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Wochenbettdepression: Wenn der Babyblues nicht aufhört

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Wochenbettdepression  

Wenn der Baby-Blues nicht aufhört

07.10.2015, 11:30 Uhr | t-online.de, dpa

Wochenbettdepression: Wenn der Babyblues nicht aufhört. Eine Wochenbettdepression lässt sich gut behandeln - wenn sie erkannt wird. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine Wochenbettdepression lässt sich gut behandeln - wenn sie erkannt wird. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nach überstandener Schwangerschaft und Entbindung rinnen oft Tränen, die Hormon-Achterbahn ist auf Abwärtsfahrt. Das ist der ganz normale Babyblues. Doch bei einigen Frauen entwickelt sich daraus eine Wochenbettdepression (postpartale Depression) mit Folgen für die Gesundheit von Mutter und Kind.

"Ein Babyblues ist ganz häufig, 50 bis 60 Prozent der Frauen leiden daran", sagt Silvia Oddo-Sommerfeld, Leitende Psychologin in der Abteilung für Geburtshilfe der Uniklinik Frankfurt. Die auch "Heultage" genannte Verstimmung trete in der Regel in der ersten Woche nach der Geburt auf, oft noch im Krankenhaus, sei hormonell begründet und müsse in der Regel nicht behandelt werden. An Depressionen nach der Geburt litten etwa zehn bis 15 Prozent der Mütter.

"Wochenbettdepression-Hotline"

Wochenbettdepressionen werden nach Einschätzung von Fachleuten noch immer unterschätzt. Oddo-Sommerfeld hat eine telefonische "Wochenbettdepression-Hotline" ins Leben gerufen. Die Erkrankung werde auch längst nicht immer richtig diagnostiziert, sagt die Leiterin der Techniker Krankenkasse in Hessen, Barbara Voß.

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Viele Mütter schweigen aus Scham

"Die Ausbildung und das Wissen um diese Symptomatik und diese Erkrankung sind nicht so gut, wie es sein sollte", ergänzt der Direktor der Klinik für Psychiatrie der Frankfurter Uni, Andreas Reif. Aus enormen Scham- und Schuldgefühlen teilten allerdings auch viele Frauen ihre Depression nicht mit. "Sie schreiben sich häufig selber zu, sie hätten versagt und seien keine gute Mutter", so Reif. Dabei könne niemand etwas für die gut behandelbare Erkrankung.

Ursachen für Wochenbettdepressionen

Meist spielen mehrere Faktoren zusammen: die massive hormonelle Umstellung, ein starkes Geburtserlebnis, finanzielle Schwierigkeiten, Beziehungsprobleme, eigene psychische Erkrankungen oder Angehöriger. Über- und untergewichtige Frauen sind von Wochenbettdepression häufiger betroffen als normalgewichtige. Auch bei dieser Krankheit gilt: Je früher sie erkannt und professionell psychotherapeutisch behandelt wird, desto höher sind die Heilungschancen und die Entwicklungsmöglichkeiten für das Kind.

Symptome der Erkrankung

Typisch für eine Wochenbettdepression sind anhaltende Traurigkeit, häufiges Weinen, innere Leere, Erschöpfung, Energielosigkeit, große Reizbarkeit, Nervosität, Panikattacken, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Herzbeschwerden, zwiespältige Gedanken gegenüber dem Kind, Schuldgefühle, Verlust des Lebenswillens.

Familienrisiko Depression

Ein höheres Risiko zu erkranken haben nach Einschätzung der Fachleute Frauen, die schon einmal unter Stimmungserkrankungen gelitten haben oder in der Schwangerschaft ängstlich und depressiv waren. Auch Depressionen in der Familie können ein Faktor sein. "Es ist gar nicht mal so selten, dass sich eine psychische Erkrankung das erste Mal im Wochenbett demaskiert", sagt Reif.

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Perfektes Umfeld schützt nicht

Der soziale Rückhalt der Mutter spielt nach Einschätzung von Oddo-Sommerfeld ebenfalls eine Rolle. "Vor allem, wenn der Partner die Frau nicht unterstützt, ist das Risiko etwas höher." Reif betont dagegen: "Klassische postpartale Depressionen finden sich auch bei Frauen, die in einem perfekten Umfeld leben, wo der Partner voll dahinter steht, sich alle freuen und die Geburt glatt ging."

Diese Frauen sind besonders gefährdet

Neuere Studien zeigen Oddo-Sommerfeld zufolge, dass bestimmte Persönlichkeitsfacetten der Mutter ein Risikofaktor sein können: "In der Regel sind das sehr autonome, gewissenhafte und perfektionistische Frauen", berichtet die Psychotherapeutin. "Es fällt ihnen häufig schwer, mit einem Kind nicht mehr alles selbstbestimmt kontrollieren zu können." Oddo-Sommerfeld, die seit zehn Jahren mit betroffenen Müttern arbeitet, hat zudem die Erfahrung gemacht, dass es eher Frauen aus höheren Bildungsschichten trifft. Sie fordert betroffene Frauen auf, rasch Hilfe zu suchen.

Wochenbettdepressionen behandeln

Nicht selten treten die Wochenbettdepressionen beim zweiten Kind wieder auf, wie Reif sagt. Bei der Therapie werde Psychopharmakologie mit Psychotherapie kombiniert, erklärt der Psychiater. In schweren Fällen gehe es auch darum, wieder den Bezug zum Kind herzustellen. Psychotherapie funktioniere sehr gut, wenn sie in den ersten zwei bis drei Monaten nach der Geburt beginne, sagt Oddo-Sommerfeld. Sie warnt: "Wenn man die Depression nicht rechtzeitig behandelt, hat das massive Auswirkungen auf das Kind, die ganze Familie und die Partnerschaft."

So wirken sich postpartale Depressionen auf Kinder aus

"Langzeitstudien zeigen, dass die betroffenen Kinder weniger aktiv sind und weniger Sozialkompetenz und schulischen Erfolg haben als Kinder nicht-depressiver Mütter. Dafür sind sie häufiger verhaltensauffällig. Auch kognitiv und sprachlich schneiden sie schlechter ab. Negative Folgen sind bis ins Erwachsenenalter nachzuweisen, zum Beispiel in einem dreifach erhöhten Risiko für Angststörungen, Depressionen und Substanzmissbrauch", erläutert Schide Nedjat, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in Münster.

Stillen schützt Babys

Schon bei Neugeborenen lassen sich Auffälligkeiten feststellen, beispielsweise ein erhöhter Wert des Stresshormons Cortisol. Babys depressiver Mütter zeigen im Elektroenzephalogramm (EEG) ähnliche Muster wie chronisch depressive Erwachsene. Still-Babys scheinen vor den Folgen der mütterlichen Depression geschützt zu sein, ihr EEG ist nicht auffällig. Nedjat führt dies auf die engere Bindung zurück: "Stillende Mütter berühren und streicheln ihre Kinder häufiger und nehmen mehr Blickkontakt zu ihnen auf, als depressive, nicht-stillende Mütter."

"Ihr seid nicht alleine oder verrückt, Ladies"

Um den Teufelskreis aus Scham und Verschweigen zu durchbrechen, machen immer wieder prominente Mütter ihre Wochenbettdepressionen öffentlich. So sprachen beispielsweise Brooke Shields oder Gwyneth Paltrow offen über ihre Erkrankung. Und auch US-Schauspielerin Hayden Panettiere bekannte kürzlich: "Ich habe unter postnatalen Depressionen gelitten. Ihr seid nicht alleine oder verrückt, Ladies."

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