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Kleinkinder wollen immer Erster sein

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Warum Kleinkinder immer Erster sein wollen

29.05.2013, 12:27 Uhr | tze, t-online.de

Kleinkinder wollen immer Erster sein. Ich bin Erster! Das Streben nach Erfolg ist angeboren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ich bin Erster! Das Streben nach Erfolg ist angeboren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Warum wollen schon Kleinkinder immer der Erste, Schnellste oder Beste sein, als ginge es um Olympia-Medaillen? Wie sollen Eltern reagieren? Wir haben eine Psychologin gefragt.

Wenn Kinder in jeder Situation wetteifern

Der Antrieb, Erster sein zu wollen, zeigt sich bei Kleinkindern in jeder Situation, in der man gewinnen oder verlieren kann. Wer baut den höchsten Turm? Wer kann am längsten die Luft anhalten? Wer ist am schnellsten? Aber manchmal geht es auch darum, wer als Erster ein neues Spielzeug ausprobieren darf oder als Erster sein Marmeladenbrot geschmiert bekommt.

Angeborene Leistungsmotivation

"In der Psychologie sprechen wir bei diesem kindlichen Ehrgeiz von der Entwicklung der Leistungsmotivation," erklärt Diplom-Psychologin und Diplom-Pädagogin Annette Böttcher aus Wiesbaden. Dabei geht es den Kindern vor allem um die Leistung an sich, weniger um Anerkennung. Manche Kinder stellen dabei so hohe Ansprüche an sich selbst, dass ihnen nichts gut genug ist. Andere hängen die Messlatte niedriger und sind damit zufrieden. Das Streben nach Erfolg, verbunden mit dem Gefühl von Stolz und Freude, und das Meiden von Misserfolg, also negativen Gefühlen wie Scham und Frust, sei Menschen angeboren.

Verbissener Siegeswillen der Kinder ist für Eltern anstrengend

In der Regel geht es mit dem Wetteifern ab drei Jahren los, ohne dass Eltern Leistungsdruck ausüben. In einem Erziehungsforum schildert ein Vater, wie der kleine Sohn es nicht mehr erträgt, zu verlieren: "Es hat kurz vor dem vierten Geburtstag angefangen. Vorher konnten wir prima Spiele spielen. Ich glaube, da hatte er noch nicht verstanden, dass es um das Gewinnen geht. Selbst bei Spielen wo alle Spieler gegen einen gemeinsamen Gegner antreten, hat er sich total aufgeregt, wenn dieser gewonnen hat." Mit etwa sechs Jahren erreiche das Leistungsmotiv einen Höhepunkt und sei mit zwölf, dreizehn Jahren voll ausgebildet, sagt die Psychologin.

Wichtiger Schritt auf dem Weg zur Selbständigkeit

Natürlich hat diese frühkindliche "Höher-Schneller-Weiter"-Mentalität ihren entwicklungsbiologischen Sinn: "Das Kind will sich und der Umwelt beweisen, wie gut es ist und was es kann. Kleinkinder wollen sehr schnell vieles alleine machen und quengeln herum, wenn man sie nicht lässt", weiß Böttcher. "Vorläufer der Leistungsmotivation ist das Streben nach Selbstständigkeit. Je selbstständiger ein Kind erzogen wird, umso ehrgeiziger wird es auch sein."

Gibt es bei Kindern Sieger- und Verlierertypen?

Auch wenn das Streben nach Erfolg angeboren ist, kann man unterschiedlich starke Ausprägungen beobachten. Es gibt Kinder, die Eltern und Gleichaltrige regelrecht mit ihrer Prahlerei nerven, andere brechen in Tränen aus oder bekommen Wutanfälle, wenn sie nicht gewonnen haben haben. Im Gegensatz dazu geben manche vorschnell auf. Ist das Leistungsmotiv also auch Typsache? Vielmehr komme es darauf an, ob bei einem Kind die Hoffnung auf Erfolg oder die Angst vor einem Misserfolg stärker ausgeprägt sei, erläutert Böttcher. Die einen werden alle schwierigen Aufgaben in Angriff nehmen, die anderen leistungsbezogene Aufgaben eher meiden.

Kindlichen Ehrgeiz bestärken, dämpfen oder ignorieren?

Das Thema "mein Kind will immer Erster sein" wird in Internetforen für Eltern rege diskutiert. Die einen sind stolz auf ihren ehrgeiziges Sprössling, die anderen empfinden es als extrem anstrengend, dass ihr Kind immer und überall Erster sein will. Vor allem unter Geschwistern sind Streit und Tränen dann an der Tagesordnung. Viele sind ratlos, wie sich sich verhalten sollen - und vor allem, wie Kinder Verlieren lernen.

Wie Eltern zurückhaltende Kinder motivieren

Schon ab drei Jahren zeichne sich ab, ob ein Kind ziel- und leistungsorientiert ist oder nicht, erklärt die Psychologin. Wenn ein Kind gar keinen Ehrgeiz zeige, könnten Eltern es im gemeinsamen Spiel motivieren, zu zeigen was es kann. Wichtig ist laut Böttcher, dabei die Anstrengung betonen und weniger die Begabung. Zum Beispiel mit einem Satz wie "Schau mal, wenn Du Dich noch ein bisschen anstrengst, schaffst Du es, den Turm noch ein Stückchen höher zu bauen!"

Zu großer Ehrgeiz überfordert Kinder

Die Psychologin rät Eltern, übertriebenen Ehrgeiz nicht zu bestärken, aber auch nicht zu ignorieren. "Wenn ein Kind zu ehrgeizig ist, überfordert es sich auch selber, weil es nicht zurückstecken kann. Das geht zu Lasten der psychischen Gesundheit und Stabilität. Kinder müssen lernen, mit Niederlagen souverän umzugehen. Das heißt, eine Niederlage sollte Kinder stets anspornen, es erneut zu probieren."

Gute Freunde haben ist wichtiger, als Sieger zu sein

Eltern sollten ebenfalls vorsichtig eingreifen, wenn sie merken, dass Freundschaften darunter leiden, dass ihr Kind stets die anderen übertrumpfen will oder sogar kleine Machspiele beginnt. "Eltern sollten ihrem Kind klar machen, dass ein Zurückstecken keine Niederlage ist und dass die Gemeinsamkeit mit anderen sehr wichtig ist. Ich denke, dass Kinder das verstehen, wenn Eltern sie immer wieder darauf aufmerksam machen", meint Böttcher.


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