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Musik: Curtis Harding zwischen Retro-Cool und Neo-Soul

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Curtis Harding zwischen Retro-Cool und Neo-Soul

27.10.2017, 09:32 Uhr | dpa

Musik: Curtis Harding zwischen Retro-Cool und Neo-Soul. Curtis harding 2015 beim 23.

Curtis harding 2015 beim 23. Lowlands Music Festival in Biddinghuizen, Niederlande. Foto: Ferdy Damman. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Faltenfreie Kleidung, Schwarz-weiß-Aufnahmen und dazu ein Siebziger-Sound ähnlich dem des Namensvetters Curtis Mayfield: Curtis Harding dürfte zu dem Coolsten gehören, das die US-Musikszene aktuell zu bieten hat.

Bei Kritikern erspielte er sich vor zwei Jahren den Titel eines Erneuerers der Soul-Musik. Nun erscheint sein zweites Album "Face Your Fear".

"Wenn etwas funktioniert, muss man es nicht grundsätzlich ändern - neue Einflüsse, ein frisches Update reichen." So fasst Harding seinen Arbeitseinsatz beim dpa-Gespräch in Berlin zusammen. Deshalb funktioniere Soul für ihn als Einstellung, Atmosphäre oder Gefühl. Er finde Soul in allen möglichen Dingen. "Verdammt: Berlin, Deutschland mit seiner bewegten Geschichte hat definitiv Soul."

Hardings Musik kommt wie ein Retro-Filter einer Foto-App daher: Sie weckt Nostalgie und ist gleichzeitig unverkennbar ein Produkt des Hier und Jetzt. Und nicht zuletzt spielt für Harding auch die Optik eine wichtige Rolle. In Jeans steht er selten auf der Bühne. Er bevorzugt Stoffhosen. Am besten gebügelt.

Der in Atlanta lebende Musiker ist schon lange im Geschäft. Seine Mutter sang, als er noch ein Kind war, in einem Gospel-Chor. Mit diesem reiste die Familie durch die Staaten. "Ein ungewöhnliches Leben", sagt Harding. Inzwischen sei er für die Erfahrung dankbar.

Eine Profi-Musikkarriere war für den mittlerweile 38-Jährigen also nicht überraschend. Bis zur Solo-Karriere dauerte es aber. Zuvor gab es eine Garagen-Band, ein Rap-Intermezzo, und Harding war als Verstärkung im Hintergrund von Cee-Lo Green zu hören - dem Sänger des Duos Gnarls Barkley ("Crazy").

Die unterschiedlichen Einflüsse sind auch auf "Face Your Fear", produziert von dem als Produzenten-Genie umjubelten DJ Danger Mouse, zu hören. Allein auf der Retro-Schiene zu fahren sei ihm zu wenig, sagt Harding. "Ich wollte, dass das Album psychedelisch wird - wie eine Expedition ins Weltall." Die zwölf Titel könnten aber genauso gut auch als Filmmusik taugen, wie etwa "Wednesday Morning Atonement" mit seinem hypnotischem Video zeigt.

Harding ist derweil längst nicht der einzige Künstler, der aktuell bei Soul, Blues und Co. auf Retro-Chic setzt: Der Brite Michael Kiwanuka ist mit seinen Texten aber deutlich politischer und US-Kollege Leon Bridges räumt dem Gospel mehr Platz ein. Den Coolness-Faktor eines bei Konzerten Sonnenbrille tragenden Curtis Harding erreichen aber beide nicht ganz.

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