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Netflix verprellt Kunden mit kräftiger Erhöhung der Preise

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Anleger enttäuscht  

Netflix-Preise verschrecken die Kunden

20.07.2016, 08:33 Uhr | dpa, t-online.de

Netflix verprellt Kunden mit kräftiger Erhöhung der Preise.  In Deutschland ist Netflix seit September 2014 verfügbar (Quelle: imago/Rüdiger Wölk)

In Deutschland ist Netflix seit September 2014 verfügbar (Quelle: Rüdiger Wölk/imago)

Die Online-Videothek Netflix hatte dem Video-Streaming weltweit einen kräftigen Schub verliehen. Doch nun hat Netflix das schwächste Kundenwachstum seit drei Jahren verzeichnet. Schuld daran ist unter anderem eine Preiserhöhung.

In den vergangenen drei Monaten kamen 1,7 Millionen Kunden hinzu, wie Netflix nach US-Börsenschluss am Montag mitteilte. Das Unternehmen selbst hatte einen Zuwachs von 2,5 Millionen in Aussicht gestellt.

Mehr Umsatz, weniger Kunden

Gründer und Chef Reed Hastings machte für das schwache Nutzerwachstum unter anderem eine Preiserhöhung für Bestandskunden mit alten Verträgen verantwortlich, die zu mehr Kündigungen geführt habe. Die Preiserhöhung fiel je nach Region unterschiedlich aus. In Deutschland wurde der Preis für das Standard-Abo im August 2015 um einen Euro von 8,99 auf 9,99 Euro erhöht. "Was auch immer etwas kostet, die Leute mögen nicht, wenn es teurer wird", sagte er in einer Videokonferenz mit Analysten. Netflix müsse da aber durch. Am Ende würden die höheren Preise mehr Umsatz bedeuten.

Im vergangenen Quartal sollten nach Erwartungen des Dienstes 500.000 Kunden in den USA hinzukommen und 2 Millionen im Rest der Welt. Im Heimatmarkt legte Netflix aber nur um 160.000 Nutzer zu und im internationalen Geschäft waren es gut 1,5 Millionen.

Netflix-Aktie fällt um 15 Prozent

Es sei typisch, dass sich beim Start in einem neuen Markt erst eine aufgestaute Nachfrage entlade und das Wachstum dann abbremse, sagte Hastings. "Wir wachsen, aber nicht so schnell, wie wir gerne würden oder es in der Vergangenheit geschafft haben", erklärte Netflix im Quartalsbrief an die Aktionäre. Die Netflix-Aktie fiel am Montag nachbörslich um rund 15 Prozent. Die Anleger waren auch vom Ausblick enttäuscht.

Netflix hat jetzt 83,2 Millionen Kunden weltweit, davon gut 47,1 Millionen im Heimatmarkt USA. Der Dienst war Anfang des Jahres in rund 130 weiteren Ländern gestartet und ist damit nun fast auf der ganzen Welt verfügbar, bis auf China und Länder wie Nordkorea. Die globale Reichweite weckt auch entsprechende Erwartungen an das Wachstum der Nutzerzahlen.

Netflix macht überall Gewinn

Den Umsatz konnte der Videodienst im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar (1,9 Mrd Euro) steigern. Beim Gewinn gab es ein Plus von 55 Prozent auf 40,75 Millionen Dollar.

Dabei spülte das US-Geschäft einen operativen Gewinn von 414 Millionen Dollar in die Netflix-Kassen und im Rest der Welt gab es rote Zahlen von 69 Millionen Dollar.

Zugleich sei Netflix außerhalb der USA in jedem Land profitabel, in dem man vor 2014 gestartet sei, und diese Märkte würden in diesem Jahr rund 500 Millionen Dollar zum Gewinn beitragen, hieß es. Es ist das erste Mal, dass Netflix Angaben zur Profitabilität in einzelnen Regionen macht. In Deutschland war Netflix im Herbst 2014 an den Start gegangen.

Hastings große Wette

Der Zufluss neuer Nutzer ist entscheidend, damit eine große Wette von Hastings aufgeht. Netflix steckt jedes Jahr mehrere Milliarden Dollar in Inhalte, darunter auch in Serien und Filme aus eigener Produktion. Das Geld muss aus den Abo-Gebühren der Mitglieder kommen.

Hastings zeigte sich zuversichtlich für die Zukunft: Er sehe nicht, warum in 10 bis 20 Jahren nicht jeder Haushalt in den USA Netflix-Kunde sein sollte. Internet-Fernsehen sei die Zukunft und Netflix im Wettbewerb gut positioniert. Ein starker international agierender Rivale ist Amazon. Der Online-Händler schließt einen Videostreaming-Angebot in seinen Abo-Dienst Prime ein.

Für das laufende Quartal rechnet Netflix mit einem Zuwachs von 300.000 Kunden in den USA und zwei Millionen in anderen Märkten. Zugleich räumte Hastings ein, dass die Olympischen Sommerspiele das Wachstum abbremsen könnten.

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