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Das Gehirn – eine Mülldeponie?

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Alzheimerforschung  

Das Gehirn – eine Mülldeponie?

24.05.2017, 13:02 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, t-online.de

Das Gehirn – eine Mülldeponie?. Alzheimer: Plaques im Gehirn – Ursache oder Wirkung?  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/selvanegra)

Alzheimer: Plaques im Gehirn – Ursache oder Wirkung? (Quelle: selvanegra/Thinkstock by Getty-Images)

Die Alzheimer-Krankheit greift in die Gehirnfunktion ein: Vergesslichkeit, Sprachstörungen und Veränderungen der Persönlichkeit gehören zu den Folgen. t-online.de hat einen Alzheimer-Experten gefragt, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, warum Alzheimer bisher nicht geheilt werden kann und wie man der Erkrankung am besten vorbeugt.

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Zu Beginn der Erkrankung wird die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen im Gehirn zuerst gestört, im späteren Stadium sterben die Nervenzellen schließlich ab. Was man heute weiß: Zwei Eiweiße, die sich zwischen und in den Nervenzellen im Gehirn ablagern, Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen genannt, stehen mit Alzheimer in Zusammenhang. Welche Rolle sie genau spielen, ist noch nicht abschließend geklärt.

Alzheimer ist nicht heilbar

„Wären die Eiweißablagerungen im Gehirn die Hauptursache von Alzheimer, wäre die Forschung sicher ein großes Stück weiter. Doch die Erkrankung ist sehr komplex und es gibt viele mögliche Auslöser, die in Betracht gezogen werden müssen“, sagt Professor Thomas Arendt, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Alzheimer Forschung Initiative e.V. und Leiter des Paul-Flechsig-Instituts für Hirnforschung der Universität Leipzig.

„Eiweißplaques möglicherweise eine Art Mülldeponie“

Zwar gebe es Untersuchungen, in denen es gelungen sei, die Eiweiß-Plaques zu reduzieren. Eine wirkliche Verbesserung der Erkrankung konnte durch diese Maßnahme allerdings noch nicht nachgewiesen werden.

„Ich unterstütze die Theorie, dass diese Eiweiße eine Art Mülldeponie sind, um gehirnschädigende Substanzen zu binden, die nicht abgebaut werden können“, sagt Arendt. „Die Ablagerungen wären demnach nicht Auslöser der Erkrankung, sondern eine Begleiterscheinung. Sollte diese Theorie stimmen, wäre natürlich auch die Frage, wie sinnvoll es ist, diese Ablagerungen aufzulösen und zu riskieren, die Schadstoffe wieder in den Körper zu schleusen. Aber auch hierzu gilt: Weitere Forschungen sind nötig.“

Die Alzheimer-Erkrankung im Blick der Wissenschaft

Doch nicht nur die Ablagerungen im Gehirn sind Gegenstand der Alzheimer-Forschung. Die Wissenschaft geht aktuell einer Reihe von Hinweisen nach, die möglicherweise an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sind.

So wird unter anderem erforscht, welche zellulären und molekularen Störungen Fehlleistungen des Gehirns begünstigen. Es wird auch diskutiert, ob möglicherweise veränderte Nervenzellen, die ein Zuviel an DNA im Gepäck haben, zu den Veränderungen im Gehirn führen. „Dann müsste man fragen, woher kommt dieses Zuviel an DNA und wann kommt es zu der vermehrten Bildung. Ist dies angeboren oder entwickelt es sich aufgrund verschiedener Einflussgrößen im Laufe der Jahre“, so Arendt.

Es ist unklar, ob Alzheimer jemals heilbar sein wird

Bestimmte Biomarker ausfindig zu machen, die Hinweise auf die Alzheimer-Krankheit geben könnten, lange bevor diese ausbricht, ist ebenfalls Gegenstand der Forschung. Präventive Maßnahmen sowie das Hinauszögern der Krankheit sind ebenso von Bedeutung. „Sie sehen, das Feld, in dem man forschen muss, ist groß und komplex. Das erklärt, warum die Heilung von Alzheimer eine so große Herausforderung ist“, so der Experte. „Und wir wissen nicht, ob eine Heilung jemals möglich sein wird.“

Laut Arendt ist es bis heute nicht möglich, das Gehirn und die Gesamtheit seiner komplexen Funktionen und Fähigkeiten – darunter das Gedächtnis, die Sprache und die Motorik – in ausreichendem Maße zu verstehen. Da die Alzheimer-Krankheit aber genau diese Bereiche berührt, ist ihre Erforschung so schwierig. Hinzu kommt: „Da die Störungen typisch menschliche Fähigkeiten betreffen, sind Tierversuche in diesem Forschungsbereich nur bedingt erfolgversprechend“, ergänzt der Experte.

Medikamente zögern den Krankheitsverlauf bis zu einem Jahr hinaus

Doch welche Möglichkeiten einer Behandlung gibt es? Bisher liegt der Fokus vor allem darauf, die Erkrankung hinauszuzögern und die Symptome zu lindern. Zu den wichtigsten Medikamenten, die hierfür zum Einsatz kommen, zählen laut dem Alzheimer-Experten sogenannte Acetylcholinesterase-Hemmer. Sie zögern den Abbau des Enzyms Acetylcholin hinaus.

Acetylcholin regelt die Signalübertragung zwischen bestimmten Nervenzellen im Gehirn. Bei der Alzheimer-Krankheit wird dieses Enzym nicht mehr in ausreichender Menge produziert. „Die Acetylcholinesterase-Hemmer verlangsamen den Abbau von Acetylcholin und gleichen einen Mangel im frühen bis mittleren Stadium der Krankheit für einige Zeit aus“, erklärt Arendt. „Die Patienten bleiben so länger unabhängig, da die kognitive Leistungsfähigkeit nicht so schnell abnimmt.“ Bis zu einem Jahr lässt sich der Erkrankungsprozess so verlangsamen.

Weitere Medikamente, die für die Alzheimer-Therapie zum Einsatz kommen, sind Präparate mit beruhigender und antipsychotischer Wirkung (Neuroleptika), Antidepressiva sowie durchblutungsfördernde Medikamente. Zu den nicht-medikamentösen Therapiemaßnahmen gehören unter anderem Verhaltenstherapien, Gedächtnisstimulation, Realitäts-Orientierungs-Trainings, Musiktherapie, Physiotherapie und Ergotherapie.

Alzheimer: Der Fokus liegt auf der Prävention

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Patienten nach der Diagnose der Alzheimer-Krankheit liegt bei etwa acht bis zehn Jahren. „Dabei muss berücksichtigt werden, dass die ersten Veränderungen im Gehirn bereits viele Jahrzehnte vorher einsetzen. Die Prävention spielt neben den Behandlungsmöglichkeiten daher eine bedeutende Rolle“, sagt Arendt. 

Bluthochdruck und Übergewicht sind Alzheimer-Risikofaktoren

Laut dem Alzheimer-Experten zählen neben genetischen Faktoren und dem Alter vor allem Bluthochdruck, Übergewicht sowie der Konsum von Genuss- und Nervengiften wie Zigaretten und Alkohol zu den bedeutsamen Risikofaktoren für das schleichende Vergessen.

Bluthochdruck schädigt auf Dauer die Gefäße – auch im Gehirn. Und er begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die sich auf die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung im Gehirn auswirken. Übergewicht hingegen geht mit kritischen Entzündungsreaktionen im Fettgewebe einher, die letztlich ebenfalls das Gehirn betreffen.

Stöße auf den Kopf vermeiden

Auch gehirnschädigende Einflussgrößen wie Stöße und Schläge auf den Kopf, wie sie etwa bei den Kontaktsportarten Fußball und Boxen vorkommen, sollten vermieden werden. „Diese sind ein riesiges Problem für das Gehirn. Schädel-Hirn-Traumata sind sehr kritisch einzuschätzen, was das Alzheimer-Risiko betrifft“, so Arendt.

Übermäßiger Stress belastet das Gehirn ebenfalls. Was dem Denkvermögen hingegen gut tut, sind Bewegung, Denksport und soziale Interaktion. „Unser Gehirn ist wie ein Muskel. Es will gefordert werden“, betont der Experte. „Dann bleibt es länger leistungsfähig.“  

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