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Sportgeschichte: Vor 10 Jahren erschüttert der Festina-Skandal den Radsport

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Vor 10 Jahren  

Der Festina-Skandal erschüttert den Radsport

22.06.2008, 11:07 Uhr | t-online.de

Die Protagonisten der Festina-Affäre: Richard Virenque und Willy Voet (Foto: dpa)Die Protagonisten der Festina-Affäre: Richard Virenque und Willy Voet (Foto: dpa) 8. Juli 1998, noch drei Tage bis zur Start der Tour de France. Richard Virenque, Star der Equipe Festina, weilt bereits in Dublin, wo diesmal der Prolog ausgetragen wird. Der Franzose hat sich einiges vorgenommen und will endlich die "Große Schleife" gewinnen. Zur selben Zeit befindet sich Willy Voet, Pfleger bei Festina und engster Vertrauter Virenques, auf dem Weg zu seinem Team nach Irland. Als er an der belgisch-französischen Grenze in einem offiziellen Mannschaftsfahrzeug eher zufällig angehalten wird, ist das der Beginn des bis dahin größten Doping-Skandals in der Tour-Geschichte.

250 Ampullen EPO gefunden

Was die Zöllner bei der Durchsuchung finden, gleicht einem ganzen Arsenal von Dopingmitteln. Rund 250 Ampullen EPO, Wachstumshormone, Testosteron und Pharmazeutika in einem Ausmaß, das für mehrere Teams ausgereicht hätte. Voet wird sofort verhaftet, schweigt aber zunächst mehrerer Tage. Doch dem Ermittlungsdruck muss sich der Belgier beugen und packt aus.

Systematisches Doping

Voet beschuldigt die Teamleitung um Sportdirektor Bruno Roussel, dieser habe ihn beauftragt, die Dopingmittel zu besorgen. Roussel wird daraufhin ebenfalls in Gewahrsam genommen. Es dauert nur zwei Tage bis er ebenfalls ein umfangreiches Geständnis ablegt. Der Franzose gibt zu, dass in der Festina-Mannschaft unter ärztlicher Aufsicht systematisch gedopt wird. Und alle wissen Bescheid: Vom Pfleger über die Ärzte bis zur Teamleitung.

Virenque: "Ich habe gedopt"

Virenque kann das Tour-Aus nicht fassen (Foto: dpa)Virenque kann das Tour-Aus nicht fassen (Foto: dpa) Die Reaktion der Offiziellen lässt nicht lange auf sich warten. Am 17. Juli schließt Tour-Chef Jean-Marie Leblanc die Festina-Mannschaft aus. Tourfavorit Virenque, Weltmeister Laurent Brouchard, Alex Zülle, Christophe Moreau, Didier Rous, Laurent Dufaux, Pascal Hervé, Neil Stevens und Armin Meier müssen die Koffer packen. Sieben dieser neun Fahrer gestehen nach zum Teil unwürdigen Haftbedingungen. Nur Virenque und Hervé behaupten noch zwei Jahre später "niemals wissentlich gedopt" zu haben, bis auch sie alles zugeben. Unter Tränen sagt Virenque: "Ja, ich habe gedopt."

"Mister 60 Prozent" der Vermittler

Die Tour 1998 trägt derweil skurile Blüten. Die Doping-Affäre wird zur Festina-Affäre - die französische Equipe ist das schwarze Schaaf. Und die Fahrer der anderen Teams spielen die Unschuldslämmer. Der heutige Doping-Kronzeuge Jörg Jaksche ist beim Sitzstreik der Fahrer zu sehen, die sich von der französischen Polizei sowie den Medien gegängelt und "wie Vieh" behandelt fühlen. Bjarne Riis, damals in Anspielung auf seinen hohen Hämatokritwert nur "Mister 60 Prozent" genannt und seit 2007 geständiger Dopingsünder, schwingt sich als Vermittler auf. Auch über die Interviews mit den damaligen Telekom-Profis Rolf Aldag (ebenfalls geständig) und Jan Ullrich, in denen sie sich völlig unwissend geben, kann man heute nur schmunzelnd den Kopf schütteln.

Auch Pantani und Ullrich wird Doping zum Verhängnis

Den Sieg bei der 98er-Tour holt sich schließlich Marco Pantani, der ein Jahr später beim Giro d'Italia wegen EPO-Dopings ausgeschlossen wird und 2004 an einer Überdosis Kokain verstirbt. Auf Platz zwei landet Ullrich, dem die Dopinganschuldigungen im nächsten Riesen-Skandal des Radsports, der Fuentes-Affäre, zum Verhängnis werden. 2007 beendet der einstige Radstar - wohl auch wegen des öffentlichen Drucks - seine Karriere. Der Tour-Sieger von 1997 will bald ein Buch schreiben und "meine Sicht der Dinge" beschreiben. Man darf gespannt sein...

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