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Renaissance der Familie? Experten haben Zweifel

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Familienpolitik  

"Das System beginnt, sich zu drehen": Kommt die Renaissance der Familie?

04.07.2013, 17:53 Uhr | dpa

 Renaissance der Familie? Experten haben Zweifel. Geht der Trend zurück zur Familie? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Geht der Trend zurück zur Familie? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In Deutschland zählten die Statistiker im vergangenen Jahr mehr Babys und mehr frisch getraute Paare. Gibt es also eine Renaissance der Familie? Für einen Trend müsse sich noch einiges tun, sagen Fachleute. Bevölkerungsforscher rechnen zumindest damit, dass die Geburtenzahl nicht weiter sinkt und Zukunftsforscher Andreas Steinle hält mittelfristig auch mehr Babys für möglich. Voraussetzung aber sei ein tiefgreifender Wandel.

"Wenn wir mehr Ganztagsschulen haben, wenn wir eine andere Arbeitskultur und ein anderes Verständnis von Männern als Väter haben", nennt Steinle die Voraussetzungen für eine höhere Geburtenrate. Anzeichen dafür gebe es. Soziologen sind skeptischer.

Anteil der Kinderlosen wird zurückgehen

"Die Forschung erwartet für Deutschland eigentlich eine Trendumkehr, zumindest aber keinen weiteren Anstieg in der Kinderlosigkeit pro Frau", sagt Michaela Kreyenfeldt vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung habe erste Schätzungen, dass die Kinderlosigkeit von Akademikerinnen zurückgehe. Mit Spannung würden nun die Geburtenraten erwartet, die auf Basis des im Mai veröffentlichen Zensus neu berechnet werden. Danach hat Deutschland noch 80,2 Millionen Einwohner - 1,6 Millionen weniger als die Statistiker zuvor angenommen hatten.

"Das System beginnt gerade, sich zu drehen"

"Karriere ist ein selbstverständliches Ziel vieler junger Frauen", sagt Zukunftsforscher Steinle. Kinder wollten sie aber auch. "Damit dieses 'sowohl als auch' funktioniert, müssen sich alle in ihrem Verhalten ändern", sagt Steinle. "Das System beginnt gerade, sich zu drehen."

Dazu gehörten flexible Unternehmen. Als Beispiele nennt Steinle den Vorstandsbeschluss der Telekom, 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen bis 2015 mit Frauen zu besetzen. Andere Firmen handelten alle zwei Jahre Teilzeitverträge für alle neu aus oder böten Räume, in denen Eltern zur Not ihre kranken Kinder unterbringen könnten. "In dem Moment, in denen Frauen das Sagen haben, beginnen sich die Dinge zu verändern", glaubt Steinle. "Aber dafür muss man die Frauen erstmal an die Spitze kriegen."

"In den USA verdienen die gut ausgebildeten Frauen inzwischen mehr als die Männer", erläutert Steinle. Etwa jeder dritte Mann in Amerika kümmere sich schon hauptsächlich um die Kinder. In Deutschland werde das nicht so schnell gehen, weil die Wirtschaft im Kern viel industrieller geprägt sei. "Die Zukunft liegt aber stärker in der Wissenschafts- und Dienstleistungsökonomie. Das arbeitet eher den Frauen in die Hände."

Skeptiker: Traditionelle Rollenverteilung bleibt bestehen

Familiensoziologin Corinna Onnen ist weniger optimistisch: "Nach wie vor gilt, wenn Kinder ins Spiel kommen, greift die Traditionalisierungsfalle", so die Professorin von der Universität Vechta. "Wir sehen ganz minimal, dass Männer ein bisschen mehr tun im Haushalt und sich mehr verantwortlich fühlen gerade für die Erziehung von Kleinstkindern - aber sonst verändert sich nicht viel." Nach wie vor stiegen in der Regel die Frauen aus dem Job aus und müssten damit dauerhaft Nachteile für ihre Berufsleben hinnehmen. "Sie haben aber auch andere Vorstellung von Karriere und ziehen es für sich selbst nicht so ins Kalkül, oben in DAX-Unternehmen zu landen."

"Eine egalitäre Aufteilung der Hausarbeit und Kinderbetreuung findet nicht statt", sagt auch Matthias Pollmann-Schult vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. "Die traditionellen Muster schleifen sich nach der Familiengründung schnell ein." Selbst bei Paaren, bei denen die Frau mehr verdiene. Der positive Effekt von Elternschaft für die Lebenszufriedenheit begrenze sich bei vielen zudem auf die ersten Jahre. Später werde dies häufig überlagert vom Aufwand der Kinderbetreuung, von finanziellen Belastungen, Eltern-Kind-Konflikten und der Schwierigkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren.

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