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Magdalena Neuner im Interview: Tröstende SMS an Miriam Gössner

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"Es ist mein Leben"

18.03.2013, 17:02 Uhr | t-online.de

Magdalena Neuner im Interview: Tröstende SMS an Miriam Gössner. Ex-Biathletin Magdalena Neuner genießt ihr Leben nach der Sportkarriere. (Quelle: imago / Sven Simon)

Ex-Biathletin Magdalena Neuner genießt ihr Leben nach der Sportkarriere. (Quelle: imago / Sven Simon)

Das Interview führte Nils Tittizer

Ex-Biathlon-Star Magdalena Neuner hat in ihrer Karriere so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Neben zwei olympischen Goldmedaillen, zwölf WM-Titeln und 47 Weltcupsiegen ist Neuner dreimal zur Sportlerin des Jahres gewählt worden.

Im Interview mit t-online.de spricht die 26-Jährige über Biathlon-Rennen vor dem Fernseher, ruhige Momente in der Natur und ein neues Hobby.

t-online.de: Frau Neuner, die zu Ende gegangene Saison war Ihre erste als Zuschauerin. Was ist das für ein Gefühl?
Magdalena Neuner: Ich bin wesentlich entspannter, als ich vorher dachte. Als es in Östersund losging, war ich am ersten Renntag schon etwas aufgeregt. Aber dann habe ich überraschenderweise festgestellt, dass es richtig ist, so wie es ist. Es passt zu Hause zu sein und mir die Rennen im Fernsehen anzuschauen. Im Laufe der Saison hat die Aufregung allmählich nachgelassen. Ich habe den Fernseher ausgeschaltet und gesagt 'das war Biathlon und jetzt sind wieder andere Dinge wichtig'.

Wie verfolgen Sie die Rennen?
Gemütlich auf der Couch. Klar war ich auch aufgeregt und habe mitgefiebert – auch mal in den Fernseher reingeschrien. Nur in Ruhpolding war ich vor Ort und habe mir ein paar Rennen angeschaut. Aber mir ist es schon lieber zu Hause, fernab von dem ganzen Trubel.

Wie sehr leidet man als Außenstehende mit den ehemaligen Team-Kollegen mit, wenn die entscheidenden Scheiben nicht fallen?
(lacht) Schon sehr. Ich kann ja nur zu gut nachvollziehen, wie schlimm das Gefühl in diesem Moment ist. Ich habe schon die eine oder andere tröstende SMS geschrieben.

An wen?
Hauptsächlich der Miri Gössner. Laura Dahlmeier durfte ich ja, Gott sei Dank, nur Glückwunsch-SMS in letzter Zeit schreiben. Ich bin ja nach wie vor noch sehr nah an den Sportlern dran. Und wenn ich das Gefühl hatte, die brauchen jemanden zum Reden, dann habe ich mich auch bei ihnen gemeldet. Aber nicht, um gute Ratschläge zu geben. Ich glaube nicht, dass ich Miri sportlich etwas erklären kann oder sagen muss.

Sondern?
Um sie auf andere Gedanken zu bringen.

Miriam Gössner blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Andrea Henkel brachte konstante Leistungen, aber besonders Debütantin Laura Dahlmeier ließ aufhorchen. Ist schon die Zeit der Youngster gekommen?
Ich denke, dass man immer auf den Nachwuchs setzen muss. Miri wird ihren Weg gehen. Sie hat eben auch eine extrem schwierige Saison hinter sich. Denn auf ihr lasten sehr hohe Erwartungen. Wesentlich mehr Druck als in den letzten Jahren, als sich viel auf mich konzentriert hat. Ich freue mich riesig über die jungen Leute, die jetzt durchstarten – so wie Laura. Ich hoffe, dass sie ihr eigenes Ding macht und sich nicht unter Druck setzen lässt. Und nicht verheizt wird.

Waren Sie überrascht über Dahlmeiers furiosen Staffel-Auftritt bei der WM und in Sotschi?
Überrascht nicht, aber doch sehr beeindruckt. Ich kenne Laura ja ganz gut, denn sie war meine Trainingskollegin über Jahre. Und sie ist eine Bank am Schießstand. Aber dass sie so brutal gut drauf ist, hätte ich nicht gedacht.

Sie haben die Zuschauer und Fans stets mit Siegen und Medaillen verwöhnt. Glauben Sie, dass nach dem derzeit mäßigen Abschneiden Biathlon hierzulande in der Gunst der Zuschauer und der Medien sinken wird?
Ja. Es geht immer mal auf und ab. Je nachdem, wie erfolgreich die deutschen Biathleten sind. Man darf nicht immer davon ausgehen, dass es so weiterläuft wie in den letzten Jahren. Dieses Jahr wurde innerhalb der Mannschaft ordentlich durchgetauscht von den Trainern - die Mannschaften mussten sich auch erst einmal neu finden. Aber natürlich gibt es jetzt auch einige Zuschauer, die das Interesse am Biathlon verlieren und lieber etwas anderes schauen. Sobald aber die Deutschen wieder richtig erfolgreich sind – und das Potenzial ist da – dann wird es auch wieder mehr Zuschauer geben. Ich würde es nicht so schwarzsehen.

Wenn die Verantwortlichen auf Sie zukommen würden und Sie um ein Comeback bitten würden, was wäre Ihre Antwort?
Ein ganz klares Nein! Das haben schon viele probiert. Gerade in diesem Winter, als es nicht ganz so gut lief, haben viele gesagt, 'komm doch wieder zurück'. Aber es ist mein Leben. Biathlon war eine super Zeit. Aber nun müssen andere Verantwortung übernehmen. Für mich ist Biathlon vorbei.

Sie betonen stets, dass Sie nicht mehr diesen Druck verspüren. Mal andersrum gefragt: Was vermissen Sie aus der aktiven Zeit?
Das Zwischenmenschliche. Ich habe täglich meine Freunde im Training getroffen. Darauf habe ich mich immer gefreut. Mit den Jungs und Mädels zu trainieren, sich gegenseitig anzustacheln. Auch mit Miri ein Zimmer auf den Reisen zu teilen. Wenn man 24 Stunden am Tag zusammen ist, verbindet das ungemein. Leider sind diese Zeiten nun weniger geworden. Aber insgesamt ist es jetzt auch schön, mehr zu Hause zu sein. Ich habe jetzt andere Leute um mich herum, die mir sehr wichtig sind.

Sie haben kürzlich gesagt, laufen hat "etwas Meditatives". Wie haben wir uns das genau vorzustellen?
Als Leistungssportler schaut man auf die Uhr. Da gibt es genaue Vorgaben durch einen Trainingsplan. Wenn ich jetzt rausgehe und Sport treibe, dann versuche ich den Kopf frei zu bekommen und die Bewegung zu genießen. Da bleibe ich auch schon mal am See stehen oder setze mich einen Moment hin. Das hat einen ganz eigenen Charakter. Dann kann man viel nachdenken.

Mit ihrem Karriereende mussten Sie Ihr Gewehr abgeben – der Zoll, als rechtmäßiger Eigentümer, fordert die Schusswaffe ein, weil Notstand im Nachwuchsbereich herrscht. Wissen Sie eigentlich, wer Ihr Gewehr bekommen hat?
Ich habe keine Ahnung. Ich weiß auch nicht, ob kommuniziert wurde, dass es der "Lauf" (ein Teil des Gewehrs, Anm. des Autors) der Lena war. Und ich bin ganz froh, dass ich keine scharfe Waffe im Haus habe.

Wie sehen Ihre Pläne für die nahe Zukunft aus?
Das Schöne an meinem jetzigen Leben ist, dass ich mich mehr auf private Dinge konzentrieren kann. Aber an Arbeit mangelt es nicht. Langweilig ist mir definitiv nicht und das wird sich auch in nächster Zeit nicht ändern.

Erst kürzlich erhielten Sie ein Angebot von einem Musikproduzenten eine CD mit Franz Beckenbauer und Hansi Hinterseer aufzunehmen. Könnten Sie sich vorstellen neben Ihren Schauspieleinsätzen auch ins Musikgeschäft einzusteigen?
Nein. Ich bin Sportlerin gewesen und habe mit Sicherheit auch andere Talente. Aber ins Musikbusiness werde ich definitiv nicht wechseln.

Für welche Dinge haben Sie jetzt Zeit, die während der Karriere immer hinten anstehen mussten?
Definitiv für meine Freunde. Zudem ist mein Leben viel spontaner geworden. Früher hatte ich immer das nächste Training im Hinterkopf und bin lieber früh ins Bett gegangen. Heute bin ich viel entspannter. Ansonsten habe ich mehr Zeit zu kochen und zu backen, was ich unheimlich gerne mache.

Haben Sie neue Hobbys?
Seit diesem Jahr habe ich damit begonnen mit Freunden auf Skitouren zu gehen.

Ihre große Leidenschaft ist das Stricken. Wie viele Sachen haben Sie denn seit Ihrem Karriereende schon fertig gestrickt?
Ich nähe übrigens auch unheimlich gerne. Vor kurzem habe ich für eins meiner Dirndl zwei Schürzen genäht. Ich brauche immer wieder Abwechslung. Momentan stricke ich wieder etwas mehr, zuletzt eine Jacke für den Sohn einer Freundin.

Wer darf und durfte sich alles über Strickwaren aus dem Hause Neuner freuen?
(lacht). Ich bin ja nicht der Typ, der irgendwem irgendwelche selbstgestrickten Sachen aufdrückt. Ich mache gerne etwas, wenn ich einen Auftrag bekomme. Oder ich verschenke eine gehäkelte Mütze zum Geburtstag. Immer an Menschen, die mir sehr nahe stehen.

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