08.08.2012, 10:47 Uhr | dapd, t-online.de
Nur einer von 20 Bundesbürgern ist richtig versichert. Das ist die Einschätzung der Hamburger Verbraucherschützerin Edda Castello. Als wichtigste Versicherung bezeichnete sie die Privathaftpflicht - die brauche jeder. Ein fahrlässig verursachter Unfall mit hohem Schaden könne einen Menschen schnell wirtschaftlich ruinieren, sagte Castello. Der Versicherungsbeitrag sei im Vergleich dazu relativ günstig - rund 100 Euro im Jahr kostet der Schutz. Ebenfalls wichtig für Berufstätige: eine Berufsunfähigkeitsversicherung, denn der staatliche Schutz sei verschwindend gering. Berufsunfähigkeit treffe viele, auch Büroarbeiter.
Menschen, von denen andere wirtschaftlich abhängig sind, zum Beispiel Familienväter, sollten auf jeden Fall eine Risiko-Lebensversicherung abschließen. Kapitallebens- und Rentenversicherungen sind dagegen keine echten Versicherungen, sondern Sparverträge - auch wenn sie meist einen Todesfallschutz beinhalten.
Immobilienbesitzer sollten eine Gebäudeversicherung haben. Zu den verzichtbaren Versicherungen zählte Castello etwa die gegen Glasbruch. Eine kaputte Scheibe kann zwar einige hundert Euro kosten, bringt aber niemanden an den Rand des Ruins. Steht der Verursacher fest, muss dessen Haftpflicht zahlen. Auch eine Reparaturversicherung etwa für die Waschmaschine ist ein teurer Spaß: würde man die Beiträge ansparen, könnte man sich schon nach fünf bis sieben Jahren davon ein neues Gerät kaufen. Meist halten Waschmaschinen jedoch deutlich länger.
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Verbraucher sollten sich deshalb überlegen, ob ein Schaden wirklich versichert werden muss. Messlatte sollte dabei die persönliche finanzielle Belastung sein. Ein gestohlenes oder kaputtes Handy kann auch ohne entsprechende Versicherung leicht ersetzt werden. Wer allerdings so krank wird, dass er nicht mehr arbeiten kann, der steht vor dem wirtschaftlichen Aus - falls nicht eine Versicherung einspringt. Oft rieten Versicherungsvertreter zu den falschen Verträgen, weil hohe Provisionen im Vordergrund stünden, nicht aber gute Beratung.
Hausrat- und Unfallversicherungen sind nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg möglicherweise sinnvoll. Dagegen zählen Rechtschutz-, Insassen-Unfall-, Reisegepäck- oder Tierkrankenversicherungen zu den weniger wichtigen oder gar überflüssigen Policen. Der Verlust des Reisegepäcks ist oft über die Hausratversicherung abgedeckt, außerdem werden an die Beaufsichtigung des Gepäcks extrem hohe Anforderungen gestellt.
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Eine Insassen-Unfallversicherung übernimmt fast nur Risiken, die bereits anderweitig abgedeckt sind, zum Beispiel über die Kfz-Haftpflicht. Zwar sind die Beiträge für diese Versicherung gering, das ist in diesem Fall allerdings ein Beleg für ihren minderen Nutzen: den Einzahlungen stehen fast keine Schäden gegenüber. Rund 80 Prozent der Beiträge können die Anbieter direkt als Gewinn verbuchen. Die enthaltenen Komponenten, etwa Krankenhaustagegeld, sollten besser als Kranken-Zusatzversicherung abgeschlossen werden - dann zahlt die Versicherung nicht nur bei Autounfällen.
Dagegen raten Experten Reisenden dringend zu einer Auslandsreisekrankenversicherung - und zwar sowohl für gesetzlich als auch privat Versicherte. Gerade im Urlaub ist das Krankheits- oder Verletzungsrisiko groß: leicht kann bei einer langen Autofahrt, beim Sport, auf einer Kreuzfahrt oder im Hotel etwas passieren. Trotzdem fahren Millionen Deutsche ohne diesen Schutz in Urlaub.
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Im Ausland werden Patienten häufig nur gegen Barzahlung behandelt - die Urlaubskasse oder Kreditkarte kommt dann schnell an ihre Grenzen. Teils wird nach einer Barzahlung zuhause nur ein Bruchteil erstattet. Auslandskrankenscheine helfen auch nicht immer weiter - so sind sie zum Beispiel in den USA völlig nutzlos. Achten Sie außerdem darauf, dass die Versicherung den teuersten Posten - den Ambulanzflug nach Hause - mit abdeckt.
Ein gutes Paket der wichtigen Versicherungen dürfe im Monat nicht mehr als 100 Euro kosten. "Wer dann noch einen Fuffi oder Hunni übrig hat, sollte den besser beiseitelegen, als Geld für weitere Versicherungen auszugeben", riet Castello. Auch solle der Versicherungsschutz regelmäßig überprüft werden: oft hätten sich die Lebensverhältnisse geändert oder es gebe günstigere Angebote bei der Konkurrenz.
Quelle: dapd, t-online.de
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