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Wie die Schwangerschaft die Gene der Kinder verändert

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Dicke Mama = dickes Kind? Schicksal entscheidet sich im Babybauch

15.11.2012, 11:18 Uhr | Jenni Zwick, t-online.de

Wie die Schwangerschaft die Gene der Kinder verändert. Genforschung: Der Lebensstil einer Frau in der Schwangerschaft kann die Gene des Kindes beeinflussen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Lebensstil einer Frau in der Schwangerschaft kann die Gene des Kindes beeinflussen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nicht nur die Gene prägen uns, auch wir prägen unsere Gene. Zu dieser Erkenntnis kommen immer mehr Mediziner, Biologen und Epigenetiker, die sich mit der pränatalen Entwicklung im Mutterleib beschäftigen. Denn äußere Einflüsse können Gene chemisch verändern und sie auf diese Weise an- und ausschalten. Körperliche Aktivität, aber auch zwischenmenschliche Beziehungen und soziale Faktoren prägen somit das Erbgut. So scheint der Lebensstil einer Mutter in der Schwangerschaft das Erbmaterial ihres ungeborenen Kindes zu verändern und damit die Weichen für das Leben ihres Kindes zu stellen.

Hormone werden über die Nabelschnur weitergegeben

Die Erfahrungen und die Lebensweise der Mutter in der Schwangerschaft haben enormen Einfluss auf das Kind. Durch die Plazenta dringen neben Sauerstoff, Zucker und Fette, Aminosäuren und Eiweiße auch die Hormone der Mutter in den Blutkreislauf des Fötus. Diese Hormone prägen das Ungeborene nachhaltig. Nach neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft eichen sie wichtige Regelsysteme, unter anderem das für Hunger und das für Stress.

Gene und Erfahrungen arbeiten zusammen

Früher kämpften Biologen und Philosophen in dieser Frage gegeneinander: Was prägt einen Menschen mehr - die Gene oder seine Erfahrungen? Mittlerweile wird immer klarer: Gene und Umwelt stehen sich nicht alternativ gegenüber - sie wirken stets im Zusammenspiel. Denn äußere Einflüsse können Gene chemisch verändern und sie wie einen Lichtschalter an- und ausknipsen. Körperliche Aktivität, zwischenmenschliche Beziehungen und soziale Faktoren prägen das Erbgut. Ständiger Stress, aber auch Drogen und Umweltgifte oder eine fettreiche und einseitige Ernährung hinterlassen Spuren im Erbgut von Nervenzellen - und begünstigen auf diese Weise Autismus und Angststörungen, Depressionen und Demenz oder Diabetes und eine Veranlagung zur Adipositas. Die Erfahrungen der Schwangeren, der Stress, dem sie ausgesetzt ist, die Speisen und Medikamente, die sie einnimmt, erlebt der werdende Mensch mit - und das prägt ihn fürs Leben. Eine Schwangere trägt deshalb eine große Verantwortung, der sie sich bewusst sein sollte, damit ihr Baby den bestmöglichen Start ins Leben bekommen kann. Wichtig ist eine gesunde Ernährung, angemessene Ruhe und eine positive Einstellung zum Kind.

Ein hoher Insulinspiegel verändert das Erbgut

Den größten Einfluss hat die Ernährung während der Schwangerschaft, denn das Baby isst mit. Diese Meinung vertritt zumindest der Entwicklungsmediziner Andreas Plagemann von der Klinik für Geburtsmedizin der Charité in Berlin. Er rät Schwangeren, sehr auf ihre Ernährung zu achten und nicht zu viel Gewicht zuzulegen - nicht nur mit Blick auf ihre Gesundheit, sondern vor allem für die Gesundheit ihres Kindes - und das für sein ganzes Leben.

"Bei jeder fünften Schwangeren in Deutschland ist der Fötus überernährt“, so der Mediziner. Dadurch steige das Risiko, an Typ2-Diabetes zu erkranken. Der Fötus wird in hohen Konzentrationen von Zucker und Hormonen im Fruchtwasser geradezu "mariniert“. Der hohe Insulinspiegel verändert sein Erbgut, und das Steuersystem für Hunger und Sattsein wird falsch geeicht, so steigt die Gefahr für Übergewicht im Erwachsenenalter. Wird das Ungeborene mit Nährstoffen überflutet, schüttet es die Hormone Insulin und Leptin in großen Mengen aus. Ein dauerndes Überangebot verstellt die Hormonmessfühler im Zwischenhirn so, dass der Überfluss als normal gilt. Das Kind verlernt quasi schon im Bauch der Mutter, ein Sättigungsgefühl zu erkennen. Paradoxerweise sind die Folgen der Überernährung die gleichen wie die der Unterernährung. Hinzu kommt allerdings, dass ein geringes Geburtsgewicht das Risiko für ein späteres Herzleiden erhöht. In der westlichen Welt leiden die wenigsten Frauen an Unterernährung, doch eine Mangelversorgung erleben Föten heutzutage oft, wenn die Mutter raucht, sich die Gefäße verengen oder die Plazenta gegen Ende der Schwangerschaft an Kraft verliert. Dann gelangen weniger Nährstoffe und mehr Stresshormone zum Kind. Auch Frauen, die in der Schwangerschaft zu sehr auf ihr Gewicht achten, gefährden damit ihr Ungeborenes. Deshalb ist eine Schwangerschaft keine Zeit für eine Diät!

Stress in der Schwangerschaft

Ein weiterer gut messbarer Einfluss auf den Fötus ist der Stresslevel der Mutter. Neurologen fanden heraus, dass sich der Stress der Mutter auch auf ihr Ungeborenes überträgt. Besteht ein erhöhter Stresslevel über einen längeren Zeitraum, könnte es dazu führen, dass das Kind später eher zu Depressionen neigt und selbst nicht gerade eine Frohnatur wird. Der Psychobiologe Stefan Wüst von der Universität Trier fand heraus: Durch psychischen Stress während der Schwangerschaft werden Hormone produziert, die die Plazenta überwinden und die Entwicklung des Ungeborenen ganz entscheidend beeinflussen. "Zwischen dem Stress der Mutter während der Schwangerschaft und dem Risiko für das Kind, später selbst an einer Stresskrankheit zu leiden, besteht ein direkter Zusammenhang“, erklärt Wüst. Seine Arbeitsgruppe untersuchte Menschen, deren Mütter in der Schwangerschaft stark belastet waren, zum Beispiel weil ein naher Verwandter gestorben oder lebensbedrohlich erkrankt war oder einen schweren Unfall hatte.

Depressionen in der Schwangerschaft

Wissenschaftler der Universität Michigan in Ann Arbor fanden heraus, dass Babys, deren Mütter vor oder während der Schwangerschaft unter Depressionen litten, einen schlechteren Biorhythmus entwickeln können. Die Leiterin des Schlaf- und Chronophysiologischen Instituts der Universität, Roseanne Armitage, untersuchte das Schlafmuster werdender Mütter im letzten Drittel der Schwangerschaft, sowie acht Monate lang nach der Geburt auch den Schlaf ihrer Babys. Ein Teil der Probandinnen war psychisch gesund, die anderen Teilnehmerinnen waren wegen Depressionen im gleichen Institut in Behandlung. Bei dieser Studie kam heraus, dass die Säuglinge der kranken Mütter in ihrem ersten Lebenshalbjahr unruhiger und unregelmäßiger schliefen als die Kinder der seelisch gesunden Mütter. Sie konnten sich nicht so schnell an den Tag-Nacht-Rhythmus ihrer Eltern einstellen wie die Kinder der gesunden Mütter. Armitage sieht darin einen bedeutenden Risikofaktor für eine spätere Depression. "Auf die Kleinen kommt natürlich nicht zwangsläufig eine Depression zu“, so die Wissenschaftlerin. "Das Risiko dafür ist durch das gestörte Schlafmuster allerdings deutlich erhöht.“

Verantwortung ohne Sorgen tragen

Roseanne Armitage bringt es auf den Punkt: Die pränatalen Einflüsse können Risiken für spätere Krankheiten oder negative Verhaltensweisen erhöhen, doch es nicht gesagt, dass das Kind zwangsläufig eine Depression oder eine Diabeteserkrankung durchmachen muss. Machen Sie sich also nicht zu viel Sorgen, wenn Sie schwanger sind. Das ist leichter gesagt als getan, doch wie so oft ist ein gesundes Mittelmaß auch hier ratsam. Seien Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst, aber machen Sie sich nicht verrückt. Auch wenn Sie Stress im Job haben oder Sie um einen geliebten Menschen trauern: Ihr Kind wird durch Ihre Empfindungen nicht gleich zum Problemkind. Das Gute ist nämlich, dass sich die Wissenschaftler mittlerweile darüber einig sind, dass auch Verhaltensweisen, die in den Genen angelegt sind, wieder "umgedreht“ werden können und, dass der Mensch durch seine Willenskraft doch erheblichen Einfluss auf sein Leben nehmen kann. Und eben nicht "nur“ von seinen Erbanlagen gesteuert wird.

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