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Mythos Neugeborene: Haben Babys immer blaue Augen?

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Experten klären auf  

Neugeborene haben immer blaue Augen! Mythos oder Wahrheit?

11.04.2016, 10:08 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli

Mythos Neugeborene: Haben Babys immer blaue Augen?. Faszinierende blaue Augen - haben die wirklich alle Babys? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Faszinierende blaue Augen - haben die wirklich alle Babys? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Es ist einfach zu niedlich, wenn einen Säuglinge mit ihren blauen Kulleraugen anschauen. Doch ist dieses 'Babyblau' tatsächlich die obligatorische Farbe, wenn Kinder das Licht der Welt erblicken? Was ist dran an dieser weit verbreiteten Behauptung?

Die kleine Martha ist heute fünf Jahre alt. Sie hat eine rotbraune Lockenmähne und grünlich-bernsteinfarbene Augen, die sogar ein wenig gesprenkelt erscheinen. "Wie bei einer kleinen Katze", erzählt ihre Mama. "Doch diese seltene Schattierung hat man bei der Geburt noch nicht erahnen können. Da waren die Augen unserer Kleinen eher bläulich grau, ein bisschen wie Wasser. Erst mit der Zeit veränderten sich langsam die Farbnuancen."

Pigmente im Auge entwickeln sich im ersten Lebensjahr

Eine langsame Metamorphose der Augenfarbe wie bei Martha ist typisch bei Babys. "Das liegt daran", erklärt der Berliner Augenarzt Professor Klaus Rüther, "dass die genetisch angelegte Augenfarbe erst im Laufe der Zeit nachpigmentiert. Bei der Geburt sind die Pigmente der Iris einfach noch nicht vollständig vorhanden, müssen sich erst noch entwickeln."

Physiologisch gesehen sind blaue Augen also kein Zeichen für eine Mangelerscheinung. Das Auge bildet den Farbstoff Melanin während des ersten Lebensjahres nach und nach und lagert ihn in der Iris ein. Manchmal dauert der Vorgang auch länger. So verändert sich die Augenfarbe allmählich, bis die Schattierung erreicht ist, die ein ganzes Leben lang bleibt. Dieser Prozess hängt von der Menge des Pigments ab, die im genetischen Programm jedes Menschen festgelegt ist. Dadurch werden auch der Teint und die Haarfarbe bestimmt.

Niedrige Melanin-Konzentration bei blauen Augen

Trotz solcher Unterschiede lässt sich bei den meisten Babys bezüglich ihrer Pigmentierung eine allgemeine Faustregel anwenden: Je mehr Melanin durch die biologische Software schon von vorne herein vorhanden ist, desto brauner werden auch die Augen. So haben dunkelhäutige Kinder, etwa aus Südamerika, Afrika oder Teilen Asiens fast immer schon von Geburt an eine dunklere Iris, die sich im Laufe der Kindheit oft noch in ihrer Tönung intensiviert. Bei den meisten hellhäutigen Säuglingen, die von Natur aus eine geringere Pigmentkonzentration besitzen, ist hingegen Blau  die erste Augenfarbe.

Augen- und Hautfarbe bedingen sich nicht zwangsläufig

Wie bei jedem Prinzip gibt es aber auch hier Ausnahmen. So können beispielsweise auch Kinder aus Mitteleuropa oder Skandinavien mit blasserer Haut und helleren Haaren dunkle Augen haben - und das bereits von Geburt an. "Das ist sehr individuell und hängt immer von den Erbanlagen ab", betont der Experte. "Auf jeden Fall gibt es keine zwingende Eins-zu-eins-Verbindung zwischen der Hautfarbe und der Iris-Pigmentierung."

Ein guter'Beweis dafür ist der dreijährige Lucca, ein Kindergartenkumpel der fünfjährigen Martha. Der Kleine hat strohblondes Haar und braune Augen, die, wenn er zornig ist, sogar fast schwarz werden. "Als Lucca geboren wurde, war ich ganz überrascht, dass er gar keine blauen Augen hatte", erzählt die Mutter. "Die waren von Anfang an so wie jetzt. Da schlagen wohl unsere italienischen Vorfahren durch."

Die Augenfarbe ist eigentlich ein lichtphysikalisches Phänomen

Blaue Babyaugen haben nicht nur etwas mit der Melanin-Konzentration zu tun. Denn genau genommen sind Augen de facto gar nicht blau, grün oder braun. "Eigentlich handelt es sich um ein Lichtbrechungsphänomen auf der menschlichen Iris", erklärt der Facharzt. In diesem wenige Millimeter dicken Bereichs des Auges, der auch Regenbogenhaut genannt wird, regulieren die Pigmente den Einfall des Lichts und filtern das Streulicht. Weil das Auge aber einen hohen Anteil kurzwelligen Lichts reflektiert - ähnlich wie es am Himmel passiert - sieht es blau aus. Sind die Farbstoff-Einlagerungen schließlich zahlreicher und dichter, verliert sich die Farbe Blau und die Augen erscheinen grau, grün, oder in unterschiedlichen Braunschattierungen.

"Es gibt auch Kinder, die entwickeln gar keine Pigmente, so dass auch keine Farbstoffe in der Iris vorkommen" ergänzt Experte Rüther. "Dann sieht man noch nicht einmal mehr einen blassen Blauton, sondern es scheint das Rot des durchbluteten Augenhintergrunds durch. Diese Anomalie ist aber sehr selten und deutet auf einen Irisdefekt oder eine Krankheit wie etwa Albinismus hin."

Blauäugige Menschen werden immer seltener

Der Mythos, dass Neugeborene grundsätzlich blaue Augen haben sollen, interessiert nicht nur viele Eltern. Gerade im Internet spiegelt sich, wie viele Medien sich immer wieder mit dem Thema beschäftigen. Ein Grund dafür könnte sein, dass blaue Augen schon immer eine besondere Anziehungskraft ausüben und für viele ein Schönheitsideal sind. Diese Faszination der "schönen blauen Augen" wird noch verstärkt durch ihren Seltenheitswert. Gemessen an der Weltbevölkerung haben nämlich nur etwa zehn Prozent der Erdbewohner blaue Augen.

Die Minderheit der blauäugigen Menschen wird voraussichtlich noch weiter schrumpfen, prophezeien Wissenschaftler. Denn das genetische Merkmal einer blauen Iris beziehungsweise einer geringen Melanin-Ansammlung werde - so hat es jeder im Biologieunterricht gelernt - rezessiv vererbt, während das einer braunen Pigmentierung sich dominant verhalte. Damit ein Mensch blaue Augen hat, müssen also alle vorhandenen Gene "Blau" sein. Trägt nur ein Gen die Markierung "Braun", dann gewinnt dieses.

Hinzu käme, dass heute weitaus mehr Menschen einen Fortpflanzungspartner mit einer anderen ethnischen Herkunft wählten, als das noch vor hundert Jahren der Fall war, so die Experten. Der langsame Rückgang des Bevölkerungsanteils mit blauen Augen sei daher eine logische Konsequenz, denn rein blauäugige Paare werden immer seltener.

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