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"Unsere Mütter, unsere Väter": So wuchtig ist der ZDF-Kriegsfilm

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"Unsere Mütter, unsere Väter"  

Wuchtig, aufwühlend, authentisch

17.03.2013, 14:43 Uhr | mth, t-online.de

"Unsere Mütter, unsere Väter": So wuchtig ist der ZDF-Kriegsfilm. Aussichtsloser Kampf: Leutnant Wilhelm Winter (Volker Bruch) im Schützengraben (Quelle: ZDF / David Slama)

Aussichtsloser Kampf: Leutnant Wilhelm Winter (Volker Bruch) im Schützengraben (Quelle: ZDF / David Slama)

Nico Hofmann, Deutschlands führender Eventfilm-Produzent ("Dresden", "Die Flucht"), schreckt vor großen Worten nicht zurück. "Ich bete zum lieben Gott, dass dieses Programm sein Publikum findet", rief der 53-Jährige bei einer Voraufführung seines Dreiteilers "Unsere Mütter, unsere Väter" in Hamburg dem Publikum zu. Mit seinem 87-jährigen Vater, der den Film bereits sah, hätte er anschließend tagelang - und zum ersten Mal - über das Thema diskutiert, erklärte Hofmann. Es geht um einen Abgrund deutscher Geschichte, über den die Beteiligten meist jahrzehntelang selbst im Familienkreis eisern schwiegen - der Krieg der Wehrmacht gegen die Sowjetunion.

Dabei prägt die Erfahrung der Erlebnisgeneration bis heute die Psychen ihrer Kinder, Enkel, Urenkel. Zig Millionen Tote hat am Ende gekostet, was am 22. Juni 1941 als "Unternehmen Barbarossa" begann, mit dem Hitler "Bolschewismus" und Juden im Osten vernichten wollte. Ein Desaster, das erst am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht zumindest de jure vorbei war.

Foto-Serie mit 0 Bildern

Neben Büchern und Artikeln informierten Spielfilme ("Stalingrad", 1993) und Dokumentationen wie zum Beispiel von Guido Knopp über das Grauen an und hinter der Front. Mit ihrer wuchtigen 15-Millionen-Euro-Koproduktion von ZDF und teamWorx sowie weiterer Stellen nehmen die Verantwortlichen einen neuen Ansatz für sich in Anspruch.

"Den Krieg lebendig machen für ein junges Publikum"

"Wir zeigen erstmals die Perspektive derer, die mit damals 20 Jahren in den Krieg geschickt wurden", sagte ZDF-Fernsehspielchefin Heike Hempel. Diese Innensicht solle "den Krieg lebendig machen für ein junges Publikum." In "moderner Bildsprache" wollen die Fernsehmacher, so Hempel, "Kommunikation zwischen den Generationen stiften über das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte." Ein hohes Ziel, wobei man nur hoffen kann, dass die von Stefan Kolditz ("Dresden") geschriebenen und dem "Hindenburg"-Regisseur Philipp Kadelbach eindringlich inszenierten, von Dokus und Internet-Angeboten begleiteten Primetime-Neunzigminüter es erreichen werden. 

Enormer Einsatz und achte Jahre Arbeit

15 Millionen Euro Kosten, acht Jahre Arbeit, davon 90 Drehtage in Litauen, Lettland und Deutschland, (Militär-)Historiker und nach einem Aufruf 200 Kriegsveteranen als Berater - enormen Einsatz und Herzblut haben dessen Macher in das Projekt gesteckt. Ganz besonders gelang ihnen die Besetzung, die ohne die üblichen großen Stars auskommt. Schlicht und emotional wahrhaftig ragen hier Volker Bruch (Oberleutnant Wilhelm Winter), Tom Schilling (dessen jüngerer Bruder Friedhelm), Ludwig Trepte (Jude Viktor), Katharina Schüttler (Sängerin Greta) und Miriam Stein (Lazarettschwester Charlotte) heraus. Die charismatischen Jungmimen spielen fünf Berliner Kumpel, die im Sommer 41 noch einmal feiern und einander dann hoffnungsvoll Lebewohl sagen, denn "spätestens Weihnachten ist der Krieg vorbei."

Täter oder Opfer?

Doch als sich drei von ihnen im Mai 1945 in ihrer alten Kneipe wieder treffen, liegt nicht nur die Stadt in Trümmern: Die Freunde sind Gezeichnete. Sie haben getötet, mit Tod, Angst und Hunger gelebt - wurden zum Spielball ihrer bösen Zeit. Täter oder Opfer? "Am Anfang war man ein Held und jetzt ist man nur noch ein Scheißkerl", sagt einer.

An Brutalität mangelt es naturgemäß nicht

Hautnah begleitet das Fernsehpublikum die zunächst teilweise Führer-Begeisterten auf ihrem Weg nach Osten und zurück. Original-Wochenschaubilder bekräftigen deren Erlebnisse. An Brutalität mangelt es naturgemäß nicht, ständig gibt es Häuserkämpfe und Erschießungen, explodierende Granaten und weinende Soldaten. Nicht jeder Zuschauer wird das aushalten wollen. 

"Unsere Mütter, unsere Väter" wühlt auf

An der überdeutlich exemplarischen fiktiven Geschichte kann man einiges kritisieren. So erscheinen die häufigen Zufallsbegegnungen der versprengten Freunde mitten im großen Krieg - im Gefecht, irgendwo im Lazarett, in den riesigen osteuropäischen Wäldern - unglaubwürdig. Allzu simpel wird damit auf Gefühlseffekte gesetzt. Und doch vermag "Unsere Mütter, unsere Väter" stark aufzuwühlen. Die Erzählung über die ganz normalen, jugendlichen Träger unserer Vergangenheit berührt eine Wahrheit unserer Seelen. Darüber sollte man reden - gerade mit Vertretern der Kriegsgeneration. Solange das noch möglich ist. 

"Unsere Mütter, unsere Väter" - Teil 1: Sonntag, 17. März, 20.15 Uhr (ZDF)
"Unsere Mütter, unsere Väter" - Teil 2: Montag, 18. März, 20..15 Uhr (ZDF)
"Unsere Mütter, unsere Väter" - Teil 3: Mittwoch, 20. März, 20.15 Uhr (ZDF)

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