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Neue Marke EQ  

Stern unter Strom: Mercedes greift Tesla an

08.07.2017, 14:14 Uhr | Michael Specht/SP-X

Stern unter Strom: Mercedes greift Tesla an. Mercedes tritt mit den EQ-Modellen gegen Tesla an. (Quelle: Hersteller)

Mercedes tritt mit den EQ-Modellen gegen Tesla an. (Quelle: Hersteller)

Unter seiner neuen Marke EQ will Mercedes künftig seine Elektroautos vermarkten. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll es zehn Modelle geben. Einem dürfte dies gewiss nicht gefallen: Tesla.

Erst klein und clever, dann groß und luxuriös und nun sauber und leise. Nach Smart und Maybach hat der Daimler Konzern erneut eine Produktmarke ins Leben gerufen. Ihre Premiere feierte die Marke EQ im Herbst 2016 auf dem Pariser Autosalon. Die Initialen stehen für Electric Intelligence und leiten sich laut Mercedes von den Markenwerten „Emotion und Intelligenz“ ab. „Jetzt legen wir den Schalter um“, versprach Daimler-Chef Dieter Zetsche und kündige eine Offensive zum Thema Elektroautos an.

Ein automobiles Ökosystem

Hinter EQ stecken jedoch nicht nur die Stromer selbst. Der Name soll ein automobiles Ökosystem umfassen, das unter anderem Wallboxen, Ladeservices und Home-Energiespeicher umfasst. „Unter EQ bündeln wir unser gesamtes Know-how rund um die intelligente Elektromobilität von Mercedes-Benz“, so Vertriebsvorstand Britta Seeger.

Die Außenwirkung der neuen Daimler-Marke präsentieren dabei hauptsächlich die Elektrofahrzeuge. Die Konzeptstudie „Generation EQ“ stellt ein sportlich gestyltes SUV-Coupé dar, größenmäßig zwischen GLC und GLE platziert. Das erste EQ-Serienmodell soll bereits 2019 auf den Markt kommen.

Daimler will neue Architektur für E-Autos entwickeln

In der Entwicklung befindet sich eine komplett neue Architektur, modular aufgebaut und in weiten Bereichen skalierbar. Dazu gehören auch verschiedene Radstände und Spurweiten, um auch unterhalb des C-Segments Modelle anbieten zu können. „Das Fahrzeugkonzept ist für alle Anforderungen einer zukunftsorientierten, batterieelektrischen Modellfamilie optimiert“, sagt Entwicklungsvorstand Ola Källenius, „wir können alle Segmente von der Kompakt- bis zur Luxusklasse abdecken.“

Intern wird die Plattform EVA genannt. Das Kürzel steht schlicht für Eletric Vehicle Architecture. Insgesamt will der Daimler Konzern in den kommenden drei Jahren rund zehn Milliarden Euro in die Entwicklung seiner Elektroautos investieren.

500 Kilometer Reichweite mit Lithium-Ionen-Batterie

Das erste EQ-Fahrzeug wird aufgrund des knappen zeitlichen Vorlaufs jedoch noch nicht vollständig auf EVA stehen, sondern eine Zwischenstellung einnehmen. Ausgelegt sind alle EQ-Modelle auf Allradantrieb mit zwei Elektromotoren. Deren Systemleistung kann auf bis zu 300 kW/408 PS und 700 Newtonmeter Drehmoment gesteigert werden. Mercedes verspricht eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in weniger als fünf Sekunden.

Die Reichweite soll, bedingt durch eine bis zu 70 kWh große Lithium-Ionen-Batterie, knapp 500 Kilometer betragen. Zu hören ist, dass auch Batteriekapazitäten bis zu 110 kWh möglich sein sollen. Fertigen wird die Stromspeicher die Daimler-Tochter Deutsche Accumotive in Kamenz. Vor wenigen Wochen erfolgte hier die Grundsteinlegung für eine zweite Batteriefabrik.

Der Kunde kann später beim EQ-Serienmodell wählen, ob er neben dem Laden per Kabel auch ein induktives System an Bord haben möchte. Mercedes startet diese Option derzeit mit der Plug-in-Hybrid-Version der S-Klasse.

Multi-Materialmix aus Stahl, Aluminium und Karbon

Die Karosseriestruktur baut – ähnlich wie bei den konventionellen Mercedes-Modellen – auf einem Multi-Materialmix aus Stahl, Aluminium und Karbon auf. Große Herausforderungen kommen auf die Design-Abteilung zu. Gilt es doch, die EQ-Fahrzeuge mit einer eigenen Ästhetik zu versehen und sie klar von Verbrenner-Modellen zu differenzieren. Anderseits dürfen sich die EQ-Modelle optisch nicht zu weit entfernen, um potenzielle Käufer nicht zu verschrecken. Traditionelle Mercedes-Kunden sollen sich noch gebührend zu Hause fühlen.

Mercedes-Stern als Lichtelement

Die Studie „Generation EQ“ soll laut Mercedes dicht an dem späteren Serienmodell liegen. Als Erkennungszeichen dient der sogenannte „Black Panel“-Frontgrill mit einem umlaufenden Lichtband. Dieses Design beinhaltet, dass, erstmals in der Geschichte des ältesten Autoherstellers der Welt, der Mercedes-Stern als Lichtelement zum Einsatz kommt.

Zehn Modelle von Mercedes bis 2022

Schon bis 2022 will der Stuttgarter Autobauer insgesamt zehn Modelle (inklusive Smart) elektrifizieren und zu einer EQ-Familie zusammenfassen. Ursprünglich war als Zeitfenster 2025 angesetzt. Daimler-Chef Dieter Zetsche revidierte diese Aussage allerdings kürzlich auf der Hauptversammlung in Berlin.

Der erste Sprössling könnte die Bezeichnung EQC tragen, da dieses Modell noch weitgehend auf dem GLC basiert. Als nächstes Derivat ist eine Limousine in der Größer einer C-Klasse im Gespräch. Elektrisch angetrieben werden auch ein Fünfmeter-Luxus-Liner und zwei SUVs. Eines davon hat GLS-Format, das zweite fährt im Segment des GLE Coupés. Ebenso sollen Kompaktmodelle unterhalb der C-Klasse mit elektrischem Antrieb angeboten werden.

Bereits im vorigen Jahr hat der Konzern Namensschutz für die Buchstabenkombinationen EQA, EQB, EQC, EQE und EQS beantragt. Dies legt die Vermutung nahe, dass Daimler nahezu seine komplette Modellpalette elektrifizieren wird – von der A- bis zur S-Klasse. In Diskussion ist derzeit auch das Thema, leistungsstärkere Modelle von AMG in die EQ-Nomenklatur einzubinden. Daimler geht davon aus, dass 2025 der Anteil der Elektroautos am Gesamtabsatz zwischen 15 und 25 Prozent liegen wird. Bei 2,08 Millionen verkaufter Fahrzeuge 2016 wären das bis zu 500.000 E-Autos.

Daimler greift Tesla an

Eine derartige Offensive dürfte vor allem einem nicht gefallen: Tesla. Das kalifornische Unternehmen konnte sich bislang als Monopolist für luxuriöse Elektroautos betrachten. Die Limousine Model S und das SUV Model X gelten als cool und öko-schick, kosten aber auch über 100.000 Euro. Die EQ-Fahrzeuge von Mercedes werden hier deutlich drunter liegen, bei besserer Qualität im Interieur. Weiteren Gegenwind bekommt Tesla von Audi, Porsche, Jaguar und Bentley.

Für die Produktion der EQ-Modelle will Daimler mit Bremen, Rastatt, Sindelfingen und Hambach vier Kompetenz-Zentren schaffen. Dem Werk Bremen kommt dabei die Hauptaufgabe zu. Hier entsteht das erste EQ-Modell. Später sollen die Elektroautos innerhalb des bestehenden globalen Produktionsnetzwerks auf vier Kontinenten gebaut werden. Mit dabei ist natürlich China. Mercedes will mit seiner neuen Marke besonders im Reich der Mitte ganz vorn dabei sein. Schon heute gilt China als größter Elektroautomarkt der Welt.

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