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Künstliche Befruchtung  

Künstliche Befruchtung: "Einmal Junge, bitte!"

14.04.2010, 11:00 Uhr | rev; afp, AFP

Künstliche Befruchtung: "Einmal Junge, bitte!". In manchen Ländern ist es sogar möglich bei der künstlichen Befruchtung das Geschlecht auszuwählen. (Bild: imago)

In manchen Ländern ist es sogar möglich bei der künstlichen Befruchtung das Geschlecht auszuwählen. (Bild: imago)

Sohn oder Tochter? In einigen Kliniken in Ägypten haben Eltern die Wahl. Die Selektion der Embryos vor der Einpflanzung bei einer künstlichen Befruchtung macht es möglich. Was für manche medizinischer Fortschritt ist, überschreitet für andere die Grundsätze von Ethik und Moral. Obwohl Geistliche die Praxis missbilligen und einige Politiker sie verbieten wollen, wird das Verfahren in dem vorwiegend islamischen Land seit vier Jahren angeboten. Die meisten Paare, die in die Kliniken kommen, wollen Söhne.

Hier können Eltern wählen

Bei dem Mediziner Aschraf Sabry in Kairo haben Eltern die Wahl: "Es gibt Leute, die schon viele Mädchen haben und die ein Kind mit anderem Geschlecht wollen", sagt Sabry. Aber "es kommt auch vor, dass Familien unbedingt einen Sohn brauchen, um einen Namen oder ein Erbe weiterzugeben." Verantwortlich dafür sind die islamischen Erbfolgeregeln, die männliche Nachkommen bevorzugen. Die Kunden sind wohlhabend, da das Verfahren zwischen 3000 und 4000 Euro kostet, eine für die meisten Ägypter unerschwingliche Summe. Eine Garantie, dass das Neugeborene tatsächlich das gewünschte Geschlecht hat, gibt das Krankenhaus allerdings nicht.

Verstoß gegen den Willen Gottes?

Eine ehemalige Kundin der Klinik, wie die meisten muslimischen Ägypterinnen verschleiert, erzählt anonym: "Ich bin verheiratet und Mutter von vier Mädchen. Mein Mann und ich haben Dr. Sabry konsultiert. Dank der künstlichen Befruchtung haben wir nun einen kleinen Jungen von zwei Jahren." Mediziner wie der Gynäkologe Ehab Suleiman finden nicht, dass die Praxis gegen den Willen Gottes verstößt. "Wir verändern nicht das Gleichgewicht der Geschlechter. Es ist immer Gott, der die Operation gelingen lässt oder nicht."

Mediziner sind sich uneinig

Islamische Geistliche wie auch Vertreter der christlichen Minderheit der Kopten sind anderer Meinung. Sie argumentieren, geschlechtsspezifische Selektion greife in die göttliche Ordnung ein. Auch unter Medizinern herrscht Uneinigkeit. "Ich sehe keine Notwendigkeit, zwischen Junge oder Mädchen zu wählen, wenn ein Paar noch kein Kind hat. Was Paare mit zwei, drei oder mehr Mädchen angeht, so müssen sie einen Geistlichen besuchen, wenn sie ein Problem damit haben", sagt der Experte für In-Vitro-Fertilisation (IVF), Abdelschehid Aser. Er weigert sich, Embryonen nach Geschlecht zu selektieren.

Nachwuchs nach Maß - auch in den USA

Doch nicht nur in Ägypten sind die so genannten "Designer-Babys" Anlass für Kritik und Diskussionen: Schon seit Jahren verhilft der amerikanische Fortpflanzungsmediziner Jeffrey Steinberg Kunden zum Kind nach Wunsch. Bisher kamen Paare mit Kinderwunsch vor allem zu ihm, weil sie unbedingt ein Mädchen oder unbedingt einen Jungen wollen - nicht nur Paare aus den USA, sondern auch aus Kanada, Europa oder Asien. Im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" erklärte Steinberg, dass er die Geschlechtswünsche bei der künstlichen Befruchtung bisher zu 100 Prozent erfüllen konnte: "Bevor wir eine Eizelle in die Mutter einpflanzen, überprüfen wir ihre genetische Zusammensetzung auf das weibliche X- und das männliche Y-Chromosom. So lässt sich mit Sicherheit sagen, ob aus dem Embryo ein Knabe oder ein Mädchen wird."

"In Europa müsste ich hinter Gitter"

Mit dieser Methode ist Steinberg zum Multimillionär geworden. In Europa wäre dies nicht möglich gewesen, da hier die Selektion der einzupflanzenden Eizellen nicht erlaubt ist. Und auch Steinberg weiß: "Für vieles, was wir hier tun, müsste ich in Europa hinter Gitter." Auf den Vorwurf, er fabriziere Designer-Babys, reagierte Steinberg im "Zeit"-Interview nüchtern: "Ich fabriziere keine Babys. Ich beobachte den Prozess und wähle aus. Ich lasse bloß Sperma auf eine Eizelle fallen und schaue, was die Natur daraus macht. Am genetischen Material ändere ich nichts."

Neues Gesetz soll Selektion verbieten

Auch ein Mediziner wie Sabry profitiert von einer Gesetzeslücke in der heiklen Frage selektiver In-Vitro-Fertilisation, die in zahlreichen anderen Ländern verboten oder sehr streng geregelt ist. Deshalb brachten einige Abgeordnete vor kurzem eine Gesetzesvorlage ein, die die künstliche Befruchtung reglementieren und Selektion nach Belieben verbieten soll. "Ich fürchte, dass bestimmte Paare, die auf natürlichem Wege Kinder haben könnten, auf IVF zurückgreifen, nur um Jungs zu bekommen", betont Ibtissam Habib Mickael von der regierenden Nationaldemokratischen Partei. "Letztendlich kann diese Praxis, wenn sie sich ausbreitet, zu einem Ungleichgewicht in der Gesellschaft führen."

Demografisches Gleichgewicht in Gefahr?

Die Zahl der Paare in Ägypten, die sich das Geschlecht ihres Kindes aussuchen, wird auf einige Dutzend pro Jahr geschätzt. In Ländern wie Indien oder China stören selektive Abtreibungen oder Kindstötungen das demografische Gleichgewicht nachhaltig. Auch wenn in Ägypten nur begrenzt geschlechtsselektiv befruchtet wird - der Wunsch nach einem männlichen Nachkommen ist stark verankert. Nach einer 2007 veröffentlichten Umfrage wollen 90 Prozent der ägyptischen Männer lieber Söhne als Töchter. Sie gaben auch an, sie würden lieber gar keine Kinder haben als nur Mädchen. 10.000 Ägypter wollten sich der Umfrage zufolge scheiden lassen, weil ihre Frau nur Mädchen gebar.

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