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Asperger-Autismus: Vier Betroffene erzählen aus ihrem Leben

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Autismus Teil 1  

"Oft wünschte ich, die Menschen wären nummeriert"

28.01.2013, 12:34 Uhr | Spiegel Online

Asperger-Autismus: Vier Betroffene erzählen aus ihrem Leben. Viele Asperger-Autisten können sich Zahlen und Nummern gut merken. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Viele Asperger-Autisten können sich Zahlen und Nummern gut merken. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sie haben Probleme, soziale Kontakte zu knüpfen, tun sich schwer, Mimiken zu erkennen, und gelten oft als sonderbar. Doch eigentlich sind Asperger-Autisten nur eines: anders. Vier Betroffene erzählen über ihr Leben mit der Störung - und wie sie ihren Alltag damit meistern.

Emotionen zu zeigen, fällt Asperger-Autisten schwer

Die eine kann 5690 mal 337 im Kopf rechnen, der andere ist musisch besonders begabt, die nächste kann sich keine Gesichter merken, und wieder eine andere schreibt Bücher über das, was diese vier Menschen so besonders macht: Sie sind Asperger-Autisten, Menschen also mit einer bestimmten Form von Autismus, die im sozialen Umgang mit anderen Probleme haben und deshalb als sonderbar und eigenbrötlerisch gelten.

Dabei haben sie nur Schwierigkeiten damit, ihre Emotionen so zu äußern und die Gefühle anderer zu erkennen, wie andere Menschen es tun. Denn Asperger-Autisten können emotionale Signale oft nur schwer deuten und müssen sich Verhaltensmuster wie Stirnrunzeln, Lächeln oder das Erheben der Stimme erst antrainieren. Die häufige Folge: Mobbing in der Schule oder im Beruf. Vielen ist aber nicht bewusst, was das Asperger-Syndrom ist und warum sich Menschen mit dieser Entwicklungsstörung anders verhalten.

Betroffene erzählen vom Leben mit dem Asperger-Syndrom - und wie sie den Alltag meistern.

"Oft wünschte ich, die Menschen wären nummeriert"

Natalie Nabla*, 24, Asperger-Autistin, Studentin

"Das Asperger-Syndrom machte sich bei mir schon in meiner Kindheit bemerkbar: Am liebsten spielte ich allein, höchstens aber mal mit Jungs. Und ich hatte Spezialinteressen. Mich faszinierten Lexika. Als ich zehn war, las ich über Monate ein zehnbändiges Lexikon durch. Später klassifizierte ich teilweise stundenlang Wolken nach deren Größe, Art und Beschaffenheit.

Diese Andersartigkeit, wie ich die Störung bezeichne, hat auf der einen Seite dazu geführt, dass ich Details sehr gut wahrnehmen und mir gut merken kann und ein sehr gutes Gefühl für Zahlen habe. So kann ich beispielsweise problemlos 5690 mal 337 im Kopf multiplizieren. Ich habe auch schon mal Tabellen zur Binomialverteilung auswendig gelernt. Für mein Studium sind diese Fähigkeiten hilfreich: Ich studiere Biophysik und Biochemie.

Dagegen ist es sehr schwierig für mich, mir Gesichter zu merken. Hin und wieder passiert es zum Beispiel, dass ich Kommilitonen auf Fotos nicht wiedererkenne. Oft wünsche ich mir, die Menschen wären nummeriert. Das würde vieles für mich leichter machen.

Probleme bereitet mir insbesondere das Interpretieren von Mimiken und Gestiken. Wenn ich etwa Kommilitonen oder dem Professor Ergebnisse meiner Arbeiten vorstelle, fällt es mir schwer zu erkennen, ob sie kritisch, fragend oder nachdenklich gucken.

Mimiken erkennen kostet Kraft

Es wäre mir unangenehm, wenn andere wüssten, dass ich Dinge nicht kann, die anderen angeboren sind. Während andere Menschen ganz automatisch zum Beispiel die Stirn in Falten legen oder ihre Stimme erheben, musste ich das über viele Jahre trainieren. Manchmal passiert es mir dennoch, dass ich völlig monoton und mit neutralem Blick "Das war das tollste Erlebnis dieses Jahres!" sage.

Viele Menschen reagieren irritiert, wenn ich ihnen während eines Gesprächs nicht in die Augen blicke, sondern stattdessen das ganze Gesicht mustere. Nur muss ich sehr viel Energie in die Interpretation von Mimiken stecken, vor allem bei lebhaften Diskussionen mit mehreren Personen. Deshalb brauche ich zur Erholung oft Zeit für mich allein. Besonders wichtig ist ein absolut gleichförmiger Tagesablauf. Spontane Treffen mit Bekannten sind für mich nicht möglich.

Asperger-Autisten fallen oft nicht auf

Eigentlich fallen wir nicht so sehr auf wie andere, stärker betroffene Autisten. Nur gelegentlich verraten wir uns durch eine oft sehr formelle Sprachweise, einen ungewöhnlichen Gang oder einen ungewöhnlichen Humor. Doch trotz meiner Mühen, möglichst nicht aufzufallen, gelte ich überall an der Uni als sonderbar. Asperger-Autisten sind meistens extrem egozentrisch und stur. Es kostet viel Kraft, nicht so zu sein, und ich kann es nicht immer abschalten.

Dabei habe ich ebenso wie andere Menschen viele Gefühle, auch wenn man mir das nicht ansieht. Ich mag vielleicht anders fühlen. Aber Mitleid zum Beispiel kann ich durchaus empfinden, auch wenn sich der Mythos hält, dass Autisten das nicht könnten. Ich empfinde aber nur Mitleid gegenüber Leuten, die ich kenne."

*Name geändert

Lesen Sie hier "Asperger-Autismus Teil 2: Vier Betroffene erzählen aus ihrem Leben"

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