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Verhinderungspflege: Anspruch, Leistungen und Antrag

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Änderungen 2015  

Verhinderungspflege: Anspruch, Leistungen und Antrag

29.05.2015, 08:53 Uhr | cf, anni

Verhinderungspflege: Anspruch, Leistungen und Antrag. Auch pflegende Familienangehörige werden einmal krank – in solchen Fällen greift die Verhinderungspflege. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auch pflegende Familienangehörige werden einmal krank – in solchen Fällen greift die Verhinderungspflege. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auch Menschen, die dauerhaft Angehörige pflegen, brauchen Erholung oder werden einmal krank. Dann kommt ihnen die Verhinderungspflege der zuständigen Pflegekasse zu Hilfe – egal, ob über längere Zeit oder stundenweise. Lesen Sie hier alles zu Anspruch und Leistungen und was sich an der Verhinderungspflege 2015 geändert hat.

Was ist Verhinderungspflege?

Die Verhinderungspflege, auch Ersatzpflege genannt, gehört zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Die zuständige Pflegekasse kommt für nachgewiesene Kosten auf, die entstehen, wenn eine private Pflegeperson für gewisse Zeit abwesend ist. Gründe für die Verhinderung sind laut Sozialgesetzbuch § 39 SGB XI zum Beispiel Erholungsurlaub oder Krankheit.

Mögliche Dauer der Ersatzpflege

Wird dem Anspruch auf Verhinderungspflege zugestimmt, gewährt die Pflegekasse entsprechende Leistungen pro Kalenderjahr maximal sechs Wochen oder 42 Tage. Die Tage können dabei frei über das Jahr verteilt werden.

Zudem ist es möglich, die Verhinderungspflege stundenweise zu beantragen – sofern die pflegende Person nicht mehr als acht Stunden abwesend ist, rechnet die Pflegekasse keinen gesamten Tag an. Eine solche Lösung bietet sich zum Beispiel an, wenn Pflegepersonen

  • einen Amtsgang erledigen,

  • einen Arzttermin wahrnehmen oder

  • zu einem Bewerbungsgespräch erscheinen.

Natürlich können Sie die stundenweise Verhinderungspflege auch beantragen, wenn Sie sich einfach mal freinehmen möchten, um zum Beispiel ins Kino zu gehen.

Voraussetzungen und Anspruch

Den Richtlinien des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zufolge besteht ein Anspruch auf Verhinderungspflege erst, wenn eine pflegende Person mindestens sechs Monate für den Pflegebedürftigen in dessen häuslicher Umgebung gesorgt hat. In der Regel beginnt die Pflege mit der Festsetzung der Pflegestufe durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK).

Die Pflegestufe selbst ist bei der Verhinderungspflege unerheblich: Auch Pflegebedürftige der sogenannten Pflegestufe 0, also Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, wie zum Beispiel Demenzkranke, können die Leistungen beanspruchen.

Antrag auf Verhinderungspflege stellen: So geht's

Die Aufwendungen der Pflegekasse für eine Verhinderungspflege müssen beantragt werden. Die meisten Versicherungen stellen ein Formular für den Antrag auf ihrer Internetseite zur Verfügung, das Sie dann nur noch ausdrucken, ausfüllen und abschicken müssen. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie sich bei verschiedenen Stellen zum Antragsverfahren beraten lassen, zum Beispiel in Sozialämtern oder bei Pflegediensten.

Da private Pflegepersonen nicht selten unvermittelt ausfallen, weil sie beispielsweise krank werden, sind auch kurzfristige oder rückwirkende Anträge möglich. Für Letzteres müssen in der Regel sogenannte zahlungsauslösende Unterlagen vorgelegt werden. Der Krankenkasse AOK zufolge gehören dazu beispielsweise Bescheinigungen über eine Zahlung und Einzahlungen.

Vorsicht: Bei der rückwirkenden Bewilligung kommt es jedoch auch immer auf den Einzelfall an. Informieren Sie sich daher am besten vorausschauend bei der zuständigen Pflegekasse!

Verhinderungspflege 2015: Aktuelle Leistungen

Seit dem 1. Januar 2015 gilt für Leistungen der Verhinderungspflege der Höchstsatz von 1.612 Euro. Die zugestandene Höhe hängt dabei unter anderem von der Stellung der Person ab, die die häusliche Pflege ersatzweise übernimmt. Der Maximalbetrag kann zum Beispiel bewilligt werden, wenn die Aufgabe von einem ambulanten Pflegedienst übernommen wird. Ebenfalls bis zu 1.612 Euro können gewährt werden, wenn eine private Ersatzperson den Dienst übernimmt, die

  • nicht in direkter Nachbarschaft des Pflegebedürftigen wohnt,

  • nicht bis zum zweiten Grad mit ihm verwandt ist und

  • nicht mit ihm verschwägert ist.

Pflegt ein nahestehender Angehöriger den Pflegebedürftigen ersatzweise, erhält er nicht die volle Leistung der Verhinderungspflege. Kann er jedoch nachweisen, dass ihm weitere Mehrkosten entstanden sind – durch die Anfahrt etwa oder durch Ausfälle beim Verdienst – wird die Höhe der Leistungen laut BMG auch hier um bis zu 1.612 Euro aufgestockt.

Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege in Kombination

Seit 2015 ist es außerdem möglich, die Verhinderungspflege innerhalb eines Kalenderjahres mit bis zu 50 Prozent der Mittel der Kurzzeitpflege zu kombinieren. Da auch der Höchstsatz der Kurzzeitpflege bei 1.612 Euro liegt, beläuft sich der entsprechende Betrag auf 806 Euro. Es ergibt sich also eine jährliche Höchstsumme von 2.418 Euro, wenn Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zusammengenommen werden.

Der besondere Vorteil dieser Kombination: Pflegebedürftige, die über längere Zeit Betreuung benötigen, die Kurzzeitpflege jedoch nicht nutzen können, weil für sie keine geeignete stationäre Betreuungseinrichtung zur Verfügung steht, profitieren auf diese Weise trotzdem von den Leistungen der Kurzzeitpflege.

Ebenfalls seit dem 1. Januar 2015 wird während der Zeit der Verhinderungspflege die Hälfte des bisher zugeschriebenen Pflegegelds für vier Wochen weiter ausbezahlt.

Was ist der Unterschied zur Kurzzeitpflege?

Die Kurzzeitpflege greift zwar, ähnlich wie die Verhinderungspflege, wenn Pflegepersonen unabkömmlich sind. Die Voraussetzungen sind jedoch andere: Bei der Kurzzeitpflege geht es darum, die pflegebedürftige Person für einen begrenzten Zeitraum in vollstationäre Pflege zu geben. Eine Vorauspflege ist bei der Kurzzeitpflege nicht nötig – bei der zu pflegenden Person kann also gerade erst eine Pflegestufe festgestellt worden sein.

Die Kurzzeitpflege dient dazu, kurzfristig auftretende Engpässe und Krisensituationen im Zusammenhang mit der häuslichen Pflege schnellstmöglich zu entschärfen. Die Regelung greift beispielsweise, wenn der Betreffende nach einem Krankenhausaufenthalt nicht sofort wieder in den Alltag einsteigen kann und entsprechend betreut werden muss.

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