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Hebammen geben Hausgeburten wegen Versicherung auf

11.06.2012, 18:21 Uhr | Carsten Albert, dapd

Hebammen geben wegen Versicherungskosten Hausgeburten auf. Immer weniger Hebammen wollen Hausgeburten begleiten. (Quelle: dapd)

Hebamme Sabine Dähndel hört den Herzschlag von dem Baby im Bauch von Julia Schäfer ab. Immer weniger Hebammen sind bereit, Hausgeburten zu begleiten. (Quelle: dapd)

Julia Schäfer streicht mit der Hand über ihren Bauch. Die 28-Jährige ist im sechsten Monat schwanger. "Ich stelle mir den Moment schön vor, als erstes einmal nachzusehen, was du überhaupt bist", sagt sie liebevoll zu ihrem ungeborenen Kind. Ob sie einen Jungen oder ein Mädchen bekommt, ist ihr egal. Viel wichtiger sei: "Ich möchte mein Kind nicht in einer Klinik zur Welt bringen, sondern zu Hause, in vertrauter Umgebung", sagt die junge Frau aus Alheim im nordhessischen Kreis Hersfeld-Rotenburg. Es gibt allerdings kaum noch Hebammen, die Hausgeburten anbieten.

Versicherungsprämien für Hebammen steigen seit Jahren

Auch Julia Schäfer hatte Schwierigkeiten, dafür eine Entbindungshelferin zu finden und wurde nach langer Suche erst im Nachbarland Niedersachsen fündig. Grund für die Zurückhaltung ist nicht das Risiko einer Hausgeburt. Abschreckend wirkt die Prämie für die Haftpflichtversicherung freiberuflicher Hebammen, die außerklinische Geburtshilfe leisten. Sie steigt im Juli von rund 3700 auf mehr als 4200 Euro. Die Versicherungen begründen diesen Schritt mit den gestiegenen medizinischen Kosten in einem Schadensfall. Die Prämie müssen die Freiberuflichen komplett selbst stemmen. "Bei einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 24.000 Euro ist das kaum bezahlbar", kritisiert die Vorsitzende des Landesverbands der hessischen Hebammen, Gabriele Kopp.

Geburtshilfe lohnt sich nicht mehr

Viele Hebammen seien deswegen gezwungen, die Geburtshilfe aufzugeben - das Herzstück ihres Berufs. "Mir ist keine Kollegin mehr bekannt, die in Nordhessen künftig noch Hausgeburten betreuen wird", bedauert Kopp. "Stattdessen werden sich die meisten nur noch auf Vor- und Nachbetreuung von Mutter und Kind konzentrieren." Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat zwar Anfang Mai die Krankenkassen angehalten, die Haftpflichtprämie mit einer höheren Vergütung für die Hebammen abzufangen, "einen gesetzgeberischen Handlungsbedarf gibt es aber nicht", heißt es aus dem Ministerium.

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"Ein frauenpolitisches Unding"

"Das ist ein frauenpolitisches Unding", kritisiert die Hebammen-Verbandsvorsitzende. Den Schwangeren werde ihr Selbstbestimmungsrecht genommen. "Sie haben kaum noch eine Wahl - entweder Klinik oder Geburtshaus." Und selbst diese Entscheidung sei eingeschränkt. Wegen der großen Nachfrage müssten die beiden nordhessischen Geburtshäuser in Kassel und Fulda viele werdende Mütter ablehnen.

"Durchgereicht wie eine Nummer"

Julia Schäfer hat bereits zwei Kinder. Ameli ist vier und Jonathan drei Jahre alt. Beide wurden in einer Klinik geboren. "Dort wurde ich durchgereicht wie eine Nummer", sagt sie. Schon vor der jeweiligen Entbindung habe ihr der Gedanke an die Sterilität eines Kreißsaals Angst gemacht. "Diesen Stress will ich nie wieder mitmachen. Auch keine ärztliche Intervention. Ich will mich auf meinen Körper verlassen - auf mich als Frau", sagt sie. Dieses Mal sei sie freudig gespannt auf das Geburtserlebnis.

Für wen eine Hausgeburt in Frage kommt

"Hausgeburt? Ist das nicht gefährlich?", hätten Ehemann Stefan und ihre Familie skeptisch gefragt. Sie habe harte Überzeugungsarbeit leisten müssen, um ihren Standpunkt zu vertreten, erzählt Julia Schäfer. Zahlen geben ihr Recht: Eine geplante Hausgeburt ist laut der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe ähnlich sicher wie eine klinische. Kritiker warnen jedoch, dass die Romantik daheim bei Komplikationen ein jähes Ende finden könnte. Um dem vorzubeugen, kämen für außerklinische Entbindungen nur Frauen infrage, bei denen die Risikofaktoren vorher ausgeschlossen werden könnten, sagt Hebamme Kopp. "Die Kinder kommen dann sogar fitter zur Welt als in Kliniken, weil sie viel weniger Strapazen erleiden müssen."

Die Hebamme kommt extra aus Hannover

"Mein Traum ist geplatzt", dachte Julia Schäfer schon verzweifelt, als sie anfangs vergebens eine Entbindungshelferin für die gewünschte Hausgeburt in ihrer näheren Umgebung suchte. Eine Hebamme im Ort habe die Schwangere zwar nicht abgewiesen, doch habe sie die Versicherungskosten nicht selbst tragen wollen. "Zu teuer", befand die werdende Mutter. Fündig wurde sie schließlich im Internet: Jetzt betreut sie Sabine Dähndel, eine Hebamme aus Hannover.

Hausgeburten aus Idealismus

Alle zwei Wochen legt die Geburtshelferin 250 Kilometer zurück, um bei der 28-Jährigen die Herztöne des Kindes abzuhören und mit geübten Griffen die Lage im Mutterleib zu prüfen. Zwischen zehn und zwölf Babys holt die Hebamme jedes Jahr bei Hausgeburten - zuletzt bei einer Familie in Flensburg. "Aus Idealismus" nehme sie die weiten Wege und auch die Versicherungsprämie auf sich, sagt die 50-Jährige. Ihr Standpunkt: "Es kann nicht sein, dass Frauen zum Gebären in eine Klinik müssen, wenn sie das überhaupt nicht wollen."

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