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Verstopfung: Was hinter Verstopfung stecken kann

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Was hinter Verstopfung stecken kann

27.12.2012, 16:54 Uhr | dpa

Verstopfung: Was hinter Verstopfung stecken kann. Verstopfung: Etwa sechs Prozent der Bevölkerung leidet an Verstopfung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Etwa sechs Prozent der Bevölkerung leidet an Verstopfung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wer regelmäßig Abführmittel nimmt, um seine Darmtätigkeit anzuregen, gewöhnt seinen Körper mit der Zeit daran. Betroffene sollten ihrem Problem aber auf den Grund gehen und nicht einfach weiter Abführmittel nehmen. Denn nicht immer ist eine falsche Ernährung schuld an einer Verstopfung.

Medikamente helfen nur auf Zeit

Wer unter chronischer Darmträgheit, also Verstopfung, leidet, löst sein Problem nicht, indem er immer mehr Abführmittel nimmt. "Das geht nur gewisse Zeit", sagt Hans-Michael Mühlenfeld vom Deutschen Hausärzteverband. Der Betroffene umgehe das Problem mit den Medikamenten nur auf chemische oder physikalische Art. "Der Darm wird dann immer träger und das Absetzen wird immer schwieriger", sagt der Allgemeinarzt.

Etwa sechs Prozent der Bevölkerung leidet an Verstopfung

Schätzungen zufolge leiden mindestens fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung an Verstopfung, auch Obstipation genannt. Die Gründe lägen oft in einer ungünstigen Lebensweise mit zu wenig Flüssigkeitszufuhr. "Wenn Sie zum Beispiel durch viel Schwitzen ausgetrocknet sind, macht das einen harten Stuhl - der Körper quetscht den Stuhlgang quasi aus und entzieht damit Wasser", sagt Dietrich Hüppe, Vorsitzender des Berufsverbands Niedergelassener Gastroenterologen.

Mögliche Ursache auch Stoffwechsel- oder Nervenstörung

Bei älteren Menschen tragen aber auch Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder bestimmte Medikamente zu den Beschwerden bei. "Blutdrucksenker wie Betablocker wirken sich auf den Stuhlgang aus", nennt Hüppe ein Beispiel. Parkinson-Medikamente und morphiumhaltige Arzneien könnten die Magen-Darm-Tätigkeit ebenfalls bremsen. Bei jüngeren Menschen sei es eher ein Reizdarmsyndrom, bei dem sich Verstopfungen mit Durchfällen abwechseln, oder eine sogenannte generalisierte Darmträgheit, die auf einer Nervenstörung beruht.

trax.de: Stoffwechselstörung - Symptome erkennen und Schäden vorbeugen

"Abführmittel per se nicht schädlich"

Länger als zwei bis drei Wochen sollten Abführmittel nicht angewendet werden. "Man kann aber ganz klar sagen: Abführmittel sind per se nicht schädlich", beruhigt Christian Pehl, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motiltität. Wer meint, er müsse dauerhaft Abführmittel nehmen, weil er sonst nie auf die Toilette kommt, sollte sich aber an einen Arzt wenden. "Bei denjenigen, die Abführmittel hoch dosiert brauchen, findet man oft eine Störung im Nervensystem des Darms", erläutert der Mediziner, der mit Kollegen derzeit eine Leitlinie zur Behandlung der chronischen Obstipation bei Erwachsenen erarbeitet. Die Nervenstörung sei Ursache, nicht Folge des Abführmittelbedarfs.

Drei Arten chronischer Verstopfung

Pehl unterscheidet drei Arten von chronischer Verstopfungen. Als chronisch gelten die Beschwerden, wenn sie acht bis zwölf Wochen andauern: Bei einer Transportstörung, bei der der Stuhl verzögert den Dickdarm passiert, sei das Nervensystem gestört. Bei einer Entleerungsstörung sei der Transport bis in den Enddarm dagegen kein Problem, allerdings falle dem Patienten die Entleerung schwer. Das könne organische Gründe haben, zum Beispiel, wenn bei einer Frau durch eine Geburt die Bindegewebsplatte zwischen Scheide und Enddarm zerstört ist.

Auch psychische Faktoren können zu Verstopfung führen

Die dritte Art bezeichnet Pehl als habituelle Obstipation, deren Ursache noch etwas unklar sei. Bei der körperlichen Untersuchung lasse sich keine krankhafte Veränderung im Darmtrakt feststellen. Der Stuhl dicke aber ein, und der Darm sei sehr träge. "Der Lebensstil kann in diesem Fall schon eine Rolle spielen, aber die Ursache ist nicht ein banaler Ballaststoffmangel, zu wenig Sport und unzureichendes Trinken." Es gebe gute Studien, wonach psychische Faktoren in Betracht kommen. Bewusst oder unbewusst unterdrücke der Patient den Stuhldrang, dadurch verlangsame sich die Darmpassage.

Ballaststoffe halten den Darm in Bewegung

In vielen chronischen Fällen raten Ärzte zunächst, den Ballaststoffanteil an der Ernährung etwa durch Vollkornprodukte zu erhöhen - "wenn man es verträgt", sagt Hüppe. Flüssiger, weicher und daher besser auszuscheiden werde der Stuhl auch durch die ergänzende Einnahme von Ballaststoffen wie Weizenkleie oder Flohsamen. Synthetisch hergestellte Ballaststoffe aus der Apotheke sind eine weitere Option. "Der Körper nimmt sie nicht auf, sie bleiben im Darm und halten dort Wasser - der Darm hat zu tun", erläutert Mühlenfeld. Das trainiere den Verdauungstrakt, der ein Muskelschlauch sei. Und ein Muskel, der nicht bewegt wird, verkümmere.

Langanhaltende Verstopfung kann auf ernste Erkrankung deuten

In akuten Fällen setzt der Hausarzt auch auf sogenannte Laxanzien, das sind Medikamente, die die Beweglichkeit des Darms fördern. Rhizinusöl, das Wasser im Darm hält, gasbildende Zäpfchen, die einen Stuhlpfropfen im Darm lösen sollen, und Einläufe sind weitere Methoden. Grundsätzlich gelte: Je länger die Verstopfung anhält, desto eher stecke eine ernste Erkrankung dahinter, sagt Mühlenfeld. Dickdarmkrebs zum Beispiel kann sich so bemerkbar machen.

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