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Hoffnung für Kinder mit Krebs: Neue Methode soll Fruchtbarkeit erhalten

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Ärzte testen neue Methode  

Das krebskranke Mädchen Talia soll später einmal Kinder bekommen können

12.08.2015, 16:58 Uhr | Lindsey Tanner, AP

Hoffnung für Kinder mit Krebs: Neue Methode soll Fruchtbarkeit erhalten. Fruchtbarkeit trotz Krebs erhalten: Die zweijährige Talia Pisano aus den USA hat Krebs und muss bestrahlt werden. Mit einem neuen Verfahren wollen Ärzte ihr die Chance geben, später trotzdem Kinder zu bekommen. (Quelle: AP/dpa/Christian K. Lee)

Die zweijährige Talia Pisano aus den USA hat Krebs und muss bestrahlt werden. Mit einem neuen Verfahren wollen Ärzte ihr die Chance geben, später trotzdem Kinder zu bekommen. (Quelle: Christian K. Lee/AP/dpa)

Wenn Kinder an Krebs erkranken und mit einer Strahlentherapie behandelt werden, sind sie danach meistens unfruchtbar. Jetzt gibt es Hoffnung, dass sie später doch noch Nachwuchs bekommen können. Mit einem neuen Verfahren wollen Ärzte aus den USA krebskranken Kindern die Fruchtbarkeit erhalten.

Talia Pisano ist nicht einmal zwei Jahre alt und muss sich schon einer Therapie wegen einer schweren Krebserkrankung unterziehen. Talia leidet an Nierenkrebs, der Hirnmetastasen gebildet hat. Deshalb ordneten die Ärzte eine Strahlentherapie an. Nach einer solchen Behandlung sind Patienten unfruchtbar. Um Talia die Chance zu geben, als Erwachsene Kinder zu bekommen, haben die Ärzte ein neues Verfahren angewendet. Sie haben dem Mädchen Eierstockgewebe entnommen. Es wird tiefgefroren und soll ihr später wieder eingepflanzt werden - in der Hoffnung, dann auch die Eizellenproduktion wieder in Gang setzen zu können. Dann wäre eine Schwangerschaft möglich.

Bisher jüngste Patientin hat heute ein Baby

Mit dem Verfahren betreten die Mediziner Neuland. Zwar ist die Entnahme und spätere Wiedereinpflanzung von Eierstockgewebe an sich nicht neu. Dutzende Male wurde sie erfolgreich durchgeführt - allerdings bei erwachsenen Frauen. Bei Kindern vor der Pubertät ist das Verfahren noch nicht angewendet worden.

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Die bisher jüngste Patientin ist eine in Belgien behandelte Frau. Sie litt an einer Sichelzellenanämie und musste sich mit 13 Jahren einer Therapie unterziehen. Vorher wurde ihr Eierstockgewebe entnommen und tiefgefroren. Damals setzte bei ihr gerade die Pubertät ein. Zehn Jahre später wurden ihr Teile des Gewebes auf den verbliebenen Eierstock gepflanzt. Im vergangenen November brachte sie nach einer normalen Schwangerschaft einen gesunden Jungen zur Welt.

Talia jedoch ist von ihrer Pubertät weit entfernt, ebenso wie die anderen Mädchen und Jungen, denen Eierstock- beziehungsweise Hodengewebe entfernt wurde. Die Ärzte wissen noch nicht, ob es gelingt, ihre Fruchtbarkeit später wiederherzustellen. Sie wollen die Zeit, in der die Kinder heranwachsen, zur Forschung nutzen.

Zweifache Hoffnung für die Eltern

Für Talias Eltern war es trotzdem keine Frage, dass sie dem Eingriff zustimmten. Für die Ärzte ist es eine schwierige Balance, dieses Thema anzusprechen, während die Eltern mit der Krebserkrankung ihres Kindes und der entsprechenden Therapie konfrontiert sind. Zumal für den Erhalt der Fruchtbarkeit auch eine Operation erfordert. Damit die Belastung so gering wie möglich ist, entnehmen die Ärzte das Eierstock- beziehungsweise Hodengewebe, während das Kind ohnehin wegen einer Behandlung in Narkose liegt.

"Wir haben im Hinterkopf, dass das Bestreben der Eltern ebenso wie unseres darin liegt, das Leben des Kindes zu retten", sagt die Chirurgin Erin Rowell vom Lurie-Kinderkrankenhaus in Chicago, wo Talia behandelt wird. Viele Eltern schöpften aus dem Angebot, Eierstock- oder Hodengewebe ihres Kindes einzufrieren, auch Hoffnung. "Sie schließen daraus, dass wir glauben, ihr Kind wird lang genug leben, um eine eigene Familie gründen zu können".

Die Zukunft auf Eis gelegt

Aus Sicht von John Lantos, dem Zuständigen für bioethische Fragen am Mercy-Kinderkrankenhaus in Kansas City, stellt das Angebot der zukünftigen Fruchtbarkeitsbehandlung kein ethisches Problem dar, solange alle Seiten umfassend informiert wurden und zugestimmt haben. "Vermutlich schätzen die Kinder, wenn sie erwachsen sind, die Möglichkeit, dass ihre Fruchtbarkeit eventuell wiederhergestellt werden kann", sagt er.

Von dem entnommenen Gewebe wird ein Teil eingefroren zur späteren Verwendung, ein Teil wird in ein Labor an der Northwestern University in Chicago gebracht. Dort arbeiten Wissenschaftler an möglichen Verfahren, das Gewebe vorpubertärer Kinder für deren spätere Fertilität zu nutzen.

Vorreiterin auf diesem Gebiet ist Jill Ginsberg vom Kinderkrankenhaus in Philadelphia. Dort ist seit 2008 das Eierstockgewebe von etwa 40 Mädchen ab drei Jahren und älter sowie Hodengewebe von 50 Jungen, der jüngste gerade drei Monate alt, entnommen worden. Einige Kinder sind mittlerweile gestorben, die meisten aber warten darauf, dass ihnen die Ärzte später helfen können, Kinder zu bekommen. "Nur wenige Kinder sterben an Krebs", sagt Ginsberg. "Die Überlebensrate liegt bei 80 Prozent. So haben wir alle Chancen."

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