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Tour der Leiden – ohne Rücksicht auf Verluste

09.07.2011, 16:42 Uhr | t-online.de

. "Wo bin ich?" Janez Brajkovic nach seinem Sturz. (Foto: AP)

"Wo bin ich?" Janez Brajkovic nach seinem Sturz. (Foto: AP)

Von Björn Lücker

Gehirnerschütterungen, Orientierungslosigkeit und Schlüsselbeinbrüche: Die Tour de France wird schon in der ersten Woche ihrem Ruf der "Tour der Leiden" gerecht. Selten gab es auf den ersten Etappen so viele Stürze. Und selten ging es so hektisch und rücksichtslos zur Sache, wie diesmal.

"So eine nervöse Tour habe ich noch nie erlebt" sagt HTC-Fahrer Bernhard Eisel. "Alle Mannschaften versuchen Tag für Tag mit aller Macht ihre Kapitäne nach vorne zu bringen. Selbst vor dem Träger des Gelben Trikots gibt es keinen Respekt  mehr", so der Österreicher.

Orientierungslos auf der Strecke

Auffällig ist, wie schnell die Fahrer nach den teilweise heftigen Stürze ihre Fahrt fortsetzen (oder fortsetzen müssen?), obwohl die Gestürzten oft gar nicht mehr in der Lage sind, weiterzufahren. Zuletzt erwischte es Chris Horner vom Team RadioShack. Nach seinem Crash wirkte er orientierungslos und klagte über starke Kopfschmerzen - trotzdem ging es für ihn weiter. Das Letzte, an was er sich erinnern könne, sei das Mannschaftszeitfahren auf der 2. Etappe, sagte der US-Boy später. Ähnlich erging es auch seinem Teamkollegen Janez Brajkovic, der wohl nur deshalb nicht weiterfuhr, weil er sich das Schlüsselbein gebrochen hatte.

Boonen mit schmerzverzerrtem Gesicht

Ex-Weltmeister Tom Boonen schleppte sich ebenfalls nach seinem Sturz mit zerfetztem Trikot und schmerzverzerrtem Gesicht ins Ziel. Auf der Fahrt klagte er bereits über Brechreiz und Kopfschmerzen. Bonnen setzte die Tour zwar zunächst fort, stieg dann aber während der 7. Etappe völlig frustriert in den Mannschaftswagen.

Sieg macht einen Rennfahrer unsterblich

Natürlich, die Tour ist das größte Radrennen der Welt. Vor allem hier können sich Fahrer und Teams der Sportwelt präsentieren. Ein Sieg gilt für die Ewigkeit, macht einen Rennfahrer unsterblich. Da will man nicht so schnell aufgeben. Und es herrscht Jahr für Jahr ein größerer Druck: Die wenigen Sponsoren, die sich noch im Radsport engagieren, wollen Erfolge sehen. Und unter den Fahrern tobt ein ungeheurer Konkurrenzkampf. Die freien Plätze in den Elite-Teams sind rar.

Der Rennarzt braucht mehr Macht

Das dafür aber die Athleten Kopf und Kragen riskieren (müssen), geht zu weit. Jedem Fahrer müsste klar sein, dass er sich und andere gefährdet, wenn er die Fahrt fortsetzt, obwohl er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Warum bekommt nicht der Rennarzt mehr Macht? Dann könnte er sofort entscheiden, ob ein Fahrer weitermachen kann oder nicht.

Fall Soler sollte abschreckend wirken

Welche fatalen Folgen eine Weiterfahrt nach einem Crash haben kann, zeigt der Horrorunfall von Mauricio Soler bei der Tour de Suisse. Bevor der Spanier so schlimm stürzte, war er bereits zu Fall gekommen. Nun liegt Soler noch immer im Krankenhaus und hat sich sehr wahrscheinlich Hirnschäden zugezogen. Ob er jemals wieder in den Profi-Radsport zurückkehren kann, ist ungewiss.

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