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Oldtimer mit Patina im Kommen

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Oldtimer mit Patina im Kommen

07.10.2013, 12:05 Uhr | Clemens Niedenthal, Raufeld

Oldtimer mit Patina im Kommen. Ein Mercedes 300 SL, Baujahr 1962, landete im Jahr 2010 für eine knappe Million Dollar unter dem Hammer. (Quelle: Nidermaier Gooding and Company)

Ein Mercedes 300 SL, Baujahr 1962, landete im Jahr 2010 für eine knappe Million Dollar unter dem Hammer. (Quelle: Nidermaier Gooding and Company)

Verblichener Lack, Flugrost an der Stoßstange und eingesessene Sitze: Die Spuren der Zeit sind für einen Oldtimer kein Makel mehr. Manchmal steigern sie sogar den Wert der Klassiker. Denn für viele Oldtimer-Fans muss ein Auto mittlerweile eines sein: authentisch. Die Patina wird zum Prestige.

Foto-Serie mit 4 Bildern

Vor der Oldtimer-Garage "Meilenwerk" in Berlin parkt ein azurblauer Honda Civic. Die Chromzier angegraut, das Veloursgestühl gut eingesessen, ein H-Kennzeichen am eigenwillig-rundlichen Heck. Nicht jeder mag in diesem Alltagsgefährten aus den ausgehenden Siebzigern bereits einen Klassiker sehen. Und doch sieht genau so eine Zukunft des Oldtimermarktes aus. Ein banales Auto irgendwie, aber authentisch in allen Teilen.

Ist-Zustand wird konserviert

Und genau darum geht es: Um Autos, denen man das Alter ansieht. Um matte Stellen im verblichenen Lack, um erste Risse im vollnarbigen Leder, um Flugrost an den Chromstoßstangen. Denn längst konservieren Fahrer und Sammler klassischer Automobile bevorzugt dessen Ist-Zustand. Ein Trend, der als Begleiterscheinung des Oldtimerbooms der vergangenen Jahre entstanden ist: Alleine von 2007 bis 2011 stieg die Zahl der beim Kraftfahrt-Bundesamt gemeldeten Oldtimer – also der mindestens 30-jährigen

Fahrzeuge mit historischen H-Kennzeichen – von rund 160.000 auf mehr als 210.000 Autos. Eine mobile Nischenkultur ist im Alltagsverkehr angekommen. Und so bildet das kulturelle Phänomen Oldtimer selbst neue Subtrends und Phänomene aus.

Rekord für verblassten Mercedes

Bemerkenswert dabei: Die Lust am konservierten, aber eben nicht restaurierten Oldtimer hat nichts mit dem Budget zu tun. Als im Jahr 2010 ein Mercedes 300 SL Roadster, Baujahr 1962, beim kalifornischen Auktionshaus Gooding & Company für rekordverdächtige 951.500 Dollar unter den Hammer kam, lag der Grund hierfür gerade im patinös verblassten Erdbeerrot – und im absoluten Originalzustand.

Perfekt restaurierte Exemplare des legendären Sportwagens werden gegenwärtig mit "nur" 500.000, vielleicht 600.000 Dollar gehandelt. Passend dazu werden Oldtimer als Geldanlage immer beliebter. >>

Katie Hellwig von Gooding & Company bestätigt, dass gerade Sammler automobile Patina zunehmend als Prestige begreifen: "Der Grund hierfür liegt quasi in einem Naturgesetz des Handels mit Antiquitäten. Gut erhaltene, originale Fahrzeuge sind rar geworden. Gerade das garantiert Exklusivität, während sich eine aufwendige Restauration letztlich jeder leisten kann."

Autohersteller zeigen restaurierte Oldtimer vor

Jeder – das waren zuletzt vor allem die Hersteller selbst. Fast alle großen Marken haben inzwischen eigene Heritage-Abteilungen, in denen mit großem finanziellen, aber auch werbewirksamen Aufwand die eigene Firmengeschichte rekonstruiert wird. So wurden bei Audi beispielsweise die Auto-Union-Silberpfeile der 1930er-Jahre um die wenigen erhaltenen Originalteile herum modelliert. Dort eine alte Achse, hier ein historisches Blech. Nur: Wie klassisch kann man einen solchen Klassiker noch nennen? Oldtimer fahren längst durch das Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit.

Sehen aber diese Autos aus den Unternehmensarchiven zwangsläufig aus wie neu, steigert das im Umkehrschluss eben gerade die Lust auf Autos, die – kurz gesagt – wie alt aussehen. So wie der azurblaue Honda Civic in Berlin.

"Ein Sakrileg, all die Patina abzuschmirgeln"

Oder dieser Porsche 911: Viereinhalb Jahrzehnte im kalifornischen Bilderbuchsonnenschein haben an ihm ihre Zeichen gesetzt, bevor er, in Bremerhaven aus dem Überseecontainer gerollt, nach Berlin in die auf Porsche spezialisierte Werkstadt Lundtauto kam. Ausgeblichen ist das einmal so intensive Zitronengelb des klassischen 911ers vor allem auf dem Dach und der Motorhaube, was den Porsche, so sehen das immer mehr seiner Fans, noch ein wenig cooler macht. Noch vor zehn, wahrscheinlich auch vor fünf Jahren wäre der Sportwagen aus den späten Sechzigern, in seine einzelnen Karosserieteile zerlegt, direkt unter den Sandstrahler gekommen.

Der Anfang einer Komplettrestaurierung, an dessen Ende auch wieder der Originallack, Farbcode R1012, aufgetragen worden wäre. Eine Vorstellung, die Philipp Sonntag, dem künftigen Besitzer des ausgeblichenen 911ers, nicht behagt: "Es wäre ja ein Sakrileg, all die Patina und den Charakter abzuschmirgeln", sagt Sonntag. "Bei einer neuen Jeans sehnt man ja auch den Moment herbei, wenn sie endlich richtig eingetragen ist."

Oldtimer müssen eingetragen sein Sonntags Porsche ist sozusagen richtig schön eingetragen. Und diese Verfassung, Oldtimer-Gutachen Note 2 bis 3, erzählt eben auch viel über die Verfassung seines Besitzers. Er ist einer, der das neuste Statussymbol auf dem Oldtimermarkt kennt. Für Thomas Lundt, den Chef der Berliner Edel-Werkstatt, gehört deshalb der "Used-Look" längst zum Sortiment: "Unberührte Autos sind heute fast unbezahlbar – auch und gerade, wenn sie hier und da ein wenig von den Spuren eines Autolebens gezeichnet sind", sagt Lundt. Sein Porsche-Wissen hat sich der Berliner über die Jahrzehnte erarbeitet. Falls gewünscht – und das wurde es zuletzt immer öfter – konserviert Lundtauto auch den sonnengebleichten Lack eines charakterstarken 911ers, ohne ihm dabei jenes ausgewaschene Charisma der kalifornischen Sonnensommer zu nehmen. Oldtimer-Todsünden

Was aber geht gar nicht? "Tuning-Sünden und vor allem unprofessionelle Restaurierungen", weiß der Experte Lundt. Autos, die auf den ersten Blick glänzen und sich auf den zweiten als total verbastelt erweisen: "Da passt der Lack nicht zum Baujahr oder nicht einmal zum Modell."

Originalität ist also das Gebot der Stunde. Auch, weil Retro-Autos wie der Mini oder der Fiat 500 das Verhältnis von Tradition und Moderne gebeutelt haben. Und weil jeder zweite Turnschuh heute so aussieht, als käme er aus einer anderen Epoche herübergerannt. Es hat sich ein Misstrauen eingestellt gegenüber all diesen Dingen, die immer nur so tun als ob. Und die doch, genauer betrachtet, gar nicht von gestern sind.

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