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"In den besten Jahren": Der Seelenschmerz von Senta Berger

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"In den besten Jahren": Der Seelenschmerz der Senta Berger

15.12.2011, 09:50 Uhr | CK/dpa/dapd, dapd, dpa, t-online.de

"In den besten Jahren": Der Seelenschmerz von Senta Berger. Senta Berger im ARD-Film "In den besten Jahren" (Quelle: WDR/Thomas Kost)

Senta Berger im ARD-Film "In den besten Jahren" (Quelle: WDR/Thomas Kost)

Wie lebt man mit dem gewaltsamen Tod des Ehepartners? Und wie kommt man damit klar, dass der Täter auf freiem Fuß lebt? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am Mittwochabend der ARD-Film "In den besten Jahren". Im Mittelpunkt des leise und einfühlsam inszenierten Fernsehdramas stand die Witwe eines RAF-Mordopfers. Eine Frau, die nicht vergessen kann, die auch nach 41 Jahren den Tod ihres Mannes nicht überwunden hat und die von Trauer und Rachsucht zerfressen ist. In der Hauptrolle brillierte Senta Berger, die in ihrem Gesicht das ganze Gefühlschaos aus Trauer, Schmerz und Zorn widerspiegelte, das die Witwe Erika Welves durchlebt.

Opfer sind irgendwie langweilig - das fand schon Dostojewski. Wohl deshalb sind in Filmen, Büchern und Medien vor allem die Täter vertreten. Ob Krimis oder Dokus: Das Böse fesselt, der Blick auf den Mörder fasziniert. Was aus den Opfern und ihren Angehörigen wird, tritt dabei oft in den Hintergrund. Der ARD-Film "In den besten Jahren" hingegen konzentriert sich absichtlich auf den Blickwinkel des Opfers und seiner Hinterbliebenen, ohne dabei jedoch melodramatisch oder eindimensional zu werden. Im Gegenteil: Senta Berger als Witwe eines von der RAF erschossenen Polizisten ruft nicht nur Mitleid im Zuschauer hervor, sondern eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Gefühle.

"Eine Gefangene in ihrem Schmerz"

Denn die verhärmte Witwe nährt ihren Schmerz auf ungesunde Weise und ist so fixiert auf das Vergangene, dass die Gegenwart daneben kaum Platz hat. Erika Welves' Wohnung ist seit dem Tod ihres Gatten so gut wie unverändert, ihren verstorbenen Ehemann hat sie so sehr idealisiert, dass kein anderer Mann mithalten konnte. "Ich stellte mir eine Frau vor, die in ihrer hermetischen Welt eingeschlossen ist, eine Gefangene in ihrem Schmerz, alleine mit ihren Erinnerungen", beschrieb Berger gegenüber der dpa ihre Rolle. Selbst Tochter Jenny (Christiane Große) kann ihrer Mutter nicht helfen. Im Gegenteil: Sie leidet seit Jahrzehnten unter der unbeirrbaren und rücksichtslosen Trauer ihrer Mutter.

Gequält von Rachegelüsten

Besonders schlimm für Erika Welves ist dabei, dass der Mörder ihres Mannes nie zur Rechenschaft gezogen wurde. Dank der Kronzeugenregelung blieb er ein freier Mann, während Erika in ihrem Seelenschmerz bis heute gefangen bleibt. Als der Journalist Max Beiler (Felix Eitner) einen Artikel über die Witwe verfassen möchte, kochen die alten Erinnerungen in ihr hoch und sie beschließt, den abgetauchten Täter ausfindig zu machen, um sich zu rächen. Doch dafür ist es zu spät: Der ehemalige RAF-Terrorist ist längst tot, vor Jahren bei einem Autounfall gestorben, wie sich herausstellt. Und so kann Erika gar nicht unter Beweis stellen, ob sie ihre Rachegelüste tatsächlich ausgelebt hätte.

Nicht nur Angehörige des Opfers leiden

Stattdessen trifft die Witwe des Opfers auf die Mutter des Täters und erkennt, dass Leiden viele Gesichter hat. Denn so, wie Erika Welves unter dem ungesühnten Tod ihres Mannes leidet, so sehr zerfleischt sich die Mutter des Täters, weil ihr Sohn zum Mörder wurde. Wie viel Schuld trägt sie an dieser Entwicklung? Hätte sie die Tat verhindern können? Versöhnlich umarmen sich die beiden Frauen schließlich, ohne dass die Szene zu kitschig wird. Und man ahnt, dass beide endlich etwas Ruhe finden werden, auch wenn sie die Vergangenheit nie ganz hinter sich lassen können.

"Man tastet an einer Glasscheibe der Zeit"

Der Film kreist zwar um den Mord eines RAF-Terroristen. Trotzdem aber ist das fiktive Fernsehdrama von Regisseur Hartmut Schoen kein RAF-Film im eigentlichen Sinne. Vielmehr geht es um die langjährigen, weitverzweigten und zerstörerischen Auswirkungen, die eine einzige Gewalttat hat. Auswirkungen, die auch Corinna Ponto, Tochter des 1977 von der RAF erschossenen Dresdner-Bank-Chefs Jürgen Ponto gut kennt. "Dies ist enorm nah an eigenen Erfahrungen, welche ich in meinem Leben gemacht habe", sagte Ponto laut WDR über den Film. "Man tastet immer wieder an einer Glasscheibe der Zeit. Das finde ich auch kongenial dargestellt von Senta Berger."

Eindrücklicher Film über vernachlässigtes Thema

Dieses Urteil über Bergers Schauspielkunst kann man nur teilen. Der 70-Jährige gelingt es, dem Gefühlschaos von Erika Welves glaubhaft Ausdruck zu verleihen. So verschlossen die Hauptfigur ist, so sehr spielt sich all ihre Trauer, ihr Schmerz und ihr Zorn in ihrem Gesicht und in ihrer Gestik wider. Berger nimmt sich zurück, ordnet sich ihrer Rolle vollkommen unter - und sorgt für das Gelingen dieses eindrücklichen, bewegenden Films über ein Thema, das viel zu selten zur Sprache kommt.

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