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Werner Franke: Doping-System beim Radsport-Weltverband

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Tour de France - Doping  

Franke: "Betrug am Sport"

26.07.2010, 14:09 Uhr | dpa, dpa

Werner Franke: Doping-System beim Radsport-Weltverband. Werner Franke wirft dem Radsport-Weltverband vor, nichts gegen das Doping-System zu tun. (Foto: imago)

Werner Franke wirft dem Radsport-Weltverband vor, nichts gegen das Doping-System zu tun. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Alberto Contador feierte seinen dritten Triumph bei der Tour de France (Gesamtergebnis im Überblick), Alessandro Petacchi den Sieg in der Punktewertung und auch beim Radsport-Weltverband UCI dürfte man sich zufrieden die Hände gerieben haben: Kein positiver Dopingbefund, und das schon im zweiten Jahr in Serie. (Klicken sie durch: die Tour im Rückblick!)

"Da lach ich drüber!", sagte Doping-Experte Werner Franke und erhebt schwere Vorwürfe gegen die UCI, die für die Kontrollen der 197 Tour-Fahrer verantwortlich war. "Das ist ein Verband, bei dem Doping System hat. Das war so, ist so und wird immer so bleiben", sagte der Molekularbiologe.

Mit Contador stand ein Radprofi auf dem Siegertreppchen von Paris ganz oben, der schon vor Jahren in die Doping-Affäre um den Mediziner Eufemiano Fuentes verwickelt schien, ehe sein Name aus den Akten der spanischen Polizei verschwand. Auch auf Petacchis Erfolg liegt ein Schatten, war der Sprinter doch bereits wegen Dopings gesperrt. "Sie betrügen den Sport und den Rest der Welt", meinte Franke in Richtung UCI, die beide Athleten auch in diesem Jahr starten ließ (Klicken Sie durch: die besonderen Momente der Tour!).

"Gott sei Dank ist der Profiradsport in Deutschland im Eimer"

Zumindest ein kleines positives Signal sieht Franke in Deutschland - wo 2011 kein Elite-Team mehr herkommen wird. "Gott sei Dank ist der Profiradsport in Deutschland ein bisschen im Eimer", sagte Franke. Die Chance für einen Neuanfang? Nicht unter dem Dach der Welt-Anti- Doping-Agentur WADA, so der Wissenschaftler. "Von der WADA ist seit dem Weggang von Richard Pound nichts mehr zu erwarten."

Ungutes Gefühl im Fall Armstrong

Pound war bis 2007 Chef der WADA. Vor allem zu einem berühmten Fahrer hatte der Kanadier zuletzt eine deutliche Meinung: Der Fall Armstrong sei seit den Doping-Enthüllungen der "L'Équipe" von 2005 mit dem erbrachten EPO-Nachweis von 1999 erledigt. Mit gemischten Gefühlen blickt Franke auf die Ermittlungen gegen Armstrong in den USA. Der Texaner muss sich immer lauter werdenden Doping-Vorwürfen stellen, die von seinem ehemaligen Teamkollegen Floyd Landis publik gemacht worden waren. Landis spricht von systematischem Doping in Armstrongs ehemaligem Team US Postal, der Beschuldigte streitet alles ab. "Dabei gibt es für Landis schon lange den absoluten Beweis", sagte Franke und verweist - wie Pound - auf die EPO-Enthüllungen von 2005.

"Wenn Hamilton aussagt, wackelt die Bude"

Zu viel erwartet Franke von einem möglichen Prozess nicht, Vorbildcharakter für die gesamte Branche werde das Verfahren schon gar nicht haben. "Dennoch ist das alles endlich auf einem richtigen Weg", sagte der Biologe. Vor allem auf einen Zeugen, der von Chefermittler Jeff Novitzky vor eine Grand Jury geladen worden war, ist Franke gespannt. "Wenn Tyler Hamilton aussagt, dann wackelt die Bude", ist sich der Wissenschaftler sicher.

Ausgerechnet Hamilton, für Franke ein Musterbeispiel für die fehlende Konsequenz im Anti-Doping-Kampf. "Es ist überhaupt nicht einzusehen, wieso Hamilton seine olympische Goldmedaille von Athen noch behalten darf." Der sei zwar nicht in Athen des Dopings überführt worden, aber kurz danach. Genauso sehe es bei Jan Ullrich aus. "Das sollte denen genauso die Medaille kosten wie Marion Jones."

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