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Schwangerschaft: Wendemanöver bei Beckenendlage

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Problem Beckenendlage  

So kann ein Wendemanöver im Babybauch gelingen

17.10.2014, 16:43 Uhr | Tom Nebe, dpa-tmn

Schwangerschaft: Wendemanöver bei Beckenendlage. Schwangerschaft: Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen zeigen die Position des Kindes im Mutterleib an. (Quelle: dpa/tmn/Bodo Marks)

Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen zeigen die Position des Kindes im Mutterleib an. (Quelle: Bodo Marks/dpa/tmn)

Liegt ein Baby gegen Ende der Schwangerschaft in Beckenendlage, wird in vielen Kliniken per Kaiserschnitt entbunden. Vorher kann man versuchen, dem Kind den richtigen Dreh zu geben, um eine normale Geburt zu ermöglichen. Indische Brücke, Moxakraut oder äußere Wendung - was hilft?

Bei einer Routineuntersuchung in der 35. Schwangerschaftswoche stutzte die Frauenärztin beim Ultraschall. "Plötzlich fragte sie: Huch, wo ist denn der Kopf?", erzählt die 33-jährige Kerstin aus Berlin. Den ganzen Tag zuvor hatte es in ihrem Bauch gerumpelt. Jeder Tritt, jede Bewegung des Babys sei auf der Bauchdecke zu sehen gewesen. Nach der Untersuchung war klar, was es damit auf sich hatte: Ihr ungeborener Sohn hatte sich gewendet. Er lag nun mit dem Steiß nach unten im Bauch der Mutter. Diese Position wird Beckenendlage (BEL) genannt.

Die meisten Ungeborenen drehen sich von selbst

"Bis zur 37. Schwangerschaftswoche dreht sich das ungeborene Baby von selbst und wechselt immer mal wieder die Position", erklärt Jörg Angresius, Frauenarzt aus Neunkirchen im Saarland. Meistens finden Kinder rechtzeitig in die richtige Position zurück, nur vier Prozent liegen vor der Geburt falsch herum.

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Wendeversuch mit chinesischer Heilkunde

Spezielle Methoden können helfen, das Kind in die Normalposition zu bringen. Kerstin bekam von ihrer Hebamme den Rat, es mit einer Moxibustion zu versuchen. Bei dieser Methode aus der traditionellen chinesischen Medizin wird an Akkupunkturpunkten am Fuß der Schwangeren Moxakraut erhitzt. "Es fühlt sich an, als würde eine Zigarette an die Sohle rankommen", beschreibt es Kerstin. Es sei gewöhnungsbedürftig gewesen, habe jedoch Wirkung gezeigt: "Eine halbe Stunde später hat sich mein Kind stark bewegt." Nur drehen wollte sich das Baby nicht.

Kerstin, die zum ersten Mal schwanger war, wollte unbedingt eine natürliche Geburt. Allerdings entbinden längst nicht alle Kliniken Beckenendlagen auf diese Weise. "Bei Erstgeburten ist es nationaler Standard, in so einer Situation einen Kaiserschnitt zu machen", sagt Angresius. Die werdende Mutter aus Berlin entschied sich schließlich, nach der Moxibustion noch die äußere Wendung zu versuchen.

"Als ob zwei Leute in den Bauch steigen"

Bei dieser Methode probieren die Geburtshelfer, das Kind durch Druckbewegungen auf den Bauch in die richtige Position zu drehen. Dafür gelten zwei Voraussetzungen, erklärt Ulrike Peitz, Hebamme aus Hennef bei Bonn: "Das Kind muss normal entwickelt sein, der Uterus wiederum noch genügend Fruchtwasser enthalten."

An die äußere Wendung erinnert sich Kerstin ungern. Zunächst bekam sie ein Mittel zur Entspannung der Gebärmutter. Dann begannen die Wendungsversuche. "Der Arzt probierte, den Po des Kindes aus meinem Becken zu lösen", erzählt sie. "Ein zweiter Geburtshelfer versuchte gleichzeitig, von oben den Kopf nach unten zu bewegen und somit das Baby zu drehen." Dabei hatte sie starke Schmerzen: "Es war, als ob zwei Leute in den Bauch steigen." Nach drei je einminütigen Versuchen gab der Arzt auf. Kerstins Baby sträubte sich zu sehr gegen die Wendung.

Äußere Wendung birgt Risiken

Dennoch plädiert Ulrike Peitz für diese Methode. Die Erfolgsquote liege bei Erstgebärenden bei fast 60 Prozent. Bei Frauen, die schon ein Kind haben, steige sie sogar auf über 70 Prozent. "Wenn eine äußere Wendung noch kurz vor der Geburt versucht wird, sollte das immer in einer Klinik sein", betont Angresius. Die Ärzte müssten bereit sein, einen Kaiserschnitt durchzuführen, falls Komplikationen wie die Ablösung der Plazenta auftreten. Die werdende Mutter müsse es wollen: Das sei die Voraussetzung, dass die äußere Wendung gelingen kann, betont Peitz.

Krankenkasse übernimmt die Kosten

Die Kosten für die Behandlung werden von den Krankenkassen getragen. Auch Maßnahmen wie etwa die Moxibustion zahlen die Kassen. Die Hebamme kann sie als "Behandlung von Schwangerschaftsbeschwerden" von der Hebamme abrechnen.

Sanfte Alternativen: Taschenlampen-Trick und indische Brücke

Neben diesen beiden gibt es noch eine Reihe weiterer Methoden, mit denen Eltern ihre Kinder zum richtigen Dreh bewegen können. Am einfachsten ist die bewusste Kontaktaufnahme mit dem Kind: "Zum Baby hinatmen und mit ihm kommunizieren", erläutert Peitz. So merkt das Ungeborene, dass es beachtet wird und kann zur Bewegung animiert werden. Eine weitere Möglichkeit sei, den Lichtstrahl einer Taschenlampe von den Rippen aus nach unten gleiten zu lassen. Damit werde dem Kind der Weg gewiesen.

Dagegen machen Klangkugeln in den Hosentaschen Geräusche. "Diese interessieren das Kind, so dass es den Kopf zu der Geräuschquelle bewegt und sich dadurch in die normale Position dreht."

Schwimmen ist ebenfalls hilfreich. Im Wasser nimmt die Spannung auf den Bauch ab, das Baby kann sich folglich leichter bewegen. Auch bei speziellen Gymnastikübungen wie der "indische Brücke" oder dem Vierfüßerstand besteht eine kleine Chance, dass sich das Baby dreht.

Auf Nummer sicher mit dem Kaiserschnitt

Schwangere können nicht verhindern, dass sich das Kind in die Beckenendlage dreht. Meist bemerken sie das gar nicht. Der Befund kommt unerwartet beim Ultraschall - wie bei Kerstin. Nachdem bei ihr alle Versuche gescheitert waren, das Baby zu drehen, stimmte sie doch noch einem geplanten Kaiserschnitt zu. "Dadurch war das Risiko für das Kind am geringsten", erklärt sie. Alles verlief problemlos, ihr Sohn Vincent kam gesund zur Welt.

 (Quelle: dpa)

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