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Neurodermitis: Ursachen und Hilfe gegen die Hautkrankheit

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Mindestens jedes zehnte Kind betroffen  

So entsteht Neurodermitis - und diese Maßnahmen helfen

31.08.2016, 14:41 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Neurodermitis: Ursachen und Hilfe gegen die Hautkrankheit. Neurodermitis zeigt sich meist durch trockene, schuppige, juckende Ausschläge - wie auf diesem Kinderarm. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Neurodermitis zeigt sich meist durch trockene, schuppige, juckende Ausschläge - wie auf diesem Kinderarm. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zwischen zehn und 20 Prozent aller Kinder in Deutschland leiden unter Neurodermitis. Die Krankheit ist schwer einzuschätzen. Doch es scheint, als würden Bakterien eine größere Rolle spielen als bisher angenommen.

Neurodermitis äußert sich durch schubweise auftretende Hautentzündungen, die von einem quälenden Juckreiz begleitet werden. Die Behandlung ist langwierig und weist oft Rückfälle auf. Die Ursachen der Neurodermitis sind nicht eindeutig geklärt. Sicher ist aber inzwischen, dass die Gene eine wichtige Rolle spielen.

Neurodermitis braucht einen Auslöser

Wenn ein Elternteil unter Neurodermitis, Heuschnupfen oder allergischem Asthma leidet, dann liegt die Wahrscheinlichkeit bei 50 Prozent, dass die Veranlagung vererbt wird. Sind beide Eltern betroffen, so steigt die Wahrscheinlichkeit sogar auf 75 Prozent. Zwangsläufig ist eine Erkrankung trotzdem nicht.

Was kann die Krankheit auslösen? "Das können Impfungen sein, aber auch ein ganz banaler Virusinfekt oder psychische Einflüsse", sagt der Heilpraktiker Wolfgang Spiller aus Villingen-Schwenningen.

Hunde sind erlaubt, Katzen nicht

Weitere mögliche Faktoren, die das Auftreten einer Neurodermitis begünstigen, sind ein früher und intensiver Kontakt mit Allergenen, Umweltverschmutzung und die fehlende Auseinandersetzung mit Infektionserregern. Der Allergologe Karl Gall gibt zu bedenken: "Bei Risikokindern sollte keine Katze angeschafft werden, wohingegen das Halten von Hunden nicht mit einem erhöhten Allergierisiko verbunden ist. Hausstaubmilben zu bekämpfen, wird aber nicht mehr empfohlen.“

Sicher ist hingegen die Schädlichkeit von Tabakrauch, den bereits Schwangere meiden sollten. "Zusätzlich hat es Sinn, andere Luftschadstoffe und schimmelpilzbelastete Räume zu meiden", sagt Gall.

Säuglinge sind außergewöhnlich häufig betroffen

Neurodermitis kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten tritt sie aber bei Säuglingen in Erscheinung - Tendenz steigend. "Gewöhnlich um den dritten Lebensmonat herum treten meist an den Wangen, an den Ohren und am Kopf Ekzeme auf, die sehr stark jucken. Auch der Milchschorf ist eine Form von Neurodermitis. Das ist ein Ekzem, das eine Ähnlichkeit mit verbrannter Milch hat", so Gall.

Die Hautveränderungen sind sehr unterschiedlich: meist rot und leicht schuppig, stark juckend, anfangs trocken und später oft nässend. Im Kleinkindalter sind überwiegend das Gesicht, der Hals sowie Ellbogen und Kniebereich mit Ekzemen bedeckt. Es kann aber auch den ganzen Körper treffen. Auch wenn der Rumpf befallen ist, bleibt die Windelzone in der Regel ausgespart, was wohl vor allem an der Feuchtigkeit liegt, die sich in diesem abgeschlossenen Areal bildet.

Neurodermitis verschwindet meist in der Pubertät

Die Diagnose Neurodermitis ist kein endgültiges Urteil. Die Mehrzahl der Betroffenen hat nur mit relativ leichten Verläufen zu kämpfen, die oft erst nach dem sechsten Lebensmonat beginnen und schon bald wieder weg sind.

"Bei etwa zwei Drittel der Kinder bilden sich die Beschwerden bis zum sechsten Lebensjahr zurück", bestätigt der Hautarzt. Bis zum Beginn der Pubertät ist Neurodermitis bei 80 bis 90 Prozent der Kinder zum Abklingen gekommen. "Die Erkrankung hält nur selten lebenslang. Die Hauterscheinungen verschwinden meist spätestens bis zum 30. Lebensjahr, es bleibt lediglich eine gewisse Hautempfindlichkeit, Hauttrockenheit zurück. Bei etwa 15 bis 30 Prozent der Patienten treten im Verlauf zusätzliche Inhalationsallergien wie Heuschnupfen oder allergisches Asthma auf."

Vorsicht vor Spezialdiäten

Neurodermitis ist weder gefährlich noch ansteckend, aber körperlich und seelisch für die Kinder und ihre Familienangehörigen sehr belastend. Häufig schlafen die Kinder aufgrund des Juckreizes schlechter und sind auch am Tag unruhiger. Besonders anstrengend sind die Blicke und Kommentare anderer. Die Eltern müssen lernen, die vielen gut gemeinten Ratschläge in die richtigen Bahnen zu lenken und die Kinder müssen mit Hänseleien kämpfen.

Allein die Suche nach dem richtigen Arzt und der richtigen Heilmethode kostet Kraft und Zeit. Mit alternativen Verfahren kann man den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, viele Eltern haben gerade auf dem homöopathischen Gebiet gute Erfahrungen gemacht.

Was ihrem Kind hilft und was nicht, müssen Eltern vorsichtig ausprobieren. Manche Angebote kosten lediglich viel Geld, Zeit und Energie und können schlimmstenfalls dem Kind schaden. Ärzte warnen zum Beispiel davor, bestimmte Neurodermitis-Diäten auf eigene Faust durchzuführen, da sie Mangelerscheinungen zur Folge haben können.

Muttermilch zur Vorbeugung

Experten sind sich einig, dass Muttermilch das Baby schützt. Dermatologe Gall sagt: "Familiär belastete Säuglinge sollten mindestens vier Monate voll gestillt werden beziehungsweise mit hypoallergener Säuglingsnahrung ernährt werden."

Die Empfehlung, die noch vor wenigen Jahren gegeben wurde, bei der Beikosteinführung vorsichtig zu sein und ein Lebensmittel nach dem anderen zuzufüttern, ist aktuell nicht mehr gültig. Stattdessen sollten Eltern mehr darauf achten, was das Kind selbst verlangt und ihm eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung anbieten.

Dorit-Gisela Schmücker, Vorsitzende des Bundesverbandes Neurodermitis, weist im Gespräch mit t-online.de darauf hin, dass es der falsche Weg wäre, einfach Lebensmittel wegzulassen. "Kinder haben einen gesunden Verstand. Wenn ein Kind etwas ablehnt, dann sollte man darauf hören." Das kann bereits Säuglinge betreffen. Zum Beispiel dann, wenn sie Kuhmilch oder Produkte, die darauf basieren, ablehnen. "In solchen Fällen kann man etwa auf Ziegenmilch ausweichen."

Wenn es fürchterlich juckt

Jeder Neurodermitispatient benötigt eine individuelle Betreuung. Was dem einen hilft, kann beim anderen das Hautbild verschlechtern. Der Juckreiz ist ein häufiges Symptom der Krankheit, vor allem während eines Schubs, der unter anderem durch Infekte, Klimawechsel und vor allem auch Stress ausgelöst werden kann.

Wenn es juckt, dann wird gekratzt - Eltern können das kaum verhindern. Doch das Kratzen schädigt die Hautoberfläche, so dass Bakterien eindringen und Infektionen auslösen können. Um den Juckreiz nicht noch zu verstärken, sollten die Kinder lockere Baumwollkleidung tragen, die vor dem ersten Anziehen mehrmals gewaschen und gut gespült wird. Kaufen Eltern gebrauchte Kleidung, können sie sicher sein, dass mögliche Reizstoffe längst herausgewaschen sind.

Auch das nächtliche Tragen von dünnen Baumwollfäustlingen und das Kurzhalten der Fingernägel hilft, die eine oder andere Infektion zu vermeiden. Neurodermitis-Schlafanzüge sind Einteiler mit fest angenähten Füßlingen und Handschuhen, die das Kind nicht abstreifen kann.

Viel hilft nicht viel

"Die Behandlung ist vielschichtig und wird durch das klinische Bild bestimmt. In erster Linie kommen verschiedene Lokaltherapien zum Einsatz. Die Pflege der Haut des Kindes mit rückfettenden, hautstabilisierenden Salben und Bädern stellt die wichtigste Maßnahme dar", erklärt Gall.

Auch Spiller hat die Erfahrung gemacht, dass akute Zustände, vor allem, wenn Entzündungen vorliegen, von außen behandelt werden müssen. "Man sollte aber nicht den Fehler machen, bereits bei kleinen Kindern dauernd zu schmieren, also Fette von außen zuzuführen, denn dadurch wird die sowieso schon schlechte Fettproduktion noch schlechter", sagt der Heilpraktiker.

Behandlung muss auf den Einzelnen zugeschnitten werden

Neurodermitis ist eine endogene Erkrankung, das heißt, sie kommt von innen und kann von außen zwar eingedämmt, aber nicht beseitigt werden. Auch ist Neurodermitis keine psychische Erkrankung. Die Psyche kann aber eine Rolle spielen, denn sie ist eng mit dem Immunsystem verbunden.

Experten sehen eine gestörte Darmflora als eine der wesentlichen Ursachen für die Hauterkrankung. "Befürchtet eine Schwangere aufgrund der genetischen Disposition, dass ihr Kind Neurodermitis bekommen könnte, so ist eine natürliche Geburt eine gute Startmöglichkeit. Denn auf dem Weg durch den Geburtskanal bekommt das Baby eine erste Immunisierung vor allem durch Laktobazillen", so Schmücker. Laktobazillen sind Bestandteil einer gesunden Darmflora. "Eine Wunderwaffe ist das natürlich nicht, aber eine gute Startmöglichkeit, die keine Gefahr für die Schwangere oder das Neugeborene birgt."

Fehlen Kaiserschnittkindern gewisse Bakterienstämme?

Auch Spiller hat beobachtet, dass gerade bei Kaiserschnittkindern der Bakterienhaushalt aus dem Gleichgewicht ist. "Wenn ein Kind von Neurodermitis betroffen ist, dann untersuchen wir erst einmal die Darmflora und sanieren hier mithilfe von menschlichen Keimen, die aus Säuglingsstuhl entnommen wurden."

Zusätzlich streicht der Heilpraktiker in der Akutphase tierisches Eiweiß aus der Ernährung. Er gibt Präparate, die das Immunsystem stärken und arbeitet zusätzlich mit speziellen Globuli. Mit dieser ganzheitlichen Behandlung gelingt es Spiller nach eigenen Aussagen, Kinder mit starker Neurodermitis innerhalb von drei bis sechs Monaten symptomfrei zu bekommen.

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen der Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Krankheiten auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch die Information, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen bietet ergänzend unser Impfkalender
Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Kinderkrankheitenlexikon liefern Anhaltspunkte, können aber keinesfalls die Diagnose eines Kinderarztes ersetzen. Sicherheitshalber sollten Eltern auffällige Symptome bei ihrem Kind vom Arzt abklären lassen.

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