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Motorboote unter Strom

24.10.2011, 09:50 Uhr | Clemens Niedenthal/Raufeld

Motorboote unter Strom. Motorjachten von Heistracher fahren mit Elektroantrieb. (Quelle: Hersteller)

Motorjachten von Heistracher fahren mit Elektroantrieb. (Quelle: Hersteller)

Peter Heistracher baut exklusive Boote - in einem Familienbetrieb, der schon seit 1957 den Schiffsverkehr elektrisiert. Aus den Bleibatterien von einst sind längst Lithium-Ionen-Akkus geworden. Ein Werftbesuch auf der Insel Frauenchiemsee. Bilder der Boote gibt's in unserer Foto-Show.

Der Schiffsdiesel hustet. Das zähe Schütteln eines betagten Arbeitstiers. Kurz nur, dann findet der Motor zurück in den Takt, knattert von Gstadt hinüber zur Fraueninsel, wie Frauenchiemsee von den Einheimischen nur genannt wird. Der Kapitän der kleinen Arbeitsjolle ist ein Einheimischer: Peter Heistracher, Betreiber einer Bootswerft mit Firmengeschichte seit 1890.

Boote mit Hightech

Bald ankert der alte Kahn am Nordufer der Insel und der Kapitän zeigt ein aktuelles Projekt. Eine Motorjacht mit dem Charisma der Sechzigerjahre, mahagoniverkleidet, elektrisch angetrieben und kohlefaserleicht. 250.000 Euro ist dem Besitzer eines Seegrundstücks am Starnberger See dieses Achteinhalbmeterboot wert. 100.000 kostet alleine der Antriebsstrang mit den koreanischen Lithium-Ionen-Akkus. Peter Heistracher wird die Jacht in ein paar Wochen ausliefern - und weiterhin mit seiner betagten Arbeitsjolle über den Chiemsee knattern.

Draußen an der Wand hängen zwei Chiemsee-Plätten. Verwitterte Holzmodelle, gut 30 Zentimeter lang. In den Fünfzigerjahren, als immer mehr Touristen auf die Fraueninsel kamen und immer weniger Fischer mit diesem traditionellen Arbeitskahn in See stachen, haben Vater und Großvater diese Modelle gebaut. Als Touristensouvenir, wenn in der Werft mal keine Boote gebaut wurden.

Und wenn Boote gebaut wurden? Dann bauten sie robuste Rettungsjollen für die bayerischen Voralpenseen, Rennboote mit amerikanischen V8-Motoren, holzverkleidete Segeljachten und elektrische Motorboote seit 1957.

Schiffsdiesel wurde verboten

In diesem Jahr wurde auf den oberbayerischen Voralpenseen das vergnügliche Umherjagen mit dem Schiffsdiesel verboten.

Nur die Fischer und Bewohner der Fraueninsel dürfen seitdem noch im Viertaktrhythmus über den Chiemsee knattern. Auch die typischen Boote der Fraueninselbewohner, mit denen diese jeden Morgen zu den Pendlerparkplätzen am Seeufer schippern, stammen aus Heistrachers Werft. Pragmatische Schiffchen mit Aluminiumrumpf und einer kleinen Kohlefaserkabine. Längst zu klein geworden ist indes die Bootswerft mit den beiden Schuppen; Furnierplatten und Kohlefaserblöcke stapeln sich zwischen den halbfertigen Booten. Über allem der Geruch von frischem Lack, ein sattes Royalblau, das seit dem Morgen ein kleineres Elektroboot kleidet.

Familienwerft besitzt eigenen Stil unter den Bootsbauern

Ob dessen eleganter Körper nicht sehr an die legendären Riva-Boote erinnert? Aber Peter Heistracher hat seine eigene Tradition, zitiert die Motorjachten der Familienwerft - nur dass diese in den Sechzigerjahren ihre Kraft noch aus schweren Bleibatterien zogen, wie sie noch, buchstäblich bleiern, in einer Ecke der Werft lagern. Er könne das Zögern und Hadern der Automobilindustrie nicht nachvollziehen, sagt Heistracher, der Elektropionier.

Und redet doch von dem Glück, dass die Ausfahrt mit der Motorjacht ein Schönwetter- vergnügen ist: "Die großen Boote leisten vielleicht 50 Kilowatt, das reicht für 40 km/h und genügend Stunden auf dem See. Allerdings weiß ich auch, wie sehr die Leistungsdauer der Akkus bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in die Knie geht."

Know-how und Ideen holt man sich aus Asien

Dennoch: Da baut ein Fünf-Mann-Betrieb auf einer kleinen Insel wie selbstverständlich Boote mit leistungsstarken Lithium-Ionen-Akkus, über die ein befreundeter Elektrotechniker - den Heistracher inzwischen halbtags angestellt hat - stetig in Asien recherchiert.

So viel Hightech hinter vom Seewind verwaschenen Holzschuppenfassaden: Peter Heistracher, Jeans, Sweatshirt und ein wetterfester Anorak, der so alt sein dürfte wie die knatternde Arbeitsjolle, ist gut für Überraschungen.

Fertigung einer Jacht benötigt bis zu 800 Arbeitsstunden

Und für Kunden, denen es tatsächlich um Boote geht. "Heute, wo längst jeder Kia-Händler einen polierten Schauraum braucht, wundern sich manche schon, dass in meiner Werft kein Ledersofa steht." Den anderen baut Heistracher Elektroboote für kleine Ewigkeiten. So wie auch die Motorjachten seines Vaters noch immer in See und Seen stechen.

Kunden, die verstehen, warum in einer Heistracher-Jacht bis zu 800 Arbeitsstunden stecken. Und die schätzen, dass der Bootsbauer von der Fraueninsel Unikate baut. Von Automobilbauern, auch von den luxuriösesten, kann man das - Elektroantrieb hin oder her - längst nicht mehr erwarten.

Sehen Sie Boote von Peter Heistracher in unserer Foto-Show.

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