Sie sind hier: Home > Unterhaltung > TV >

Der neue Österreich-"Tatort" im Überblick

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Tod in den eigenen Reihen  

Der neue Österreich-"Tatort" im Überblick

19.04.2017, 23:03 Uhr | von Verena Maria Dittrich

In einer Wiener Polizeischule kommt es zu einem Doppelmord. (Screenshot: ARD)
Doppelmord im Wiener Tatort: "Wehrlos"

In einer Wiener Polizeischule kommt es zu einem Doppelmord. Die Spur führt die Kommissare Fellner und Eisner in die eigenen Reihen.

Doppelmord im Wiener Tatort: "Wehrlos" (Quelle: Bitprojects)


Der Leiter der Wiener Polizeischule und seine Frau werden tot aufgefunden. Alles deutet auf ein Ehedrama hin. Doch ein fehlendes Projektil gibt Rätsel auf. Die Spur führt ins Herz der Polizei.

Darum geht's:

Der 40. Fall von Majorin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) hat es in sich. Die beiden werden an einen Tatort mit zwei Toten gerufen, bei denen es sich um den erschossenen Chef der Wiener Polizeischule und dessen erschlagener Ehefrau handelt. Der vermeintlich erweiterte Selbstmord des Kollegen gibt Rätsel auf: Das Projektil in der Leiche passt nicht zur Tatwaffe. Und dann will ein Zeuge auch noch einen zweiten Schuss gehört haben, aber am Tatort gibt es weder ein weiteres Einschussloch noch eine verirrte Kugel. Die Spur führt an den Arbeitsplatz des toten Polizeichefs und in ein Gestrüpp aus Sex, Mobbing und Erpressung.

Die Brisanz:

Der Einblick in die Polizeischule wirkt trotz Fiktion beklemmend authentisch: eingeschüchterte Kadetten, brachialer Sexismus und ein Polizeinachwuchs, der sich aus Angst vor verbauten Karrierechancen demütigen und auf grausamste Art und Weise sexuell erniedrigen lässt. Die Darstellung des Gruppeninspektors Thomas Nowak (Man hasst ihn richtig! Simon Hatzl) wirkt in seiner faschistoiden, frauenfeindlichen Art vollkommen enthemmt und regt unweigerlich zum Nachdenken an.

Ausbilder Thomas Nowak (Simon Hatzl) regiert mit eiserner Hand.  (Quelle: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican)Ausbilder Thomas Nowak (Simon Hatzl) regiert mit eiserner Hand. (Quelle: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican)

Der Nebenstrang:

Oberstleutnant Eisner watet mal wieder durch das Jammertal der Midlife Crisis. Als Bibi ihn nicht auf seinem Handy erreicht, steht sie kurzerhand vor seiner Tür und trifft dabei auf Eisners spärlich bekleidete Geliebte. Ein Umstand, der ihr sauer aufstößt, denn dass ihr Partner Geheimnisse vor ihr hat, gefällt ihr ganz und gar nicht.

"Ich mache im Gegensatz zu dir meinen Job ...", wirft Fellner ihrem Kollegen vor. "Halte dich aus meinem Privatleben raus", erwidert Eisner zornentbrannt. Im Wiener-"Tatort" stehen die Zeichen auf Sturm.

Die Macher:

Drehbuchautor Uli Brée und Regisseur Christopher Schier haben mit "Wehrlos" einen dichten Krimi geschaffen, der durch ein fulminant aufspielendes Ermittler-Duo und eine bis zur letzten Minute spannende Geschichte zu überzeugen weiß. Brée und Schier gehen aufs Ganze, ihr Szenario wirkt überzeugend und bedrohlich. Einige der dargestellten Charaktere muten zwar leicht überzogen an, rauben dem Ganzen aber nicht seinen Schauwert.

Lohnt sich das Einschalten?

Ja! "Wehrlos" bietet einen Kriminalfall der alten Schule, eingebettet in eine aktuelle Problematik. Der Fall ist clever verstrickt und lässt den Zuschauer fast bis zum Schluss rätseln, wer nun Täter oder Opfer ist.

Eisner und Bibi liegen sich in den Haaren. (Quelle: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican)Eisner und Bibi liegen sich in den Haaren. (Quelle: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican)

Wermutstropfen:

Die szenenweise für eine deutsche TV-Produktion exzellenten Kamerafahrten von Thomas W. Kiennast sind leider zu rar gesät. Auch blitzt hier und da ein gelungener Soundtrack (Markus Kienzl/Sofa Surfers) durch, der aber, gerade zum Ende hin, etwas schwächelt und sich somit leider in den üblichen Einheitsbrei eingliedert.

Fazit:

9 von 10 Punkten. Der neue Österreich-"Tatort" funktioniert auf mehreren Ebenen, ohne dabei überladen daherzukommen. Fellner und Eisner sind in Hochform, die Story ist temporeich erzählt und vielschichtig und der Fall schlägt glaubwürdige Haken. Ein Sonntagabendkrimi wie man ihn sich wünscht.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige

Shopping
Shopping
Große Klappe, viel dahinter: Gorenje Haushaltsgeräte
OTTO.de
Unterhaltung von A bis Z

Anzeige
shopping-portal
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017