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Verstopfung bei Kindern oft nicht harmlos: Das sollten Sie wissen

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Verstopfung bei Kindern  

Wenn der Stuhlgang zur Qual wird

04.09.2016, 09:31 Uhr | Simone Blaß, dpa-tmn, t-online.de

Verstopfung bei Kindern oft nicht harmlos: Das sollten Sie wissen. Verstopfung bei Kindern: Hausmittel können helfen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Verstopfung ist nicht immer leicht zu erkennen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei Babys und Kleinkindern sind zwei, drei Tage ohne Stuhlgang noch kein Problem. Doch bei älteren Kindern kann Verstopfung zur Qual werden. Welche Ursachen eine Verstopfung haben kann und welche Hausmittel helfen.

Bei einem gestillten Baby ist es völlig normal, wenn es mehrmals am Tag die Windel voll hat. Genauso normal aber ist es auch, wenn bis zu zehn Tage lang die Windel leer bleibt. Verstopfung gibt es bei einem gestillten Baby kaum, da die Muttermilch eine Zusammensetzung hat, die für die Verdauung eines Säuglings optimal ist.

Verstopfung bei Kindern zu erkennen ist nicht immer einfach

Wenn einem Baby der Stuhlgang schwer fällt, dann gibt es einige Kriterien, die man zunächst einmal überprüfen sollte: Könnte es sein, dass das Wasser, mit dem die Milch angerührt wird, zu kalkhaltig ist? Trinkt das Baby nach der Beikosteinführung genug? Wurde es mit "stopfenden" Lebensmitteln, wie zum Beispiel Bananen, gefüttert? Gerade bei Säuglingen wechselt die Konsistenz des Windelinhaltes oft mehrmals täglich. Entsprechend schwierig ist es, eine Verstopfung überhaupt zu diagnostizieren.

Schreit ein Baby allerdings anhaltend und/oder nimmt es nicht ausreichend zu, sollte man schon einmal auch dieses Thema in Betracht ziehen. Aber auch bei größeren Kindern leidet nicht jeder, der nur selten Stuhlgang hat, gleich unter Verstopfung. Vier Tage oder mehr ohne Stuhlentleerung können allerdings, selbst wenn das Kind keine weiteren Beschwerden zeigt, schon als Grund angesehen werden, einmal den Kinderarzt aufzusuchen.

Die Umgebungsfaktoren müssen ebenfalls stimmen

Kinder, die gerade lernen sollen, die Toilette zu benutzen, sehen im Zurückhalten des Stuhlgangs oft auch ein kleines Machtmittel gegen die Eltern. Vor allem, wenn diese sich dadurch unter Druck setzen lassen. Strenge und Bestrafung sind hier aber wieder einmal fehl am Platz. Die Sache nicht so wichtig nehmen und die Sauberkeitserziehung für eine Weile nicht mehr zum Thema machen, kann da bereits Wunder wirken. Auch eine fremde Umgebung, eklige Kindergarten- beziehungsweise Schultoiletten oder Zeitdruck können sich negativ auf den Stuhlgang auswirken.

In erster Linie ist wichtig, dass sich das Kind wohlfühlt und keine weiteren Anzeichen zeigt. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Kind dann unter Verstopfung leidet, wenn es einen harten Stuhl hat, der ihm ganz offensichtlich Probleme bereitet. Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Einrisse der Analschleimhaut und Schmerzen beim Klogang sind ebenfalls deutliche Zeichen.

Spuren in der Unterhose

Auch Kotspuren in der Unterwäsche können bei einem Vor- oder Grundschulkind auf eine Verstopfung hinweisen. Eltern sollten mit ihrem Nachwuchs unbedingt bald zum Arzt gehen, wenn sie regelmäßig Spuren in der Unterwäsche finden, rät Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Köln. Das sei wichtig, um die akuten Beschwerden zu beenden und andere Ursachen auszuschließen. Außerdem lässt sich so verhindern, dass sich das Kind zurückzieht und psychische Probleme bekommt.

Betroffen sind Fegeler zufolge vor allem Jungen. Die als Enkopresis bezeichneten Beschwerden entstehen meist bei Vierjährigen, die schon in ihren ersten zwei Lebensjahren Verstopfungen hatten. Bei den betroffenen Kinder sammeln sich große Mengen Kot im Enddarm, dadurch haben sie große Schmerzen beim Toilettengang. Sie vermeiden ihn daher, was zu noch mehr Beschwerden führt. Da sich der After stark dehnt, verlieren die Kinder unbemerkt dauernd kleine Kotmengen.

Ausgangspunkt eines Teufelskreises 

Wenn es ganz schlimm kommt, dann passiert das so genannte "Stuhlschmieren". Dabei sitzt der harte Stuhl wie ein Pfropfen im Mastdarm fest, der Stuhl davor beginnt zu vergären und sich zu verflüssigen. Meist unbemerkt vom Kind läuft er dann an dem Hindernis vorbei in die Hose. Was den Kindern verständlicherweise sehr peinlich ist und im schlimmsten Fall, wenn die Ursache nicht behoben wird, auch zu psychischen Folgen führen kann. In Betracht ziehen sollte man aber auch, ob eventuell psychische Gründe die Ursache für die Verstopfung sein könnten.

Außerdem haben die Kinder wegen des harten Stuhl Bauchschmerzen, sie sind körperlich kaum aktiv und essen wenig. Gelingt es ihnen irgendwann unter Schmerzen eine große Menge Stuhl loszuwerden, fühlen sie sich nur vorübergehend besser.

Einnässen als Folge von Verstopfung

Manche kleinen Patienten nässen nachts auch ein, weil sich ihre Blase aufgrund des großen Stuhlvolumens wenig ausdehnen und wenig Flüssigkeit aufnehmen kann. Andere Kinder in Schule oder Kita gehen ihnen aus dem Weg, weil die Betroffenen schlecht riechen.

Verstopfung bei Kindern ist keine Lappalie

Auch wenn Verstopfung meist harmlos ist, auf die leichte Schulter nehmen sollte man sie nie. Vor allem wenn weitere Warnzeichen wie Krämpfe, Völlegefühl, ein aufgetriebener Bauch, Entzündungen in der Analregion, Schleim- beziehungsweise Blutabgang, Müdigkeit oder Erbrechen hinzukommen, sollte man auf jeden Fall so bald wie möglich einen Kinderarzt aufsuchen. Denn hinter den Beschwerden kann zum Beispiel auch eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Kuhmilchunverträglichkeit, eine Blinddarmentzündung oder gar ein Darmverschluss stecken.

Im Falle des Stuhlschmierens wird in der Regel ein auf kindliche Magen-Darm-Erkrankungen spezialisierter Gastroenterologe hinzugezogen, der zum Beispiel in der Lage ist, Störungen wie einen Morbus Hirschsprung auszuschließen. Bei dieser angeborenen Erkrankung fehlen bestimmte Schaltzellen in der Darmwand, so dass der betroffene Darmabschnitt krampfartig verengt ist. Eine Operation kann hier helfen.

Manchmal können Hausmittel Abhilfe schaffen

In der Regel aber handelt es sich um eine so genannte "Gewohnheitsverstopfung", also eine chronische Erkrankung, deren Behandlung etwas langwieriger ist. Mit etwas Glück hat man mit einfachen Mitteln wie einer Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und einer erhöhten Flüssigkeitszufuhr Erfolg.

Bei einer schlimmen Obstipation, so das medizinische Fachwort für die Verstopfung, reicht das allerdings nicht aus. Langfristig aber spielt auch hier eine Umstellung des Speiseplans schon eine große Rolle. Bei schwereren Verläufen und wenn die Hausmittel nicht mehr greifen, sind stuhlregulierende Medikamente und eventuell auch Abführmittel, Klistiere, also Einläufe oder sogar Darmspülungen notwendig. Diese Maßnahmen müssen aber immer mit dem Kinderarzt abgesprochen werden.

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen der Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Krankheiten auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch die Information, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen bietet ergänzend unser Impfkalender
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Kinderkrankheitenlexikon liefern Anhaltspunkte, können aber keinesfalls die Diagnose eines Kinderarztes ersetzen. Sicherheitshalber sollten Eltern auffällige Symptome bei ihrem Kind vom Arzt abklären lassen.

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