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Unerfüllter Kinderwunsch belastet die Seele

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Unerfüllter Kinderwunsch  

Wenn unerfüllter Kinderwunsch die Seele belastet

22.11.2013, 14:47 Uhr | Jenni Zwick, t-online.de

Unerfüllter Kinderwunsch belastet die Seele . Unerfüllter Kinderwunsch kann die Partnerschaft in die Krise stürzen.

Unerfüllter Kinderwunsch kann die Partnerschaft in die Krise stürzen.

Trotz Kinderwunsch kommt es bei etwa jedem fünften Paar nicht zu einer Schwangerschaft. Umfragen zufolge haben sich nur acht Prozent der Deutschen bewusst gegen Nachwuchs entschieden. Ungewollt kinderlose Paare stehen unter enormen Druck. Freundinnen werden schwanger, die Schwester bekommt schon das zweite Kind und die Schwiegereltern wünschen sich ein Enkelkind. Oft führt die Situation zu einer Beziehungskrise. Wie Paare lernen können, mit der Kinderlosigkeit umzugehen.

Häufig hat das Paar schon alles probiert: Sex nach Kalender, Hormonbehandlungen, operative Eingriffe und als letzte Möglichkeit künstliche Befruchtung. Das Hoffen auf das Ausbleiben der Periode und die monatliche Enttäuschung bestimmt das Leben dieser Frauen und ihrer Partner.

Sex als Mittel zum Zweck

Früher ein spontanes Sexleben, heute nur noch nach Temperaturmessung und Eisprungkalender - bei fast allen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch verändert sich der Sex. "Verkehr nach Termin" beeinträchtigt die Freude im Bett ungemein und führt dazu, dass die Sexualität außerhalb der fruchtbaren Tage eingeschränkt wird oder gar nicht mehr stattfindet, da dem Paar die Lust vergangen ist. Verstreicht ein fruchtbarer Tag ungenutzt, ist das schlechte Gewissen da. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss sich das Paar überlegen, wie es weiter mit dem Thema Kinderwunsch umgehen will, denn langfristig bleibt nicht nur der Spaß am Sex, sondern die gesamte Beziehung auf der Strecke.

Kinderwunsch nicht krampfhaft vorfolgen

Auch wenn die Seele schmerzt - Verbissenheit bringt nichts. Ein Kind lässt sich nicht erzwingen, auch nicht durch Temperaturmessen oder Hormonbehandlung. Selbst eine künstliche Befruchtung führt nicht immer zur Schwangerschaft. Auch wenn es schwer fällt: Distanz zum Kinderwunsch ist der erste Schritt zur Schwangerschaft. Viele Frauen berichten, dass sie plötzlich schwanger wurden, nachdem sie sich mit dem kinderlosen Leben abgefunden hatten. Natürlich lässt sich der Wunsch nicht einfach wegdenken. Jutta Fiegl gibt in ihrem Buch "Unerfüllter Kinderwunsch" den Rat, nicht krampfhaft an den Kinderwunsch zu denken und dadurch das Verhalten zu ändern.

Lust statt Pflicht

Die Psychotherapeutin empfiehlt Frauen, sich zurückzuerinnern an Zeiten, in denen der Kinderwunsch und Frust noch kein Thema waren. Die Partner sollten sich wieder die liebenswerten Eigenschaften des anderen bewusst machen, sich sozusagen wieder neu zu verlieben. Dadurch werde mit der Zeit der Druck von den beiden Partnern genommen, so die Autorin. Weitere Tipps der klinischen Therapeutin:

  • Ablenken      

    Je höher Ihr Wohlbefinden ist, umso besser geht es dem Körper. Deshalb gönnen Sie sich mindestens einmal am Tag etwas Angenehmes, sorgen Sie für Entspannung, ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung.

  • Miteinander reden

    Reden Sie über Ihre Gefühle. Das ist Teil der Verarbeitung. Sich gegenseitig schützen zu wollen, indem man das Thema nicht anspricht, ist kontraproduktiv. Hilfreich ist außerdem, sich zumindest einer anderen Person anvertrauen. Ein Außenstehender kann neue Denkanstösse geben.

  • Vertrauenspersonen gut aussuchen

    Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Dazu gehört auch, dass Sie nicht jedem Ihre Probleme, Gedanken und medizinischen Maßnahmen mitteilen. Ratschläge und Fragen zum unerfüllten Kinderwunsch können schmerzen. Auch gegenüber den Eltern und Schwiegereltern haben Sie das Recht Privatsphäre. Reagieren Sie mit Gegenfragen: "Warum ist es so wichtig für euch, ob und wann wir Kinder bekommen?" oder "Hattet ihr euer Kind eigentlich geplant?"

Wenn es mit dem Kinderwunsch nie klappt?

Wie gehen wir damit um, keine Kinder zu bekommen? Diese Frage ist die schwerste aber auch die wichtigste. Wird sie zum Tabu- oder Streitthema, sollten sich Paare therapeutische Hilfe holen. Können Sie das Thema offen besprechen, erwägen Sie auch die Möglichkeiten einer Adoption oder eines Pflegekindes.

Trauerarbeit - ein wichtiger Prozess

Mit dem Kinderwunsch abschließen, das bedeutet für viele ungewollt kinderlose Paare: aufgeben. Die "Trauerarbeit" ist ein wichtiger Prozess des Verabschiedens und des Umdenkens. War vorher der Lebensplan klar gezeichnet - Hochzeit, Karriere, Hausbau, Familiengründung - muss nun zumindest der letzte Teil neu überdacht und eine Alternative gefunden werden.

Überlegen Sie, ob Sie in der letzten Zeit Hobbys hinten angestellt haben. Oder gibt es berufliche Herausforderungen, die Sie jetzt angehen können. Was hindert Sie daran, jetzt schon diesen Träumen oder Aktivitäten nachzugehen, unabhängig vom Kinderwunsch

Wann ist Schluss mit den Kinderwunschbehandlungen?

Setzen Sie sich einen Zeitrahmen für Kinderwunschbehandlungen. Das lässt Ihnen Möglichkeiten, Ihr Leben zu strukturieren, auch, wenn es mit dem Baby nicht klappen sollte. Sie laufen dadurch weniger Gefahr, Ihre Lebensqualität zu verlieren und nur für eine mögliche Schwangerschaft zu leben.

Was kann der Partner tun?

Häufig wird vergessen, dass nicht nur die Frau trauert, wenn es mit dem Kinderkriegen nicht klappt - auch ihr Partner hat sich ein Kind gewünscht und muss mit der Situation leben. Wenn die Stimmung in der Beziehung schon sehr angespannt ist und es nicht gelingt, neue Perspektiven ohne Kind zu entwickeln, ist es ratsam, dies in einer Therapie oder Beratung anzugehen.

Glücklich ohne Kind  

Hilfreiche Tipps finden Paare im Buch "Abschied vom Kinderwunsch" von der Sozialpädagogin Iris Enchelmaier. Sie macht den Vorschlag, sich eine Liste mit all den Vorteilen und Freiheiten zu machen, die kinderlose Paare genießen. Schreiben Sie sich auf, was Sie mit Ihrem Partner erleben können, was als Familie nicht möglich wäre. Planen Sie diese Unternehmungen - eine Städtereise, eine Aktiv- oder Kulturreise - und machen Sie sich bewusst, dass das etwas Besonderes ist. Neue Erfahrungen und Erlebnisse geben Ihnen neue Energie. Überlegen Sie, ob es gemeinsame Projekte gibt, die sie als Paar angehen können.

Ist Ihnen der Umgang mit Kindern sehr wichtig, überlegen Sie, welche Kinder es in Ihrem Umfeld gibt, um die Sie sich ab und an kümmern können. Die Eltern freuen sich bestimmt über eine "Patentante" und -"onkel", die alle zwei Wochen mit den Kindern in den Zoo gehen. Wenn Ihnen der Kontakt zu Familien weh tut, unternehmen Sie mehr mit kinderlosen Paaren. Spätestens dann fällt Ihnen auf, wie frei Sie sind ohne Kinder. 

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