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Finger weg von billigem Whisky

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Spirituosen vom Discounter  

Was taugt Whisky für acht Euro?

Von Christian Fenselau

19.04.2016, 16:42 Uhr
Finger weg von billigem Whisky. Whisky-Verkaufsregal beim Discounter Penny (Quelle: t-online.de)

7,59 Euro kostet der Mc Illroy bei Penny. Nach Abzug aller Kosten bleibt für den Inhalt kaum etwas übrig. (Quelle: t-online.de)

Queen Margot, Old Keeper, Crown of Scotland – die Vielfalt an Discount-Whiskysorten scheint groß. Sind es wirklich so viele unterschiedliche Marken? Wo kommen die Namen her? Wir sind auch der Frage nachgegangen, was die Riege der Acht-Euro-Whiskys für eine Geschmacksnote hinterlässt. Und ob etwas dagegen spricht, seinen Gästen solch einen Tropfen in einer unscheinbaren Karaffe vorzusetzen.

Der billigste Whisky kostet weniger als acht Euro. Davon bleiben nach Abzug von Handelsspanne, Mehrwert- und Alkoholsteuer, Flasche, Verpackung und Transport gerade einmal ein paar Cent für den Whisky übrig. Kann der etwas taugen?

Torf- und Salzaromen sind nicht jedermanns Geschmack

Wir wissen, dass bei den meisten Blindverkostungen eben nicht das teuerste Getränk gewinnt. Das ist bei Whisky nicht anders als bei Wein oder Bier. Und nicht jeder ist ein Whiskykenner, der sofort den Preis einer Flasche schmeckt. Außerdem: Selbst so mancher Experte ist auf die Torf-, Teer- und Salzaromen in höheren Preisregionen nicht gut zu sprechen und steht eher auf feinere Nuancen. Also kann man es mit dem Discount-Whisky ja mal probieren - schlimmstenfalls schüttet man den Sprit in die Cola, wenn er pur doch nicht schmeckt.

Das Versprechen ...

Im Laden, irgendwo zwischen Zwiebeln und Toilettenreiniger, kommt keine echte Einkaufsatmosphäre auf. Doch spätestens der Blick auf das Etikett eines typischen Discount-Whiskys stimmt uns gnädig. Uns werden üblicherweise feinste Aromen versprochen, die Abfüllung ist "Special Reserve", also etwas ganz Besonderes. Der Whisky lagerte "lange" in den besten Eichenfässern, ist besonders rein. Mit Begriffen wie "rare", "pure" und "old" gehen die Hersteller inflationär um. Dazu sind die Etiketten auf edel getrimmt und haben häufig goldfarbene Kanten.

... und das steckt dahinter

Papier ist bekanntlich geduldig. Die Werbetexter können einfach alles draufschreiben, was ihnen in den Sinn kommt – solange sie nicht nachweislich lügen. Eine falsche Angabe zum Alter des Whiskys machen sie nicht, und über Geschmack lässt sich trefflich diskutieren. "Lange gelagert" ist kein genauer Zeitraum. Begriffe wie "Special Reserve" haben gar keine Bedeutung. Dahinter kann alles stecken, auch die Reserve mit der geringsten Qualität.

Im Gegensatz zu den guten Brands, die oft eine historisch begründete Bezeichnung tragen, sind die Namen der Discount-Whiskys reine Phantasie. Das hat aus Sicht der Hersteller mehrere Vorteile. "Old Keeper" hört sich einfach feiner an als etwa "Laphroaig" oder "Tomatin". Die genaue Herkunft lässt sich damit verschleiern – so ist es denkbar, dass eine Brennerei gleichzeitig mit mehreren Brands am Markt auftritt. Und wenn der Name in Verruf geraten ist, wird ein neuer kreiert.

Drei Jahre, keine Minute länger

Drei Jahre muss ein Whisky in einem maximal 700 Liter fassenden Eichenfass gelagert sein, um sich so nennen zu dürfen. Beide Vorgaben dürften optimal ausgereizt sein, alles andere rechnet sich nicht. Lagerzeit kostet schließlich Geld, und hier diktiert der Preis. Wie viel für das eigentliche Getränk übrig bleibt, hatten wir schon erwähnt. 

Die drei Jahre Lagerung verbringt der Whisky in Ex-Bourbon-Fässern, in denen zuvor teurerer Scotch-Whisky lagerte, der die Aromen aus dem Eichenholz gezogen hat. Bourbon-Fässer sind im Vergleich zu den Sherry-Fässern Massenware, der Whisky aus einem Sherry-Fass ist weit teurer und schmeckt in der Regel besser.

Die Fässer mergeln mit der Zeit aus und setzen dann kaum noch Aromen frei. Durch ihr riesiges Volumen bieten sie auch weniger Oberfläche – die kleineren Fässer werden für Premium-Whiskys benutzt. Klar, dass die Riesenfässer auch keine Farbe mehr an den Whisky abgeben und die Abfüller mit Zuckercouleur nachhelfen. Den Geschmack beeinträchtigt es zumindest nicht.

Hoher Grain-Anteil

Ein Blended Scotch Whisky ist immer eine Mischung unterschiedlicher Fässer, dem Malt wird Grain Whisky zugesetzt. Letzterer lässt sich industriell aus Getreide, meist Weizen, herstellen und ist viel billiger als Malt, deshalb ist sein Anteil umso höher, desto weniger die Flasche im Laden kostet. Auf gleichbleibende Qualität kann kaum Wert gelegt werden, weil das umfangreiche Verkostungen voraussetzt. Teure Malt-Whiskys von verlässlicher Qualität werden aus Hunderten von verschiedenen Fässern gemischt. Hier sind echte Könner am Werk, die genau wissen, welcher jeweilige Anteil welche Auswirkung auf den finalen Geschmack hat. Ein Whisky mit einem Flaschenpreis von unter acht Euro wird möglicherweise aus Anteilen zusammengeschüttet, die für die bessere Ware unpassend sind. 

Der Geschmack

Wer beides kennt, Scotch Whisky vom Discounter als auch Single Malt gehobener Kategorie, weiß, dass beides sehr wenig miteinander zu tun hat. Der Geschmack eines Acht-Euro-Whiskys ist flach, die Aromen sind wenig komplex und reichen bestenfalls von Zitrus- bis Honignoten. Es dominiert der Alkohol, billige Brände schmecken spritig. Der Abgang ist ebenso flach wie der Antritt. Viele Whisky-Liebhaber bezeichnen den Nachgeschmack als unangenehm. Immerhin: Exakt gleich schmecken sie nicht. Das spricht zumindest für eine unterschiedliche Herkunft von Queen Margot, Mc Illroy und Co. 

Pur ist Billigwhisky nur schwer genießbar, auch mit Wasser ändert sich das nicht. Es bleibt der Einsatz im Cocktail oder in der Cola übrig, dort wird der Geschmack von den anderen Aromen weitgehend überdeckt. Das entspricht auch den Gewohnheiten derjenigen, die ihn gerne trinken. Doch wer auch in Cola besseren Whisky gewohnt ist, wird ebenfalls einen deutlichen Unterschied zu den teureren Tropfen schmecken.

Warum guter Whisky teurer ist

Der teuerste Whisky ist nicht automatisch der beste – das gilt auch umgekehrt. Aber alles, was einen Whisky gut macht, hat seinen Preis: Gute, wenig benutzte Fässer, lange Lagerzeit, hoher Mail-Anteil und nicht zuletzt das Können des Destillers. Beim billigsten Whisky fällt zwangsläufig alles dem Kostendruck zum Opfer. 

Whisky als Mixgetränk

Wenn Sie Whisky gerne vermixen, testen Sie selbst: Teurere Whiskys gibt es zum Probieren vielfach als Miniatur, so vermeidet man das Wegschütten, wenn er einem nicht zusagt. Mischen Sie einen guten, milden Highland-Malt wie Glenlivet, The Balvenie oder Glenmorangie doch einmal mit Cola, Baileys oder was Ihnen sonst einfällt. Sie werden auch hier einen deutlichen Unterschied zum billigen Blended schmecken. Eiswürfel sind übrigens tabu – durch die Kälte werden die Geschmacksnerven betäubt. Deshalb sind auch so manche Schnäpse nur eiskalt genießbar. Vielleicht ist unter dieser Voraussetzung Eis für Discountwhisky keine schlechte Idee ...

Sollte Ihr Gast guten Whisky zu schätzen wissen, wird er schnell merken, wenn Sie ihm Discounterware vorgesetzt haben. Sie stehen dreifach blamiert da: Dem Gast den Abend verdorben, einen schlechten Eindruck hinterlassen und keine Ahnung von Whisky. Das sollten Sie nicht riskieren.

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