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Schwierige Geburt: Zange und Saugglocke als Hilfsmittel für Hebammen und Ärzte

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Geburtshilfe  

Was machen Saugglocke und Zange?

22.10.2013, 17:40 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Schwierige Geburt: Zange und Saugglocke als Hilfsmittel für Hebammen und Ärzte. Bei manchen Geburten wird der Einsatz einer Saugglocke oder Zange nötig - etwa, wenn die Entbindung ins Stocken geraten ist. (Quelle: dpa)

Bei manchen Geburten wird der Einsatz einer Saugglocke oder Zange nötig - etwa, wenn die Entbindung ins Stocken geraten ist. (Quelle: dpa)

Manchmal kommt es während der Austreibungsphase zu einem Geburtsstillstand, wobei die Gründe dafür vielfältig sein können. Besteht eine mögliche gesundheitliche Gefährdung für das Kind, zum Beispiel durch eine zu geringe Sauerstoffzufuhr, dann muss das Geburtsteam aus Hebamme und Arzt handeln. Mittel der Wahl sind da häufig die Saugglocke oder die Zange.

Keine Folterinstrumente sondern Hilfsmittel

Zugegeben, Zange und Saugglocke sind Wörter, die sich anhören wie Folterinstrumente. Und man kann kaum umhin, sofort an ein Baby mit total verformtem Kopf zu denken. Tatsächlich aber sind diese beiden vaginal-operativen Methoden wichtige Hilfsmittel, um einen Geburtsvorgang im Notfall schnell abzuschließen. Auch, wenn die Frau sehr erschöpft ist und oder aufgrund einer PDA die Pressarbeit nicht mehr alleine schafft, kann mithilfe von Zange oder Saugglocke die Geburt für Mutter und Kind erleichtert werden.

"Wobei die Zange", da ist sich die Hebamme Roswitha Glimm sicher, "auch, wenn das Vorgehen viel brutaler klingt, für das Ungeborene tatsächlich die schonendere Methode ist." Durchführen darf den Eingriff aber nur ein Arzt. "Die Hebamme assistiert und schützt meist auch zusätzlich den Damm. Nachdem das Köpfchen mittels Zange oder Saugglocke vollständig geboren ist, übernimmt sie die Geburt wieder und beendet sie." Bevor ein Kind auf diese Weise entbunden wird, klärt der Gynäkologe die Gebärende über die möglichen Risiken auf. Die Harnblase wird mithilfe eines Katheders entleert, es wird oft ein Dammschnitt gemacht und ein Schmerzmittel verabreicht.

Der Eingriff an sich

Die Saugglocke, die auch Vakuum genannt wird, ist eine 40, 50 oder 60 mm große Glocke, früher aus Metall, heute meist aus Silikon. Sie wird in die Scheide eingeführt und am Kopf des Kindes angelegt und zwar so, dass kein Gewebe der Frau miterfasst wird. "Elektrisch wird ein Sog entwickelt - es entsteht ein Unterdruck und dadurch saugt sich die Glocke am Köpfchen des Kindes fest. Wenn ein entsprechender Druck aufgebaut ist, kann durch Ziehen während der Wehe und mithilfe der pressenden Frau die Geburt des Kindes beschleunigt und unterstützt werden", so die gebürtige Österreicherin, die bereits rund 5000 Kindern auf die Welt geholfen hat.

Was die Geburtszange angeht, die in der Fachsprache auch Forzeps heißt, so gibt es verschiedene Modelle, aus denen der Arzt das Passende auswählt. Die Zange, die bereits seit dem 18. Jahrhundert eingesetzt wird, besteht eigentlich aus zwei Löffeln, die nacheinander in die Scheide der Frau eingelegt werden und da den Kopf des Kindes umschließen. "Diese Löffel werden einzeln, rechts und links am Ungeborenen angelegt, danach werden sie außerhalb der Scheide geschlossen, das Köpfchen ist dann fest umschlossen von der Zange. Es wird noch einmal kontrolliert, dass sie auch richtig angelegt ist und dann wird wie bei der Glocke verfahren."

Eine eingebaute Blockade verhindert Verletzungen

Letztendlich umfasst die Zange wie zwei Hände den Kopf des Ungeborenen. "Ich könnte mir vorstellen, dass  bevor es Zange und Vakuum gab, Hebammen in Notfällen auch mit den Händen ähnlich die Geburt unterstützt haben. Die Zange und die Saugglocke aber sind bei Weitem schonender, als wenn ich mit beiden Händen in den Geburtskanal eindringen würde. Wenn es um das Leben des Kindes geht, dann bin ich als Hebamme sehr froh, dass es die vaginale operative Geburt durch Zange oder Vakuum gibt."

Die Angst, der Kopf des Kindes könne zum Beispiel beim Hantieren mit der Zange zusammengedrückt werden, ist nicht begründet, denn es gibt eine so genannte Hemmgrenze. Das bedeutet, dass die Löffel nur bis zu einem bestimmten Punkt zu schließen sind. "Das Köpfchen wird auch bei einer normalen Geburt bis zu einem gewissen Grad zusammengedrückt. Die Zange ist so konzipiert, dass sie den Grad der natürlichen Konfiguration nicht überschreitet."

Nicht ganz ohne Risiko

Risiken bergen die beiden Methoden aber trotzdem. Neben den Schwellungen und Hämatomen, die durch die Saugglocke entstehen können, kann es bei einer Vakuumentbindung auch zu weiteren Verletzungen der Kopfhaut wie Abschürfungen kommen. Bei Frühgeburten bestünde gar die Gefahr einer Hirnblutung, daher wird diese Methode in einem solchen Fall gar nicht durchgeführt. Frühchen werden deshalb, wenn nicht ohnehin ein Kaiserschnitt gemacht wird, mit der Zange entbunden. Aber auch die Frau kann Verletzungen davontragen, unter anderem an der Vagina und an den Schamlippen, das allerdings ist, laut Roswitha Glimm, eher selten. Die Geburt mithilfe einer Zange kann schneller erfolgen und wird daher in Notfallsituationen vorgezogen.

Neben einem Scheidenriss, einem Riss des Gebärmutterhalses und sogar einem Riss der Gebärmutter kann es zu Kopfverletzungen beim Kind, zu Quetschungen und selten auch zu Nervenlähmungen kommen. "Bei der Zange kommt es aber vor allem häufiger zu Druckstellen am Kinn-Ohr-Bereich des Kindes. Die Verletzungen durch die vaginal-operativen Methoden beschränken sich in der Regel auf die äußere Schädeldecke. Wenn der Eingriff vorsichtig, umsichtig und in Ruhe gemacht wird, gibt es kaum Risiken." Aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung heraus bestätigt die Hebamme, dass diese Schäden meistens innerhalb von wenigen Tagen wieder verheilt sind.

Die Erfahrung des Arztes ist entscheidend

Allerdings gibt es auch Ausnahmen. "Bei unsachgemäßer Anwendung kann es natürlich durch falsches Anlegen zu erheblichen Verletzungen kommen. Ich habe allerdings noch nicht erlebt, dass ein unerfahrener Arzt eine solche Methode überhaupt durchgeführt hätte." Die Geburtshelferin ist sich sicher, dass ein Arzt in einem solchen Fall immer, zum Beispiel in Unikliniken, einen erfahrenen Kollegen hinzuziehen wird.

"Hinzu kommt, dass sowohl Zange als auch Vakuum nur im Notfall eingesetzt werden und damit die Risiken in einem anderen Licht erscheinen. Das Wichtigste ist ja immer, dass das Kind gesund auf die Welt kommt und das muss manchmal schnell gehen. Kleinere Verletzungen beim Baby oder der Mutter können da trotz kompetenter Anwendung nicht immer verhindert werden."

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