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Immer mehr Männer sind von HPV betroffen

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Fast jeder irgendwann betroffen  

Humane Papillomviren infizieren immer mehr Männer

22.09.2017, 12:09 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Immer mehr Männer sind von HPV betroffen. Humane Papillomviren (HPV) unter dem Elektronenmikroskop. Fast jeder Mensch kommt in seinem Leben mit den Viren in Kontakt. (Quelle: dpa)

Humane Papillomviren (HPV) unter dem Elektronenmikroskop. (Quelle: dpa)

Fast jeder Mensch infiziert sich im Laufe seines Lebens mit humanen Papillomviren, kurz HPV. Die meisten von ihnen sind harmlos. Doch besonders die HPV-Typen 16 und 18 gelten als gefährlich, weil sie Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Wer jetzt denkt, das sei Frauensache, irrt. Denn neben der weiblichen Risikogruppe sind auch immer mehr Männer betroffen. Wir haben eine Expertin gefragt, welche Erkrankungen drohen können.

Die am häufigsten nachgewiesene, durch HPV hervorgerufene Krebserkrankung ist Gebärmutterhalskrebs. Aber auch Männer erkranken: Denn die Viren können neben den weiblichen Geschlechtsorganen auch Penis und After befallen und dort ebenfalls Krebs hervorrufen. Auch Mund, Rachen und Kehlkopf gehören zu den betroffenen Bereichen. Es gibt etwa zwölf dieser sogenannten Hoch-Risiko-Erreger, bei denen die Gefahr für eine Zellentartung besonders groß ist. Darunter vor allem HPV 16 und 18.

Fast alle Erwachsenen infizieren sich mit HPV

"Die meisten Erwachsenen kommen während ihres Lebens mit HPV in Kontakt. Das betrifft Frauen gleichermaßen wie Männer", weiß Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). "Und die HPV-Infektionen nehmen auch bei Männern weiter zu."

Der Grund sind Veränderungen im Sexualverhalten. Die Zahl der wechselnden Sexualpartner steigt stetig. Auf die Frage, ob HPV-Infektionen zur neuen Seuche werden, antwortet die Krebsexpertin: "Hierbei kommt es darauf an, wie man Seuche definiert. Setzt man die Häufigkeit der Infektion in den Fokus, kann man die Frage mit einem klaren Ja beantworten. Schaut man sich die Häufigkeit an, mit der Menschen daran erkranken, eher nicht."

Eine Infektion allein macht noch keinen Krebs

Weg-Remers betont, dass man zwischen der Infektion und einer daraus resultierenden Erkrankung streng unterscheiden muss. Das Immunsystem ist in den meisten Fällen stark genug, das Virus erfolgreich zurückzudrängen. Dann heilt die Infektion ohne Symptome wieder aus – selbst dann, wenn der Infekt durch krebsfördernde Viren ausgelöst wurde. Bei einem kleinen Teil der Betroffenen bleibt die Infektion weiter bestehen. Dann drohen Krebs und Genitalwarzen.

"Je nachdem, welche Studie man heranzieht, schwankt der Anteil der Männer, die gerade HPV in sich tragen, abhängig von der jeweiligen Stichprobe bei 1,3 bis 65 Prozent", erklärt Weg-Remers. "Je größer die Zahl der Sexualpartner ist, desto höher ist das Risiko für einen Infekt und somit auch für eine Erkrankung." Und: Selbst wenn das Immunsystem die HP-Viren erfolgreich bekämpfen konnte, kann man sich jederzeit wieder neu infizieren – wieder mit dem Risiko, dass die Infektion nicht vollständig ausheilt und dann in manchen Fällen zu Krebs führen kann.

Veränderungen im Intimbereich ernst nehmen

Jährlich erkranken etwa 500 deutsche Männer an einem Peniskarzinom – ein Großteil der Erkrankungen wird ausgelöst durch die Hochrisikoviren 16 und 18. Die Erkrankungsrate bei Analtumoren ist ähnlich. Das Risiko an Genitalwarzen zu erkranken, ist allerdings deutlich größer: Etwa 40 HPV-Typen befallen vorrangig Geschlechtsorgane und After. Besonders HPV 6 und 11 sind für die Warzen verantwortlich.

HP-Viren können ein Leben lang verbleiben

Von den hochansteckenden, gutartigen Genitalwarzen sind Frauen und Männer gleichermaßen betroffen. "Es wird geschätzt, dass zwei von 100 Personen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren Genitalwarzen aufweisen", erklärt Weg-Remers. Ein Teil der Warzen nimmt über Jahre hinweg an Größe und Zahl zu. Der andere Teil heilt aus. Doch selbst nach dem Abheilen der Genitalwarzen können die HP-Viren ein Leben lang am Infektionsort verbleiben. Sie verursachen in der Regel zwar keine neuen Symptome, allerdings können sie auf andere Sexualpartner übertragen werden.

 "Entdecken Männer und Frauen im Intimbereich Veränderungen wie eine andere Hautbeschaffenheit, Knötchen oder Juckreiz, sollten sie schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen", so der Rat der Expertin. Besonders gefährdet, sich mit dem Virus zu infizieren, sind Männer, die häufig Sex mit neuen Bekanntschaften haben. Tragen sie das Virus erst einmal in sich, geben sie dieses an ihre Sexualkontakte weiter.

HPV-Infektion kann nicht bekämpft werden

Die meisten wissen nicht, dass die Viren in ihrem Körper sind, da die Infektion selbst keine Symptome hervorruft. Doch auch, wenn im Zuge einer Untersuchung eine Infektion festgestellt wird, kann man nichts machen: "Die Viren kann man nicht behandeln", weiß Weg-Remers. "Erst die Krebsvorstufen, der Krebs selbst oder die Genitalwarzen können therapiert werden. Aber es gibt Forschungen in diese Richtung."

Experten diskutieren Impfung für Jungen

Einen vorbeugenden Schutz kann die HPV-Impfung bieten, die aber möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr gespritzt werden sollte, also vor dem ersten Kontakt mit den Viren. Bisher ist die Impfung hauptsächlich für junge Frauen vorgesehen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Unter Experten heftig diskutiert, wird die Frage, ob auch junge Männer geimpft werden sollten. "Im Bundesland Sachsen gibt es bereits eine Impfempfehlung für Jungen vor der Geschlechtsreife. Der Gedanke dahinter ist, dass geimpfte Jungen zum einen selbst geschützt sind und zum anderen die Viren nicht mehr an ihre Partnerinnen weitergeben können", erklärt Weg-Remers.

Und wie steht sie selbst dazu? "Meiner persönlichen Auffassung nach stellt die Impfung von Jungen eine wichtige Maßnahme gegen die Verbreitung von HPV dar. Denn besonders die jungen Männer sind sexuell sehr aktiv. Wären Mädchen und Jungs geschützt, könnte die Verbreitung der humanen Papillomviren eingedämmt werden."

Weniger Krebsvorstufen durch Gebärmutterhalskrebs-Impfung

Bisher werden, außer in Sachsen, für Jungen die Kosten für die Impfung in der Regel noch nicht übernommen. "Am besten fragen interessierte Eltern bei ihrer zuständigen Kasse nach", empfiehlt Weg-Remers. Da die Impfung allerdings noch recht neu ist, gibt es noch keine Langzeitstudien, die beweisen können, dass die Impfung wirklich sicher vor Krebs schützen kann. Aber: "Seitdem junge Frauen geimpft werden, konnte man beobachten, dass die Anzahl der Krebsvorstufen zurückgegangen ist", weiß die Krebsexpertin.

Impfschutz auch gegen Genitalwarzen?

Und wie sieht es mit einer Impfung gegen Genitalwarzen aus? Da die Genitalwarzen in 90 Prozent der Fälle durch die Niedrigrisikotypen HPV 6 und 11 ausgelöst werden, zeigt die vorhandene Impfung mit dem Zweifachimpfstoff Cervarix keine schützende Wirkung, wie Weg-Remers weiß. "Die vorbeugende HPV-Impfung mit dem Vierfachimpfstoff Gardasil hingegen, der gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 wirkt,  kann Männer und Frauen auch vor der Entstehung von Genitalwarzen schützen. Eine 100-prozentige Garantie gibt es jedoch nicht", erklärt Weg-Remers. Bei häufig wechselnden Sexualpartnern hilft nur eines, das Ansteckungsrisiko zu senken: Kondome schützen.

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