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Strohballenhaus bauen: Vor- und Nachteile des Hausbaus mit Stroh

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Vor- und Nachteile des Hausbaus mit Stroh

28.09.2015, 17:46 Uhr | Tom Nebe; rw, zuhause.de, dpa-tmn

Strohballenhaus bauen: Vor- und Nachteile des Hausbaus mit Stroh. 750 Strohballen stecken in den Wänden dieses Hauses. (Quelle: shaktihaus.de/dpa; Montage: zuhause.de)

750 Strohballen stecken in den Wänden dieses Hauses. (Quelle: shaktihaus.de/dpa; Montage: zuhause.de)

Nicht nur optisch ist ein Strohballenhaus kaum von konventionell gebauten zu unterschieden. Auch in puncto Wärmedämmung und Brandwiderstrand können es moderne Häuser aus Stroh mit den meisten Fertig- und Massivhäusern aufnehmen. Unschlagbar ist die Ökobilanz beim Hausbau mit Stroh. Allerdings hat der Baustoff seine Grenzen und die Baukosten eines Strohballenhauses fallen meist einen Tick höher aus. Wie ein Hausbau mit Stroh abläuft, zeigen wir in der Foto-Show.

750 Ballen Stroh stecken in den Wänden des Hauses von Susanne Körner und Tilman Schäberle. Das Architektenpaar hat sich auf den Hausbau mit nachwachsenden Rohstoffen spezialisiert. Von außen sieht man ihrem bereits 2009 bezogenen Häuschen in Bad König bei Darmstadt nicht an, dass es aus Stroh gebaut ist.

Der Hausbau mit Stroh ist nachhaltig und energieeffizient

Doch der nachwachsende Rohstoff ist am Bau ein echter Alleskönner: "Stroh ist nicht nur als Dämmung geeignet, sondern auch ein wandbildender Baustoff", sagt Schäberle. Das heißt: Die Wände zwischen der tragenden Holzkonstruktion sind aus Stroh. "Der Arbeitsaufwand ist natürlich größer als bei einer Ziegelmauer." Dafür bekam Schäberle den Baustoff aber zum unschlagbaren Preis: "Bei einem Euro pro Ballen haben wir für die gesamten Wände 750 Euro für das Baumaterial gezahlt."

Auch Umweltschutz spielte eine Rolle: "Stroh hat wohl den geringsten Primärenergieeinsatz aller Baustoffe. Im Prinzip braucht es zur Gewinnung nur Diesel im Traktor und die Arbeitskraft des Bauern." Außerdem sei das Raumklima wegen der geringeren Schadstoffbelastung und der besonderen Materialeigenschaften viel besser, schwärmt Schäberle.

Lehm und Holz ergänzen den Baustoff Stroh

Nachwachsende Baustoffe lassen sich an nahezu allen Stellen eines Hauses einsetzen. Für die tragende Konstruktion ist Holz das Material der Wahl. "Um Nachhaltigkeit zu gewährleisten, sollte man beim Holzkauf auf Regionalität achten", empfiehlt Andreas Brückner von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Orientierung bieten Label von Organisationen wie PEFC, FSC oder "Holz von hier". Diese zertifizieren Produkte aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Die Wände im Innenraum tragen Lehmputz. Er nimmt die Feuchtigkeit aus der Raumluft auf und gibt sie bei trockenen Verhältnissen wieder ab. Auf das Dach kommen Holzschindeln oder Schilfrohr, im Dach ersetzt Wachspapier die übliche Folie als Dampfbremse. Als Dämmstoffe kommen Flachs, Hanf, Holzfasern, Schafwolle oder eben Stroh infrage.

Natürliche Dämmstoffe statt Styropor und Mineralwolle

Die Dämmungsqualität sei in der Regel zwar etwas schlechter als bei konventionellen Baustoffen wie Mineralwolle oder Styropor, sagt Klaus-Jürgen Edelhäuser von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. "Wir reden hier jedoch von Unterschieden, die sich in der Energiebilanz des gesamten Gebäudes nicht als wirtschaftlicher Nachteil ausweisen lassen." Auch Brückner sagt: "Haben die Baustoffe eine bauaufsichtliche Zulassung, so sind sie geprüft und damit vergleichbar mit konventionellen Baustoffen."

Heißt konkret: Die Dämmung ist allenfalls marginal schlechter – und bietet dabei andere Vorteile. Natürliche Dämmstoffe können Feuchtigkeit transportieren, ohne Dämmkraft einzubüßen, so das Bundesagrarministerium. Und die Funktion als CO2-Speicher nützt der Umwelt. Dass man mit einer Wärmedämmung aus Stroh auch höchste Dämmstandards erreichen kann, beweist das Strohballenhaus in Bad König: Es entspricht dem KfW-40-Effizienzhausstandard.

Brandsicherheit bei einem Haus aus Stroh

Gerne wird gegen Baustoffe wie Holz und Stroh erhöhtes Brandrisiko als Argument ins Feld geführt. Das ist aber nicht haltbar, wie Rohstoffexperte Brückner versichert. Im Bauordnungsrecht sei der Einsatz nachwachsender Baustoffe bezüglich Brandschutz bis zu Gebäudehöhen von vier bis fünf Stockwerken klar geregelt. In Ein- und Zweifamilienhäusern sei die Gefahr bei Feuer durch natürliche Baustoffe nicht höher als bei deren konventionellen Alternativen.

Eine Wand aus Stroh, verputzt mit Lehm oder Kalk, habe die Brandwiderstandsklasse F90, ergänzt Schäberle. "Sie widersteht einem Feuer mit 1200 Grad Hitze demnach für 90 Minuten." Brennt so ein Haus, entstehen außerdem weniger stark toxische Dämpfe.

Wie lange hält ein Strohballenhaus?

Auch in der Haltbarkeit stehen Häuser aus Stroh, Holz und Lehm ihren Pendents aus Stahl und Beton in nichts nach. Ganz im Gegenteil: "Solide gebaut halten sie sogar länger", sagt Bau-Ingenieur Klaus-Jürgen Edelhäuser. "Hunderte Jahre alte denkmalgeschützte Häuser zeigen, dass Baustoffe wie Holz und Stroh auch langfristig funktionieren." Dagegen wisse man bei modernen Materialien nicht, welche Beschaffenheit und Qualität sie in einigen Jahrzehnten aufweisen.

Baukosten beim Strohballenhaus oft etwas höher

Dennoch hat das ökologisch nachhaltige Bauen mit Stroh auch einen Haken: den Preis. Auch wenn der Baustoff Stroh sehr günstig zu haben ist, wird der Hausbau insgesamt meist etwas teurer, wenn man auf nachhaltige Rohstoffe setzt. "Erfahrungsgemäß müssen Bauherren beim Hausbau mit diesen Baustoffen etwas mehr Geld einplanen", bestätigt Edelhäuser. Rund fünf bis zehn Prozent Mehrkosten seien realistisch, schätzt auch Brückner.

"Bei den Kosten sollte man aber auch bedenken, was die Herstellung der Baumaterialien für den Klimaschutz bedeuten." Holz beispielsweise entziehe der Atmosphäre während seines Wachstums klimaschädliches CO2. Hingegen sei die Herstellung konventioneller Baustoffe meist mit erheblichen Treibhausgasemissionen verbunden.

Nicht immer sind nachwachsende Baustoffe die beste Wahl

Auch wenn ein Haus nahezu vollständig aus nachwachsenden Materialien gebaut werden kann, ganz ohne konventionelle Baumaterialien geht es Brückners Erfahrung nach doch nicht: Erdberührende Gebäudeteile wie das Fundament würden beispielsweise meist aus Beton gefertigt. Pragmatismus hält Architekt Schäberle auch beim Dachbau für angebracht.

Auch wenn es sich dabei nicht um einen nachwachsenden Baustoff handelt, seien Ziegel für die Dacheindeckung oft die beste und auch ökologisch sinnvollste Lösung. "Bei richtiger Anwendung von Dachziegeln kann man auf Folienbahnen zur Abdichtung verzichten."

Wichtig sei beim Bau mit natürlichen Rohstoffen aber die Wahl der Baufirma, findet Schäberle. "Es ist wichtig, dass die Handwerker ein Bewusstsein für die Materialien mitbringen. Sie müssen wissen, warum diese Baustoffe eingesetzt werden." Am besten setzt man auf erfahrene Handwerker mit umfassendem Ansatz. "Ansonsten passiert es am Ende, dass nicht ausreichend gefüllte Ecken in der Dämmung mit konventionellem Bauschaum ausgebessert werden."

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