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Schwangerschaftskomplikationen: Bettruhe in der Schwangerschaft

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Schwangerschaftskomplikationen  

Strategien für die Bettruhe in der Schwangerschaft

19.11.2013, 17:52 Uhr | Maria M. Held, t-online.de

Schwangerschaftskomplikationen: Bettruhe in der Schwangerschaft. Bettruhe in der Schwangerschaft heißt Kräfte sammeln für das Baby.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bettruhe in der Schwangerschaft heißt Kräfte sammeln für das Baby. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sorgen und Langeweile verdrängen die Vorfreude auf das Baby, wenn Frauen in der Schwangerschaft Bettruhe verordnet wird, um eine drohende Frühgeburt zu verhindern. Gar nicht selten ordnen Frauenärzte und Hebammen diese an. Meist sind vorzeitige Wehen das Alarmzeichen und Grund für die ärztliche Empfehlung. Doch wie stehen Frauen diese bangen Wochen durch? Tipps, wie Schwangere Angst, Langeweile und Muskelabbau überstehen.

"Sie sollten sich schonen" - diesen Ratschlag gab in väterlichem Ton ihr Frauenarzt der 33-jährigen Lena. Das war in der 28. Schwangerschaftswoche. Dabei fühlte sich Lena bis dahin gar nicht gestresst. Sie genoss den Sommer und ihre zweite Schwangerschaft. Sie planschte mit ihrer knapp zweijährigen Tochter im Kinderbecken, radelte mit ihr auf dem Kindersitz durch die Wiesen, ging viel auf den Spielplatz. Sie wollte ihr noch viel Zeit schenken, bevor ihr Brüderchen kommt.

Diagnose Bettruhe: Das steckt dahinter

Beim nächsten Routine-Check klang der Rat schon nicht mehr so väterlich. "Sie müssen liegen und dürfen nichts heben", hieß es jetzt streng. "Wie soll das gehen?" fragte sich Lena, ihre kleine Tochter wollte doch versorgt werden, gehoben, gewickelt, herumgetragen werden. Keine der Omas wohnt in der Nähe, ihr Mann hatte allen Urlaub für die Zeit nach der Geburt aufgespart. Womöglich müsste sie sogar stationär in eine Klinik aufgenommen werden, wenn sie dem ärztlichen Rat nicht folgte.

Geschwisterliebe 
Zwillinge sind nach der Geburt unzertrennlich

Sie kuscheln einfach weiter, als ob sie noch im Mutterleib wären. Video

Lena organisierte alle befreundeten Mütter aus der Krabbelgruppe, Omas und Geschwister reisten an, damit sie die Zeit übersteht. Sie genießt die ruhigen Augenblicke, wenn sie mit ihrem Töchterchen im Bett kuschelte und auf dem Sofa Bilderbücher ansah.

Die Bettruhe kann - so wie bei Lena - Wochen oder Monate dauern. Die Diagnose trifft viele Schwangere und verlangt ihnen einiges an Disziplin, Organisationstalent und Selbstmotivation ab.

Blutungen sind ernste Warnzeichen

Das Alarmzeichen schlechthin sind Blutungen. Die häufigsten Ursachen sind vorzeitige Wehen und Gebärmutterhals- beziehungsweise Muttermundschwäche, in der Sprache der Mediziner Cervixinsuffizienz genannt. Manchmal steckt dahinter eine frühere Operation oder eine Veranlagung für schwaches Bindegewebe, sehr oft allerdings Stress. Psychosomatische Gründe sind ein starker Auslöser für diese Probleme, die unbehandelt zu Frühgeburten führen.

Werdende Mütter neigen dazu, sich zu überfordern, sie wollen noch alles in die Wochen vor der Geburt packen: Reisen mit dem Partner, Wohnung renovieren, Haus bauen, Kinderzimmer einrichten, berufliche Projekte beenden. Viele Frauen entwickeln Ängste vor der Geburt und dem neuen Lebensabschnitt als Mutter. All dies kann auch die Beziehung belasten. Partnerschaftsprobleme stressen die Psyche am stärksten.

So hilft das Liegen

Bettruhe ist in diesem Fall das Mittel der Wahl. Der medizinische Hintergrund ist einfach erklärt: Das Liegen entlastet die Organe, der Blutdruck sinkt, dadurch lassen die Blutungen nach. Im Liegen drückt das Baby nicht nach unten auf den Muttermund, außerdem wird das Wachstum des Kindes verbessert.

Hebammen kennen nicht nur die medizinischen Umstände einer solchen Bettruhe, sie erfahren im Rahmen der Schwangerenvorsorge auch, wie es den Müttern dabei seelisch geht. "Sie haben natürlich Angst und malen sich alle nur erdenklichen Schreckensszenarien aus", beschreibt Diplom-Psychologin und Stillberaterin Katrin Jill Hagemeyer aus der Praxis "Die Kitties - Gesellschaft für dicke Bäuche". Dabei sei es entscheidend, in welcher Phase der Schwangerschaft die Diagnose gestellt würde.

Zwei kritische Phasen während der Schwangerschaft

Am Anfang überwiegt die Angst, das Baby ganz zu verlieren, denn rund ein Viertel aller Schwangerschaften enden - oft sogar unbemerkt - noch vor der zwölften Woche. Besonders "brisant" und "wackelig" sind die lang ersehnten, vielleicht sogar künstlich unterstützten Schwangerschaften. Auf ihnen liegt das besondere Augenmerk, sie sind früh erkannt und eng überwacht. In diesen Fällen wird oft sehr früh eine Phase der Bettruhe verordnet. Die ständige Weiterentwicklung der Pränatalmedizin und die häufigeren Kinderwunsch-Behandlungen machen viele kleine Wunder möglich.

Die letzten Wochen der Schwangerschaft sind die zweite kritische Phase, in der viele Frauen liegen müssen. Dann wird durch den starken Druck oft der Muttermund zu durchlässig oder das Baby ist schlecht versorgt.

Ohnmacht oder Zähne zusammenbeißen?

Gegen Ende der Schwangerschaft will man dem Baby noch möglichst viel "Bauchzeit" zukommen zu lassen, in der frühen Schwangerschaft geht es darum, dass der Fötus überhaupt bleibt.

Zwei grundsätzliche Strategien hat Hagemeyer bei betroffenen Frauen in dieser Notsituation beobachtet: Hilflosigkeit mit dem Gefühl der Ohnmacht oder bei anderen, pragmatischen Frauen das "Ich schaff das alleine". Gerade diese Frauen müssen lernen, mit ihren Kräften zu haushalten.

"Dabei ist die erste Schwangerschaft tatsächlich für lange Zeit die letzte Zeitspanne im Leben einer Mutter, in der sie sich umsorgen lassen kann. Danach ist die Frau für die nächsten Jahre selbst der umsorgende Mensch". Ein bisschen loslassen, ein bisschen delegieren schadet keiner Schwangeren. Doch nicht alle haben das passende Umfeld, das dies erlaubt. Besonders alleinstehende Mütter sind hier stark gefordert.

Strategien gegen Angst und Langeweile

Zuversicht heißt das Zauberwort, Positive Affirmation die passende Strategie. "Das sind Bilder der Zukunft, die Mut machen", erklärt Hagemeyer, die auch familylab-Seminarleiterin ist. "So kann sich eine Mama zum Beispiel immer wieder das Bild, wie sie mit ihrem gesunden Baby im Arm auf der Lieblingsbank im Park sitzt, oder wie sie und ihr Partner das kleine Bündel Mensch direkt nach der Geburt bestaunen oder wie sie mit ihrem Baby im Tragetuch spazieren geht, vorstellen." Wem das zu abgehoben klingt, der muss sich vor Augen halten, dass werdende Mütter in dieser sensiblen Phase sowieso ihre ganz eigene Gedankenwelt haben und stark emotional reagieren.

Belastend für Umfeld und Partner

"Es geht darum, der Frau Zuversicht und Ruhe zu geben. Und das geht gut mit solchen sehr konkreten Bildern. Die kann eine Schwangerschaftsbegleitung ja mit der Mama zusammen erdenken", rät Hagemeyer. Wie die Männer mit der neuen Situation zurecht kommen, hängt immer von der Partnerschaft ab, nicht selten aber sind die werdenden Väter überfordert.

Während die Ärzte für die medizinischen Werte und die unterstützende Apparatemedizin zuständig sind, gelingt es den Hebammen und Schwangerschaftsbegleiterinnen besser, die nötige Zuversicht in dieser Phase zu vermitteln.

Zuversicht heißt das Zauberwort

Denn auch nicht alle Angehörigen und Freunde schätzen die Situation richtig ein, weiß die Beraterin. "Grundsätzlich ist die Information, die so eine werdende Mutter braucht ein 'Ich habe mit Sachverstand gesehen, wie es Dir und deinem Baby geht, und ich glaube es wird alles gut'. Ein so daher gesagtes: 'mach Dir keine Sorgen alles wird gut' von jemandem der keine Ahnung hat, hilft da leider wenig oder macht es oft noch schwieriger, weil die Mutter das Gefühl bekommt, mit ihren Sorgen nicht ernst genommen zu werden."

Vielen hilft, jemanden zum Reden zu haben. Hebammen können entsprechende Begleiterinnen vermitteln, in der Regel übernehmen ausgebildete Doulas diese Funktion. Sie stehen den Frauen emotional und psychisch zur Seite. Doulas waren traditionell Frauen, die den Schwangeren zur Seite stehen, nicht mit medizinischem Wissen, sondern mit Lebenserfahrung. Dieses Wissen ist verloren gegangen, die Rolle der Doulas ist allerdings neu definiert. Eine solche Begleitung wirkt sich positiv auf den Geburtsverlauf aus.

Stationär in der Klinik oder auf dem heimischen Sofa

Je nachdem wie stark die medizinischen Probleme sind und in welcher seelischen Verfassung die Mutter ist, muss sie in manchen Fällen sogar stationär in eine Klinik aufgenommen werden. Sind starke vorzeitige Wehen eingetreten, werden Wehenhemmer eingesetzt. Magnesium hilft die Muskulatur zu entspannen. Lässt sich eine verfrühte Geburt nicht mehr verhindern, kommen beim Baby Lungenreifespritzen zum Einsatz, um das Kind auf eine vorzeitige Geburt vorzubereiten. Diese Spritze soll dem Frühchen das selbständige Atmen erleichtern.

Allerdings beobachten Frauenärzte, dass Mütter von Kleinkindern zu Hause ruhiger sind als in der Klinikumgebung. Dort blockieren die Gedanken und Sorgen um das alleingelassene Kind, das man zu selten sieht, den Erholungseffekt. Wichtig ist, die Bettruhe einzuhalten. Dafür sollten sich die werdenden Eltern Hilfe holen, Freunde und Familie in die Hausarbeit mit einbeziehen. In manchen Fällen bewilligen Krankenkassen auch eine Haushaltshilfe, die sich um Kinder und Haushalt kümmert.

Wichtig ist dabei, trotzdem aktiv zu bleiben und die Geburtsvorbereitung weiter zu betreiben.

Was bedeutet überhaupt Bettruhe?

Doch was heißt eigentlich Bettruhe? Vorneweg: Man ist nicht an das Bett gefesselt. Kurze Gänge, wie zur Toilette oder von einem Zimmer zum anderen und Duschen sind meist erlaubt. Hebammen wissen, es geht oft gar nicht um die körperliche Ruhe. "Selbst wenn man eine dauerbeschäftigte Frau ans Bett bindet, wird es in ihrem Kopf weiterhin Dauerbeschäftigung geben und das ist genauso problematisch", erklärt Hagemeyer ihre Erfahrungen.

Wann darf man wieder aufstehen?

Für Blutungen in der Frühschwangerschaft gilt die Regel, am vierten Tag ohne Blutung darf die Frau langsam wieder aufstehen. Bei Cervixinsuffizienz werden Frauenarzt oder Hebamme, die dann auch nach Hause kommt, den Muttermund regelmäßig kontrollieren.

Ziel ist es, die 37. Woche zu erreichen: Von da an da gilt das Baby nicht mehr als Frühchen, es darf kommen, auch wenn es noch vor dem errechneten Termin ist.

Nach der Geburt langsam anfangen

"In der Zeit, nachdem die Bettruhe aufgehoben ist, was meist erst nach der Geburt ist, ist es besonders wichtig, die Wöchnerin nicht mit der Wiederherstellung ihrer Mobilität allein zu lassen", warnt Gesundheitswirtin Katharina Kröll-Mohr. "Die physikalische Therapie wird im Trubel der ersten Tage gerne übersehen."

Sie weist darauf hin, dass Beschwerden wie Schulter-, Rückenschmerzen oder Muskelschwäche über Wochen bestehen können. Ohne entsprechende Bewegungsübungen und Behandlung können derartige Beschwerden sogar chronisch werden.

"Ich musste dann das Laufen erst wieder richtig üben, ich ging so wackelig wie auf Eiern", erinnert sich Lena. "Das Schönste war ein kurzer Waldspaziergang mit Mann und Kind, da habe ich meine Lungen mit guter Waldluft aufgefüllt". Ihr Sohn kam dann sogar pünktlich zur Welt.

Die Auszeit hat auch positive Seiten

Lena konnte der Auszeit schließlich auch viel Positives abgewinnen. "So viele gute Bücher habe ich noch nie in so kurzer Zeit gelesen, außerdem konnte ich viele Namensbücher lesen und war bei der Geburt tatsächlich ganz sicher, welcher der richtige Name für unser Kind sein wird." Und vor allem: "Ich habe gelernt, auf meinen Körper und seine Signale zu achten. So haben mein Baby und ich eine unglaublich enge Beziehung aufgebaut."

ToDos für die Bettruhe: Das kann man im Liegen organisieren

Das schlimmste Übel in dieser Zeit, so berichten die Betroffenen in einschlägigen Foren übereinstimmend, ist die Langeweile, die das schlimme Grübeln nach sich zieht. Und die lässt sich auch nicht weg reden.

Das hilft gegen die großen und kleinen Plagen in der Bettruhe:

  • Entspannungsübungen
  • leichte Gymnastik gegen den Muskelabbau nach Anleitung durch die Hebamme
  • Eine vier bis sechswöchige Bettruhe baut die Muskelkraft schon um etwa 40 Prozent ab
  • viel trinken, damit der Darm nicht träge wird
  • eventuell sind Kompressionsstrümpfe angebracht, um Thrombosen vorzubeugen
  • Gespräche, die ablenken und beruhigen
  • alternative Heilmittel können unterstützend wirken, dürfen jedoch nur nach ärztlicher Anweisung genommen werden
  • Laptop und Smartphone: Die Nabelschnur zur Welt bringt Ablenkung, Information, Kommunikation und sogar ein bisschen Arbeit.
  • Außerdem lässt sich damit der Nestbautrieb auch im Liegen und online ausleben
  • Listen schreiben: Kindernamen, Baby-Ausstattung, Einkaufslisten

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