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Kinderwunsch: Biologie-Professor gegen Verbot von Eizellen-Spenden

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"Das Verbot von Eizellen-Spenden ist nicht zeitgemäß"

13.04.2012, 18:43 Uhr | dapd

Kinderwunsch: Biologie-Professor gegen Verbot von Eizellen-Spenden. Professor Ralf Dittrich leitet die Reproduktionsmedizin am Uniklinikum in Erlangen. (Quelle: privat/dapd)

Professor Ralf Dittrich leitet die Reproduktionsmedizin am Uniklinikum in Erlangen. (Quelle: privat/dapd)

Die Geburt von Deutschlands erstem Retortenbaby vor 30 Jahren in Erlangen war eine Sensation. Der damals behandelnde Arzt und wissenschaftliche Vater der In-Vitro-Fertilisation (IVF), Siegfried Trotnow, ist 2004 gestorben. Seine Arbeit wird vom Biologie-Professor Ralf Dittrich weitergeführt. In einem Gespräch mit dapd-Korrespondentin Brigitte Caspary äußerte sich der Leiter der Reproduktionsmedizin an der Uniklinik Erlangen zum aktuellen Stand der IVF, zu Zukunftsperspektiven und zum Verbot von Eizellen-Spenden.

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Jährlich bis zu 15.000 Retortenbabys in Deutschland

Frage: Welche Entwicklung hat die In-Vitro-Fertilisation in den vergangenen 30 Jahren gemacht?

Dittrich: Die klassische Methode der IVF, das Zubringen von vielen Spermien zu einer Eizelle außerhalb des Körpers, ist im Prinzip unverändert geblieben. Man verwendet heutzutage aber etwas andere Gefäße und andere Flüssigkeiten, in denen sich die Eizelle befindet. Neu hinzugekommen ist vor etwa 15 bis 20 Jahren die sogenannte Intrazytoplasmatische Spermieninjektion, durch die die männliche Unfruchtbarkeit behandelt werden kann. Damit kann ein Spermium direkt in eine Eizelle eingebracht werden.

Frage: Wie häufig wird die Methode inzwischen angewandt?

Dittrich: In Deutschland werden jährlich etwa knapp 50.000 Einpflanzungen von In Vitro befruchteter Eizellen nach Punktion vorgenommen. Die Erfolgsquote beträgt 25 bis 30 Prozent, das sind 10.000 bis 15.000 Kinder pro Jahr. Allerdings war die Erfolgsquote schon in den Anfangsjahren mit 20 Prozent recht hoch. Einen Quantensprung hat es also nicht gegeben.

Frage: Ist es aus Sicht der Evolution sinnvoll, unfruchtbaren Menschen eine Fortpflanzung zu ermöglichen, oder wird die Unfruchtbarkeit dadurch weitergegeben?

Dittrich: Bis auf wenige, genetisch bedingte männliche Sterilisationsformen wird Unfruchtbarkeit nicht weitergegeben, weil sie meist Folge einer Krankheit, etwa Mumps bei Männern oder einer Infektion mit Bakterien bei Frauen, ist. Allerdings ist die Missbildungsrate nach künstlicher Befruchtung leicht erhöht. Man weiß bis heute auch noch nicht so richtig, ob diese Erhöhung auf der Sterilität der Eltern beruht oder auf das Verfahren. Aber davon sollte sich niemand abschrecken lassen, weil die Erhöhung geringfügig ist.

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Frage: Welche Missbildungen sind das denn?

Dittrich: Ganz normale, die sonst auch auftreten können, also zum Beispiel ein Finger zu viel, aber auch Herzschäden.

Warum man Samenzellen spenden darf, aber Eizellen nicht

Frage: Wohin geht die Entwicklung der IVF?

Dittrich: Ein Quantensprung kann nur kommen, wenn man es schafft, die Implantation zu verbessern, also das Festwachsen des Embryos in der Gebärmutter. In dieser Richtung wird auch geforscht. Sehr schöne Erfolge haben wir mit der sogenannten Kryokonservierung erzielt, dem Einfrieren von Eizellen und Spermien aber auch von Eierstockgewebe. Dies ist sinnvoll für Krebspatientinnen, denen vor der Chemotherapie gesundes Gewebe entnommen und danach wieder eingesetzt wird. In den vergangenen vier Jahren haben wir in Erlangen sieben solche Eingriffe vorgenommen, eine Patientin hat bereits ein Baby bekommen. Weltweit ist sie die zehnte Patientin, die mit Hilfe des eingefrorenen Eierstockgewebes ein Kind geboren hat.

Frage: Was halten Sie von dem in Deutschland geltenden Verbot von Eizellen-Spenden?

Dittrich: Es ist aus meiner Sicht fragwürdig und auch nicht ganz klar, weil ja die Samenspende nicht verboten ist. Die Spende männlicher Keimzellen ist also erlaubt, die weiblicher Keimzellen nicht. Das ist für mich ein gewisser Widerspruch. Juristisch wird es mit dem mittelalterlichen Recht erklärt, wonach ein Kind immer von der Mutter stammen müsse. Aber das ist auch nicht mehr zeitgemäß. Denn für viele Frauen ist eine Eizellen-Spende die einzige Möglichkeit, ein Kind zu bekommen. Davon sind auch junge Frauen betroffen, wenn sie zum Beispiel unter einer Krankheit leiden, die eine vorzeitige Menopause hervorruft oder nach einer Krebsbehandlung nicht mehr schwanger werden können. Ich sehe da keine Verletzung der Sorgfaltspflicht dem Kind gegenüber.

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