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Welche Lebensmittel sind eigentlich koscher?

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Religiöse Speisegesetze  

Jüdische Küche: Was ist eigentlich koscher?

03.05.2017, 10:08 Uhr | anni

Welche Lebensmittel sind eigentlich koscher?. Während des Passahfestes essen Juden nicht nur koscher, Sie verzehren auch ausschließlich ungesäuertes Brot. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Während des Passahfestes essen Juden nicht nur koscher, Sie verzehren auch ausschließlich ungesäuertes Brot (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Das ist mir nicht ganz koscher" – diesen Ausspruch hat jeder schon einmal gehört. Er bedeutet, dass etwas nicht in Ordnung oder etwas suspekt ist. Ursprünglich kommt der Begriff "koscher" aus dem jüdischen Glauben und steht für Lebensmittel, die dem Reinheitsgebot Mose entsprechen. Erfahren Sie hier mehr über koscheres Essen.

Koscher: Ursprung und Bedeutung

Die jüdischen Speisegesetze, auch Kaschrut-Regeln genannt, unterteilen Lebensmittel grob in koschere, also erlaubte, und nicht koschere (trefa). Zusätzlich unterscheiden gläubige Juden fleischige (basari) von milchigen (chalawi) und neutrale Speisen (parve).

Der Ursprung dieses jüdischen Reinheitsgebots liegt in der jahrtausendealten Tora, der "heiligen" Schrift der Juden. Sie entspricht dem Alten Testament der Bibel und enthält die fünf Bücher Mose. Die Tora schreibt beispielsweise vor, das Zicklein nicht in der Milch der Mutter zuzubereiten. Dies ist die Grundlage für die Trennung von milchigen und fleischigen Speisen, sowohl bei der Zubereitung als auch beim Verzehr.

Schächten: Eine umstrittene Schlachtmethode

Eine weitere Regel verbietet es gläubigen Juden, Blut zu essen. Diese Vorschrift gibt es in ähnlicher Form auch im Islam. Sie begründet die bis heute praktizierte umstrittene Schlachtmethode des Schächtens: Dabei soll das Tier beim koscheren Schlachten möglichst komplett ausbluten. Dazu schneidet der Metzger ohne vorherige Betäubung in einem Zug Halsschlagadern und Luftröhre bis zur Wirbelsäule durch. Angeblich wird das Tier dadurch sofort bewusstlos, jüdische Schächter durchlaufen außerdem eine spezielle Ausbildung und schlachten unter rabbinischer Aufsicht.

Tierschützer sind allerdings davon überzeugt, dass die Tiere beim Schächten einen qualvollen Todeskampf erleiden. Laut deutschem Tierschutzgesetz (§ 4a) ist diese Schlachtmethode verboten: "Ein warmblütiges Tier darf nur geschlachtet werden, wenn es vor Beginn des Blutentzugs zum Zweck des Schlachtens betäubt worden ist." Für Religionsgemeinschaften gibt es aber Ausnahmen.

Koscher essen: Wichtigste Regeln

Sich koscher zu ernähren, ist komplizierter als es scheint. Neben der Trennung von Fleisch und Milchprodukten und dem koscheren Schlachten gibt es unzählige weitere Regeln. Die wichtigsten fünf Punkte lauten:

  1. Milchprodukte sind erlaubt, dürfen aber nicht zusammen mit Fleisch gekocht oder verzehrt werden.
  2. Schweinefleisch ist verboten, Fleisch von Paarhufern, die auch Wiederkäuer sind (Rinder, Ziegen, Schafe) und Geflügelfleisch ist erlaubt.
  3. Fischarten mit Schuppen und Flossen sind erlaubt, Schalentiere verboten.
  4. Frisches Obst und Gemüse ist erlaubt.
  5. Fleischprodukte sollten von einem koscheren Metzger stammen.

Übersicht: Was erlaubt und was verboten ist

Die nachfolgende Tabelle gliedert die gängigsten Lebensmittel etwas detailreicher in koscher und nicht koscher, also trefa:

KoscherNicht koscher
Fleisch (Kühe, Ziegen, Schafe, Rehwild)Schwein, Pferd, Kamel, Nagetiere

Geflügel (Hühner, Puten, Enten, Gänse, Tauben)

Straußvögel, Raubvögel, Aasfresser

Fisch (Lachs, Forelle, Hering, Kabeljau, Flunder, Karpfen, Heilbutt, Makrele, Thunfisch)

Schalentiere, Aal, Wels, Schwertfisch

Milchprodukte von koscheren Tieren (Sahne, Butter, Joghurt, Weichkäse)

Hartkäse
Säfte mit hundert Prozent FruchtgehaltTraubensaft

Eier von koscheren Tieren

Insekten, Würmer, Reptilien und Amphibien

Obst und Gemüse

Zusatzstoffe wie Tierfette, Gelatine, Emulgatoren
Getreide, Mehl, Zucker, Salz


Grenzfälle: Nur unter rabbinischer Aufsicht

Wer streng nach jüdischem Glauben leben möchte, achtet bei bestimmten Lebensmitteln und Produkten darauf, dass sie unter rabbinischer Aufsicht hergestellt worden sind. Das liegt zum einen an den strengen Regeln der jüdischen Speisegesetze und zum anderen an der heutigen industriellen Erzeugung, die das Prädikat "koscher" nicht immer garantieren kann.

Das gilt in erster Linie für Fleischprodukte, aber beispielsweise auch für Wein, Käse, Milch und Eier. Da in den USA viele Juden leben, sind koschere Produkte dort häufig mit Hinweisen versehen, was das koschere Leben natürlich einfacher macht. Heutzutage leben jedoch nur noch orthodoxe Juden und Rabbiner streng nach den Speisegesetzen.

Regeln am Passahfest: Koscher und ungesäuert

Einen Sonderfall stellt das Passahfest im Frühling dar, das an den Auszug des israelischen Volkes aus der Sklaverei in Ägypten erinnert. Etwa eine Woche vor dem eigentlichen Fest werden sämtliche Getreideprodukte aus der Wohnung entfernt. Außerdem wird die Wohnung gründlich geputzt.

Am Vorabend des Passahfestes, dem Seder, werden die traditionellen ungesäuerten Brotfladen Matze gegessen. Ungesäuertes Brot symbolisiert das elende Sklavenleben in Ägypten. Als typisches Gericht für Passah gelten außerdem die koscheren "Pessach Blintzes", gefüllte Pfannkuchen aus ungesäuertem Brot.

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