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Darmverschlingungen bei Kindern: Schnell handeln

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Verdreht und eingestülpt  

Darmverschlingungen bei Kindern müssen schnell behandelt werden

09.01.2016, 15:10 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli

Darmverschlingungen bei Kindern: Schnell handeln. Intervallartig auftretende Schmerzen sind typisch bei Darmverschlingungen.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Intervallartig auftretende Schmerzen sind typisch bei Darmverschlingungen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wenn Kinder Bauchweh haben, sind viele Eltern verunsichert. Hat der Nachwuchs nur harmlose Blähungen? Oder handelt es sich um eine ernste Komplikation wie beispielsweise eine Darmverschlingung, die einer schnellen Behandlung bedarf? Ein Arzt erläutert, wie man die gefährliche Störung erkennt und wie sie behandelt wird.

Mediziner bezeichnen Darmverschlingungen auch als Volvolus. Dieses Phänomen, bei dem krankhaft veränderte Darmabschnitte verknotet, um ihre Achse gedreht oder in sich verschlungen sind, kann bei Kindern jeden Alters vorkommen. Oft sind solche Anomalien die Folge von anderen Vorerkrankungen am Darm, wie beispielsweise Vernarbungen nach einem Eingriff.

"Das Gefährliche an dieser Komplikation ist, dass dadurch häufig die Durchblutung gestört wird und sie im schlimmsten Fall zum Darmverschluss, dem sogenannten Ileus führen kann", erklärt Hermann Josef Kahl. Er ist Kinder- und Jugendmediziner und Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte.

Darmverschlingungen können lebensbedrohlich sein

Eine Darmverschlingung kann bei Kindern auch in Form einer Einstülpung, der sogenannten Invagination auftreten. Hier stülpt sich meist das Ende des Dünndarms in den Dickdarm- ähnlich wie bei einem Teleskop. "An den Umschlagstellen dieser ineinander geschobenen Partien werden die Blutgefäße dann abgeknickt beziehungsweise verengt und es kommt zu einer mangelhaften Blutzirkulation", so der Experte.

"Eine halbe bis eine Stunde mit minderer Durchblutung lässt das Gewebe absterben. Das kann einen lebensbedrohlichen Zustand auslösen. Zudem besteht auch hier das Risiko eines Darmverschlusses."

Es trifft meist Kleinkinder unter zwei Jahren

Die Ursachen solcher Darmverformungen sind bislang wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise hingen sie aber mit einer gewissen Unreife des Verdauungsapparates zusammen, vermutet Kahl. Denn solche Probleme tauchten in zwei Drittel aller Fälle bei unter Zweijährigen auf. "Insgesamt leiden etwa 0,2 Prozent aller lebend geborenen Babys unter Darmeinstülpungen. Dieses Krankheitsbild ist zwar verbreiteter als der Volvolus, kommt aber dennoch nicht sehr oft vor."

Die Schmerzen kommen in Intervallen

Für die jungen Patienten sind Darmverschlingungen zumeist sehr schmerzhaft. Für Eltern ist es nicht leicht zu erkennen, was ihrem Nachwuchs fehlt. Charakteristische Verhaltensweisen des Kindes könnten aber in vielen Fällen helfen, bei Auftreten von heftigem Bauchweh richtig zu reagieren, erklärt der Mediziner. 

Typisch seien dabei nicht nur heftiges Weinen, sondern auch intervallartige Schmerzattacken und die auffällige Blässe vieler Betroffener. Hinzu käme nicht selten sehr weicher oder blutiger Stuhlgang, sagt Kahl. "Das eigentlich Trügerische ist hier aber, dass Eltern häufig die längeren Pausen zwischen den ermüdenden Schreikrämpfen als Erholungsphase ihres Nachwuchses deuten und sich deshalb auf Entspannung der Situation einstellen. Doch das Gegenteil ist eigentlich der Fall."

Bei Verdacht auf Darmverschlingung schnell ins Krankenhaus

Besteht bei einem Kind Verdacht auf Darmverschlingung, darf keine Zeit verloren werden, so Kahl. Fachärzte im Krankenhaus könnten sofort eine gründliche Diagnostik mit anschließender Therapie in Angriff nehmen. "Manchmal lässt sich das Problem bereits manuell erfühlen. Dann kann der Arzt unter Umständen am Bauch des kleinen Patienten eine Verhärtung an der jeweiligen Stelle ertasten. Dazu gehört jedoch nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch eine Menge Erfahrung."

Mit Luft bringen Ärzte den Darm wieder in Form

Gut nachweisen lassen sich Darmverschlingungen mittels bildgebender Techniken wie etwa Röntgen und Ultraschall. Diese Methoden kommen aber auch bei der Therapie häufig zum Einsatz. So wird etwa unter Röntgenüberwachung Kochsalzlösung in den Darm eingeführt mit dem Ziel, dass sich insbesondere bei Einstülpungen die betroffenen Zonen wieder in die gesunde Position zurückbewegen.

"Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist, dass man mit der bildlichen Kontrolle durch Ultraschall beziehungsweise Röntgen eine Lufteinblasung im Darm vornimmt. So pustet der Arzt die engen, überlagerten oder ineinander gesackten Stellen auf zieht sie dadurch auseinander."

Diese gesteuerte Lufteingabe erlaube allerdings lediglich zwei oder drei Versuche, da sonst die Gefahr bestehe, dass der Darm an den betroffenen Punkten zu sehr strapaziert und irreversibel geschädigt werde, sagt Kahl. "Danach kann eigentlich nur noch operiert werden. Das wird heute aber meist mit minimalinvasiver OP-Technik gemacht. Dabei wird durch direkte Einwirkung versucht, die teleskopartigen Faltungen wieder zu lockern und zu weiten."

Angespannte Bauchmuskeln lösen Problem manchmal von selbst

Präventiv kann man Darmverschlingungen und -einstülpungen bei Kindern leider nicht gezielt entgegenwirken. Es bleibt nur, bei solchen gefährlichen Komplikationen möglichst angemessen zu reagieren: Eltern sollten bei undefinierbaren, in Intervallen auftretenden Bauchschmerzen ihres Kindes lieber früher als später medizinische Hilfe suchen.

Nicht immer ist allerdings ärztliches Know-how nötig. "Manchmal löst sich das Problem auch von selbst, wenn etwa das Weinen des kleinen Patienten so kräftig ist, dass die Bewegungen seiner angespannten Bauchmuskulatur dazu beitragen, die Verschlingungen wieder zu ordnen," sagt Kahl. "Die Hoffnung auf eine solche Selbstheilung darf aber nie den Arztbesuch ersetzen!" 

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