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Hans Zimmer: "Ich versuche, keine Filmmusik zu schreiben"

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Hans Zimmer im Interview  

"Ich versuche einfach, keine Filmmusik zu schreiben"

18.02.2016, 16:56 Uhr | t-online.de, mth

Hans Zimmer: "Ich versuche, keine Filmmusik zu schreiben". Hans Zimmer bei der Oscar-Verleihung 2015: In diesem Jahr war er bereits zum zehnten Mal für einen Academy Award nominiert. (Quelle: Reuters)

Hans Zimmer bei der Oscar-Verleihung 2015: In diesem Jahr war er bereits zum zehnten Mal für einen Academy Award nominiert. (Quelle: Reuters)

Hans Zimmer zählt zu den bekanntesten Filmkomponisten unserer Zeit. Er schuf die Musik zu Werken wie "Fluch der Karibik", "The Dark Knight" oder "Der König der Löwen", die auch abseits der Leinwand ein Welterfolg wurde. Jetzt geht er erstmals auf Tournee - mit rund 70 Musikern.

Schon seit längerer Zeit plant Hans Zimmer, seine Musik live gespielt vor einem großen Publikum zu präsentieren. Allerdings fehlte dem viel beschäftigten Komponisten und Produzenten dazu einfach die Zeit. Am 6. April 2016 beginnt Zimmer nun also seine erste Tour, die ihn durch 32 europäische Städte führen wird. In Deutschland wird der gebürtige Frankfurter insgesamt sechs Konzerte geben.

In seiner langen Karriere wurde Zimmer bislang zehnmal für den Oscar nominiert. Einen Academy Award konnte er 1995 für "König der Löwen" mit nach Hause nehmen. Wir sprachen mit ihm über sein Erfolgsrezept, die am 28. Februar anstehende Oscar-Verleihung und natürlich über seine Tournee.

t-online.de: Herr Zimmern, sind Sie nervös vor Ihrer ersten großen Tournee?

Hans Zimmer: Ich bin ja eigentlich ein Mensch, der in einem Zimmer ohne Fenster lebt. Und auf einmal gehe ich in die Arenen. Es kann durchaus sein, dass dies meine erste und einzige Tour werden wird. Vor allem, weil ich schon seit Jahren Lampenfieber habe. Aber ich bin umgeben von Musiker-Freunden, die mich aus einem bösen Spaß heraus zwingen, auf die Bühne zu gehen. Und man kann ja sein Leben nicht damit verbringen, dass man Angst hat, auf die Bühne zu gehen. Irgendwann muss man einfach mal hinter der Leinwand rauskommen und dem Publikum in die Augen schauen. Und hoffentlich wird das Publikum gnädig sein.

Sie verwenden in Ihren Kompositionen häufig Synthesizer. Nehmen Sie die mit auf die Bühne, oder erwartet uns dort Hans Zimmer unplugged?

Leider Gottes kann so ein Auftritt nie Hans Zimmer unplugged sein. Dazu habe ich meine Synthesizer viel zu gerne. Aber das Orchester kommt ja auch auf die Bühne. Und das Wichtigste: Die Band kommt mit! Das ist die Band, mit der ich seit Jahren zusammenarbeite, die zum Beispiel bei „Inception“ oder der „Dark Knight“-Trilogie mitgewirkt hat. Der Unterschied zur Studioarbeit ist: Wir müssen uns keine Gedanken über die Dialoge machen und können so laut spielen, wie wir wollen. Wir sind viel mehr Rock’n’Roll als diskrete Unterhaltungsmusik.

Einer unserer Leser, der Karten für die Tour hat, wollte übrigens wissen, ob sie auf der Bühne auch einige Ihrer leiseren Stücke spielen.

Natürlich, die spiele ich auch. „The Thin Red Line“ (dt. “Der schmale Grat”) ist zum Beispiel eines der leiseren Stücke, die wir spielen - oder „The Da Vinci Code“ (dt. „Sakrileg“). „Rain Man“ ist auch eines dieser leisen Stücke. Es gibt Stellen in „Pirates of the Caribbean“, die ebenfalls eher leise sind.

Nach welchen Kriterien haben Sie unter Ihren vielen Kompositionen die Stücke ausgewählt, die Sie nun live präsentieren werden?

Ich habe eine Liste gemacht, die man in 90 Sekunden durchlesen konnte. Da hat alles gepasst. Dann habe ich mich aber mit meinen ganzen Musikern zusammengesetzt, und auf einmal war die Liste neun Stunden lang. Anschließend haben wir gemeinsam eine ganze Woche lang über jedes Stück beraten, und wir kamen auf eine Liste, die dem Publikum hoffentlich Spaß macht, und die uns Spaß macht. Selbstverständlich ist die ganze Musik auch neu arrangiert worden.

Sie arbeiten mit Künstlern wie Pharrell Williams oder Junkie XL zusammen. Wie wichtig ist diese Nähe zur Popmusik für Sie?

Ich komme ja eigentlich aus der Popmusik, und ich komme aus einem Band-Milieu. Und wenn ich mit Pharrell Williams oder Junkie XL oder Johnny Marr zusammenarbeite, dann kommt das daher, dass wir alle Freude an Musik haben, und dass wir Freude am Experimentieren haben. Was mir zum Beispiel im vergangenen Jahr am meisten Spaß gemacht hat, war nicht, Filmmusik zu schreiben, sondern Gitarre für Pharrell zu spielen. Bei Musik ist es eben so, dass sie gespielt werden muss. Und dabei verliert man nie, dass man auch ein bisschen Kind bleiben muss und das Spielerische beibehält. In Deutschland wird viel mehr zwischen U- und E-Musik unterschieden. Bei uns Musikern ist es aber so: Wir spielen einfach Musik. Ich kann mit Pharrell stundenlang über Dmitri Schostakowitschs Klavierkonzerte sprechen. Und er kann mit mir stundenlang über die Temptations oder Marvin Gaye sprechen.

Sie zählen Ennio Morricone zu Ihren großen Vorbildern. Hat es Sie sehr gefreut, dass er jetzt doch noch die Chance erhält, einen regulären Oscar zu gewinnen?

Natürlich. Dass Ennio Morricone von der Academy für seine Filmmusik zu „The Mission“ (dt. „Mission“) übersehen wurde, dass er für „Once Upon A Time In America“ (dt. „Es war einmal in Amerika“) übersehen wurde – für diese fantastische Musik, die er geschrieben hat, das hat mich schon gestört. Und ehrlich gesagt kann ich die Oscars deshalb auch nie so ganz ernst nehmen. Es dauert leider immer zwei, drei Jahre, nachdem so ein Musikstück herauskommen ist, bis die Leute merken, dass es ein Klassiker ist, den sie übersehen haben.

Gleich bei Ihrer zweiten Nominierung haben Sie einen Academy Award gewinnen können. Danach kamen acht weitere Nominierungen ohne Gewinn. Wurde das dann langsam zur Routine, oder haben Sie sich doch immer wieder geärgert, dass es mit dem zweiten Academy Award nicht geklappt hat?

Nein, geärgert habe ich mich nie. Das ist aber auch einfach zu sagen, wenn man schon einen Oscar hat. Einer ist genug, man braucht nicht mehr. Als meine Filmmusik zu „Inception“ 2011 nominiert war, da hat „The Social Network“ gewonnen. Und Trent Reznor, der Komponist der Filmmusik, hat mir anschließend geschrieben, wie er die Musik zu „Inception“ liebt und wie schade er es findet, dass wir beide im selben Jahr nominiert waren. Wir sind eben Kollegen und bewundern die Musik des anderen. Auch im vergangenen Jahr, als ich für „Interstellar“ nominiert war und Alexandre Desplat den Oscar für „Grand Budapest Hotel“ gewann, da war es wichtig für mich, dass er jetzt endlich mal an der Reihe ist. Er hat so viel gute Musik geschrieben. Und ich möchte einfach nicht, dass es heute den Komponisten so geht, wie es Ennio Morricone lange erging. Dass Arbeiten, die wirklich wertvoll sind und die einen Oscar verdient hätten, jahrelang nicht gewonnen haben.

Aber Sie drücken Ennio Morricone schon die Daumen?

Das Wichtigste ist nicht der Oscar, sondern dass Ennio Morricone mit 87 Jahren immer noch relevant ist.

Wo wir gerade von Leuten reden, die schon häufig für den Oscar nominiert waren, aber ihn noch nie gewinnen konnten: Meinen Sie, Leonardo DiCaprio wird in diesem Jahr endlich seinen ersten Academy Award bekommen?

In diesem Jahr hat er seine bisher beste Chance, glaube ich. Es fühlt sich so an, als sei es tatsächlich sein Jahr.

Aber zurück zu Ihnen: Ihre Werke funktionieren ja auch sehr gut für sich alleine, also auch ohne den zugehörigen Film. Können Sie erklären, warum das so ist?

Ich versuche einfach, keine Filmmusik zu schreiben (lacht). Ich versuche immer, auch meine eigene Geschichte in die Musik hineinzubringen, so dass die Musik selbst schon etwas erzählt. Dies ist aber nicht genau die Geschichte, die man durch Dialoge und Bilder wahrnimmt. Ich versuche eher, einen Subtext dazu zu schreiben. Ich versuche, dass die Musik auch auf ihren eigenen Beinen stehen kann und abseits des jeweiligen Films ihr eigenes Leben führt.

Demnächst wird man im Blockbuster „Batman v Superman: Dawn of Justice“ Ihre Musik hören. Ist der Film denn so gut, wie es sich alle Comicfans erhoffen?

Ich habe noch nie gesehen, dass ein Regisseur so gut die Idee eines Comics in einen Film übersetzen kann, wie Zac Snyder. Wenn man mit Zac spricht, dann spricht man eigentlich gar nicht mit ihm. Er zeichnet das, was er sagen will. Er ist ein Regisseur, der es wie kein Zweiter versteht, Leben in einen Comic hineinzubringen. Und so wie dieser Film nun aussieht, muss ich sagen: So etwas habe ich noch nie gesehen. Fantastisch!

Herr Zimmer, dann danke für dieses Gespräch, wir wünschen Ihnen Erfolg für Ihre Konzerte, und vielleicht entscheiden Sie sich ja doch irgendwann dafür, eine zweite Tour zu machen.

(Lange Pause) Machen wir doch erst einmal diese und schauen dann, wie wir uns hinterher fühlen und ob wir überhaupt noch am Leben sind.

Das Interview führte Marc Thomé

Hans Zimmer live on Tour in Deutschland

16. April: Mannheim - SAP Arena
18. April: Hamburg - Barclaycard Arena
20. April: Berlin - Mercedes-Benz Arena
22. April: Oberhausen - König Pilsener Arena
26. April: München - Olympiahalle
28. April: Köln - Lanxess Arena

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