Kim Ju Sik und Ryom Tae Ok, die sich im September in Oberstdorf bewährt hatten. Die anderen fügt das Olympische Komitee auf Sonderplätzen in die Wettkämpfe ein. Doch das ist völlig gerechtfertigt – schließlich hatten die Spiele schon in der Antike die Funktion, zumindest zeitweilig Frieden unter den Völkern zu stiften.

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