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Böhmermann-Satire startet in den Charts durch

12.04.2017, 16:38 Uhr | dpa

Medien: Böhmermann-Satire startet in den Charts durch. Jan Böhmermann mischt als Pop-Poet die Charts auf.

Jan Böhmermann mischt als Pop-Poet die Charts auf. Foto: Rolf Vennenbernd. (Quelle: dpa)

Gelsenkirchen (dpa) - Mit seinem satirischen Pop-Song "Menschen Leben Tanzen Welt" hat Jan Böhmermann in den am Mittwoch veröffentlichten Midweek-Charts bereits Platz sieben erreicht. Er war letzte Woche kurz nach Veröffentlichung des Titels zunächst auf Rang 84 in die Single-Charts eingestiegen.

Das Lied ist als Spott für die deutsche Musikindustrie/Industriemusik gedacht - und verkauft sich nun selbst ausgesprochen gut. Das ist paradox, aber Böhmermann-typisch. Das Ziel des Grimme-Preis-verwöhnten ZDF-Satirikers ist es, mit dem Titel Platz eins zu erreichen - und 2018 einen Echo-Preis abzuräumen.

Böhmermann hatte in der ersten Aprilwoche in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" wenige Stunden vor der diesjährigen Echo-Verleihung über die Musikbranche hergezogen. Dabei kritisierte er die "seelenlose Kommerzkacke" einiger sogenannter Pop-Poeten, die mit dem Echo ausgezeichnet werde. "Gefühle abklappern, Trost spenden, Tiefe vorgaukeln", charakterisierte Böhmermann diese deutsche Popmusik.

Im Anschluss war der 36-Jährige dann in einem weitgehend aus Archivmaterial zusammengebauten Musikvideo von "Jim Pandzko feat. Jan Böhmermann" zu sehen. An dem Lied "Menschen Leben Tanzen Welt" kann wohl all das, was der Satiriker am deutschen Pop von Stars wie Max Giesinger und Co kritisiert, auch beanstandet werden.

So sinnfrei zusammengehauen wie der Titel selbst erscheinen auch manche Textzeilen: "Was du hast, können viele haben, aber was du bist, kann keiner sein", lautet ein Vers. "Ich brauch' mal wieder Zeit mit dir, das Schwarze mit der blonden Seele", ein anderer. Die zweite Hälfte stammt aus einer Bierwerbung.

Der Text des Songs sei von fünf Schimpansen aus dem Gelsenkirchener Zoo zusammengetragen worden, die die Verse aus Schnipseln deutscher Pop- und Werbetexte aussuchten, behauptet Böhmermann. Den Affen wurden verschiedene Früchte vorgesetzt. Jedes Teil stand für eine bestimmte Liedzeile. Der Künstlername "Jim Pandzko" klingt so ähnlich wie Schimpanse und spielt gleichzeitig auf Sänger Tim Bendzko an.

Dass Böhmermann die fünf Schimpansen bei der Gema angemeldet habe, stimmt so nicht. Das wäre nach Angaben der Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) in München auch gar nicht möglich. Stattdessen sind dort einer Sprecherin zufolge drei reale Personen angegeben, darunter Jim Pandzko als Texter, sowie zwei weitere als Komponisten mit den Pseudonymen Bono Beau und Olaf Utan. Die tatsächlichen Namen der Menschen sind der Gema bekannt, sie veröffentlicht sie aber nicht.

Böhmermanns Botschaft ist klar: Der Song "Menschen Leben Tanzen Welt" ist so bescheuert, dass selbst Affen ihn hinbekommen - und wenn er es in die Charts schafft, muss die deutsche Popmusik wohl genauso bescheuert sein. Die fünf Primaten-Künstler möchte Böhmermann im kommenden Jahr am liebsten mit dem Echo ausgezeichnet sehen.

Schon wenige Stunden nach der Veröffentlichung schaffte es das Lied in die Top 20 der iTunes-Charts, bei den Amazon-Downloads sogar bis an die Spitze. In den Offiziellen Deutschen Midweek-Charts, die GfK Entertainment im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie ermittelt und die 90 Prozent aller Musikverkäufe abdecken (stationärer Handel, Streaming-Plattformen und so weiter) steht er nun auf Platz sieben.

Den Affen in Gelsenkirchen, die nicht in dem Musikvideo zu sehen sind, die Böhmermann aber im "Neo Magazin Royale" zeigte, um den Entstehungsprozess des Hits zu erklären, scheint die Abwechslung gefallen zu haben: Schimpansen brauchen ständige Beschäftigung, wie Sabine Hass vom Gelsenkirchener Zoo sagt. "Das Kamerateam und die ganzen Leute - das war für die Affen wie Fernsehen."

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