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Lamborghini Urraco: Der brachiale Schönling

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Lamborghini Urraco  

Brachialer Bulle

21.08.2012, 16:16 Uhr | Ulrich Feld, driver.de

Lamborghini Urraco: Der brachiale Schönling. Lamborghini-V8 (Quelle: Ulrich Feld)

Lamborghini-V8 (Quelle: Ulrich Feld)

Mit dem Mittelmotor-Boliden Urraco blies Lamborghini im Jahr 1970 zum Sturmangriff auf Porsche 911 und Dino 246 seines schärfsten Konkurrenten Ferrari. Seine Waffen waren ein bulliger V8-Motor und das hinreißende Blechkleid von Bertone. Heute sind Lamborghinis V8-Modelle Urraco, Silhouette und Jalpa sehr begehrt und selten. Trotz wechselvoller Geschichte und Ölkrise überlebte der potente Sportwagen als Targa-Modell bis in die späten achtziger Jahre. Bei seiner Premiere auf dem Turiner Salon im Jahr 1970 fand der Urraco mit dem 220 PS starken 2,5-Liter-Motor begeisterten Zuspruch.

Besonders die Karosserie gefiel, und Lamborghini nahm die ersten Bestellungen entgegen. Technische Probleme bei der Entwicklung des Urraco führten jedoch zu massiven Verzögerungen in der Produktion. Erst 1973 lieferte Lamborghini die ersten Fahrzeuge aus. Mittlerweile waren viele Kunden wieder abgesprungen. Zu diesen Schwierigkeiten kamen massive Streiks in der italienischen Industrie. Darüber hinaus brachte Konkurrent Ferrari mit dem Dino 308 GT/4 auch ein 2+2-sitziges Mittelmotor-Coupé mit Achtzylinder und Aufbau von Karosserie-Designer Bertone auf den Markt. Bertone hatte die extrem gewöhnungsbedürftige Karosserie des 308 GT/4 ursprünglich für den Urraco geplant, Lamborghini damit aber nicht überzeugen können. Dennoch verkaufte sich der Dino gut, vor allem wegen seines ausgezeichneten neuen Motors. Um gegen Ferraris neuen Mittelmotor-Achtzylinder bestehen zu können, präsentierte Lamborghini darum auf dem Turiner Salon von 1974 den weiterentwickelten Urraco P300 mit auf drei Liter erhöhtem Hubraum und deutlich besserer Qualität. Bis dahin hatte der Urraco dennoch schon für erhebliche Verluste bei Lamborghini gesorgt. Die Firma geriet in eine gefährliche Schieflage.

Erster Lamborghini zum Offenfahren

1975 enthüllte Ferrari mit dem sehr attraktiven zweisitzigen 308 GTB den eigentlichen Nachfolger für den Dino 246. Lamborghini reagierte im Folgejahr auf dem Genfer Salon mit dem Silhouette. Er verfügte über die gleiche technische Basis wie der Urraco P300, war aber ebenfalls ein reiner Zweisitzer. Sein großer Trumpf gegenüber dem Ferrari 308 GTB war sein herausnehmbares Dachteil wie beim Dino 246 GTS oder dem Porsche 911 Targa. Erst 1977 Ferrari legte Ferrari den 308 GTS auf, der später durch die TV-Serie "Magnum" berühmt werden sollte. Wieder hatte Bertone ganze Arbeit geleistet und beim Silhouette das Fließheck des Urraco durch ein Tunnelheck mit massiven Hecksäulen und stehender Heckscheibe ersetzt. Zusammen mit den schwarzlackierten Lufthutzen und den kantig geformten Kotflügeln verlieh das neue Heck dem Silhouette einen breiten und stämmigen Auftritt. Der Silhouette war bemerkenswert hochwertig verarbeitet: Lamborghini hatte die richtigen Lehren aus dem Urraco gezogen.

Aus für Lamborghini Urraco und Silhouette

Das Geländewagenprojekt Cheetah (der spätere LM002) verschlang jedoch so hohe Summen, dass Lamborghini im August 1978 Insolvenz anmelden und die Produktion des Urraco wie auch des Silhouette einstellen musste. Zusammen mit dem LM002 hatten der Urraco und der Silhouette Lamborghini zum Kentern gebracht. Die Rettung kam erst 1980 mit dem 24 Jahre alten Autofanatiker und Millionenerben Patrick Mimran. Der erkannte das Potential des Achtzylinders, vergrößerte ihn auf 3,5 Liter Hubraum und stellte auf dem Genfer Salon 1981 mit dem wieder von Bertone eingekleideten Jalpa einen neuen Mittelmotor-Targa vor, der dem Silhouette überaus ähnlich sah.

Neuer Lamborghini Jalpa gegen Porsche und Ferrari

Im Herbst 1982 konnten die ersten Kunden ihren Jalpa in Empfang nehmen. Die Konkurrenz hatte allerdings auch nicht geschlafen. Ferrari verhalf dem 308 GTB/GTS ab 1983 mit Vierventiltechnik zu mehr Leistung, 1985 debütierte der weiterentwickelte 328 GTB/GTS. Und Porschekunden stand ab Ende 1982 sogar erstmals in der Geschichte des 911 ein Vollcabriolet zur Verfügung. Ein Jalpa gerät aber auch gegen diese beiden Bestseller nicht ins Hintertreffen. Dafür sorgen seine bequemen Sitze mit viel Platz und Leder, das unproblematische Fahrverhalten auch bei flotter Kurvenfahrt, der überraschend gute Federungskomfort und vor allem das Meisterstück italienischen Motorenbaus hinter den Sitzen. Viel Drehmoment von unten, reichlich Drehfreude oben sowie das überschäumende Temperament in allen Lebenslagen selbst nach heutigen Maßstäben machen jede Fahrt im Jalpa zu einem sinnlichen Vergnügen. Schon im Leerlauf knurren die acht Zylinder mit feinem Bass verheißungsvoll wie große Raubkatzen. Und auf freier Strecke breitet sich ein prachtvoller Klangteppich aus, der selbst gegen ein großes Orchester bestehen könnte. Das heißere Fauchen beim Gasgeben ist eimerweise Honig fürs Trommelfell.

Seltenes Vergnügen: Lamborghini Urraco, Silhouette und Jalpa

Wer heute einen Lamborghini mit V8-Motor sein eigen nennen möchte, benötigt außer dem nötigen Geld vor allem viel Geduld. Insgesamt verließen nur 776 Urracos, 420 Jalpas und 55 Silhouettes die Werkshallen von Lamborghini im italienischen Sant' Agata.

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